Goldenes Flüchtlingscamp: Airport Dubai

Kennt jemand den Flughafen von Dubai? Dort hängen statt der üblichen Bahnhofs- oder Digitaluhren echte Rolex-Uhren! Es blinken güldene Lichterketten und die Laufstege werden von mächtigen Kunstpalmen gesäumt.

Dubai Airport

Aber viermal mussten wir nun schon im Airport Dubai rumhängen und ausharren, warten und gammeln. Was daran so schlimm ist? Nun, Emirates ist eigentlich eine tolle Fluglinie, die Wartezeit zwischen den Anschlussflügen war jedoch jedesmal extrem lang, bis zu 6 h. Aber auch wieder nicht so lang, als dass sich eine Tour durch die Stadt gelohnt hätte, vor allem, weil wir jedesmal irgendwann mitten in der Nacht dort ankamen.

Wenn der Flughafen wenigstens irgendwie nett zum Shoppen oder Ausruhen wäre. Ok, shoppen kann man. Aber auf Schnäppchen kann man dort vergeblich hoffen, Elektronikzeugs gibts daheim im Saturn billiger. Essen ist naja. Und arabischen Krimskrams und Kitsch-Souvenirs (Wasserpfeifen, Kaftane, …) braucht man wohl kaum, wenn man gerade auf dem Weg nach Südostasien ist.

Der Hammer sind aber die Wartebereiche. Wartebereiche? Es wird wohl alles getan, um die Wartenden von einem gemütlichen Päuschen abzuhalten. Ruhebereiche sind des nachts abgeriegelt. Kein Durchlass. Die wenigen Ruhe-Sitze sind natürlich immer belegt.

Slleping at Dubai airport

Und so kommt es, dass der Flughafen von Dubai aussieht wie ein arabisches und indisches Flüchtlingscamp. Hunderte Menschen, Gastarbeiter aus Bangladesch oder Pakistan, indische Familien auf Heimreise, dazwischen westliche Touristen, biwakieren auf dem Boden, versuchen sich auf den Teppichen vor den Gates auszustrecken und zu ruhen. Das letzte Mal, auf unserer Heimreise von Malaysia, war’s mir auch egal: ich legte mich einfach kurzerhand unter eine Bank und machte ein Nickerchen. Nach vier Stunden klingelte mein Handy-Wecker. Gerädert und müde gings dann weiter, nochmal 7 h bis nach München. Gähn. Ächz.

Sleeping at dubai airport -2

Ja bin ich hier im Wald? (Taman Negara)

Unsere Malaysia-Tour hatte auch eine gewisse Enttäuschung aufzuweisen: der Taman Negara. Dies ist eines der ältesten Dschungel-Gebiete der Welt, ca. 4300 qkm groß. Um hinzukommen, kann man sich entweder über den Tembeling Fluss schippern lassen oder man nimmt einen der Backpacker-Busse, die ständig nach Kuala Tahan fahren (Anbieter NKS Travel). Kuala Tahan besteht aus Nationalpark-Hauptquartier (Park-Verwaltung), einer dazugehörigen, teuren, aber hübschen Bungalow-Anlage, sowie, auf der anderen Flußseite ein paar Hotels. Zwischen Park-Verwaltung und dem Kaff Kuala Tahan ist noch der Fluss, über den man sich per “Fähre” schippern lassen muss. Entlang dem Ufer liegen die sog. “Schwimmenden Restaurants“, im Prinzip eher größere Bretterbuden auf Holzplanken, auf denen man ein bisschen was essen kann.

Malayische Pfadpfinderinnen

Der Taman Negara hatte folgende Enttäuschungen in petto:

  1. es gibt fast keine Tiere zu sehen. Die ständig herumknatternden Motorbote haben auch die letzten Uferbewohner in die unzugänglichen Teile des Waldes vertrieben. Die einzigen Tierchen, denen man im Wald begegnet sind Blutegel, deren Bissstellen  (oder Saugstellen, wie sagt man?) ich noch nach 3 Monaten sehen konnte.
  2. die Hotels in Kuala Tahan sind allesamt nicht doll. Eines der schlechtesten Hotels ist meiner Meinung nach das  “Rainforest Resort“: unfähiges, phlegmatisches Personal, unsauber, aber dafür trocken (kein Alkohol, nur im Minishop Dosenbier), zudem ein betrügerischer Tourvermittler.
  3. Kuala Tahan ist echt ein Kaff. Zunächst fanden wir die Idee mit den schwimmenden Restaurants ganz witzig, aber nach 2 Tagen hing uns das ewig gleiche Essen (gebratene Nudeln) aus dem Hals raus. Wer ein Fan von schlecht zubereitetem Nasi Goreng ist, kommt jedoch auf seine Kosten, jedes Restaurant hat ungefähr die gleiche Auswahl an drei Dutzend Variationen (Preis pro Gericht: 2, 50 €) Auf ein Feierabendbier muss man natürlich auch dort verzichten. Allah sei Dank. Ansonsten möchte ich in Kuala Tahan nicht tot überm Zaun hängen, so langweilig ist der Ort.

Frühstück

Ansonsten kann man ja noch ein paar Mehrtagestouren buchen, vielleicht kriegt man da etwas zu sehen.

LBK Floating Restaurant, Kuala Tahan, Taman Negara

LBK Floating Restaurant. Büro von NKS Travel

Aber ich will nicht nur meckern:

  1. die paar Wanderwege um Kuala Tahan, mitten im Dschungel sind ganz hübsch
  2. der Canopy Walk ist wirklich ein Muss!
  3. die Rückfahrt auf dem Tembeling Fluss (ca. 3 h) ist wirklich lohnenswert.
Canopy Walk

Canopy Walk

Fazit: wer keine Mehrtagestour im Taman Negara machen möchte, kann eigentlich nach 2 Tagen auch wieder abdüsen. In den 2 Tagen empfehle ich:

  1. Canopy Walk (5 €)
  2. Wanderung zum Terek Hügel durch den Dschungel
  3. Rückfahrt auf dem Tembeling Fluss

Die anderen angebotenen Touren (“Nachtsafari”, “River Rafting”) sind mehr oder weniger Unsinn, den man sich sparen kann.

Rückfahrt

Rückfahrt auf dem Tembeling River, ca. 3 h

Warm mit Regen und sehr warm mit Regen

Alles schön und gepflegt

Jahreszeiten in Malaysia

Ankunft in Kuala Lumpur

In Malysia gibt es nur zwei Jahreszeiten: 1. warm mit Regen und 2. sehr warm mit Regen, so jedenfalls der Onkel meiner Liebsten, der nun schon seit mahr als zwei Jahren im Land lebt und arbeitet. Während der moderne Flughafen noch schön klimatisiert war, traf uns die Hitze außerhalb wie eine geöffnete Saunatür. Also schnell ins Auto rein und ab nach Petaling Jaya, einer Großstadt kurz vor Kuala Lumpur (man könnte PJ auch Vorstadt nennen, aber mit 500.000 Einwohnern). Vom Airport nach KL sind es über 70 Kilometer, auf einer hübschen Maut-Strecke. Der erste Eindruck von Malaysia war überraschend: keine knatternden Tuktuks, gepflegte Straßen, mehr oder weniger hübsche Wohnblocks am Straßenrand. So ganz anders als in Thailand, dem direkten Nachbarland. Aber: “gleich hinter den Blocks fängt Afrika an“, so mein “Schwiegeronkel”, wollte sagen: Malaysia bietet eine ordentliche Fassade, dahinter verbirgt sich das Entwicklungsland.

Tropicana1Tropicana

Petaling Jaya ist eine der wohlhabensten Städte Malaysias, mit ca. einer halben Mio. Einwohner, davon über die Hälfte chinesischer Abstammung (die “Chinesen” bilden das wirtschaftliche Rückgrat Malaysias). Kein Wunder, das dort viele “Expats” wohnen. Eine tolle Wohngegened ist bspw. das Golf & Country Resort Tropicana, welches neben ausgedehnten Golfplätzen auch eine Art Villendorf mit einschließt. Hier ist nun mein “Schiegeronkel” mitsamt Familie, Hausmädchen und Hunden untergekommen – mit vielen reichen Chinesen in der Nachbarschaft.

Nach dem langen Flug haben wir dort, in brütender Wärme, erstmal einen kleinen Spaziergang gemacht und sind dann müde ins Bett.

Impressionen aus Israel #1

Neve Hanna

Unsere erste Station in Israel war Kiriat Gat und dort das Kinderheim Neve Hanna, in dem meine Liebste vor über 8 Jahren ein freiwilliges Jahr zugebracht hat. Wir wurden freundlich empfangen, auch wenn uns der Torwächter uns nur etwas umständlich selbst das Tor öffnen liess, weil er selbst wegen des Sabbats nicht arbeiten durfte.

Kinderheim Neve Hanna

Dudu, der Heimleiter, versorgte uns am nächsten Tag mit leckerem, selbstgebackenem Brot aus der “Heim-” Bäckerei. Die Bäckerei dient auch dazu, die Kinder, welche aus verwahrlosten Familien stammen, an das Arbeits- und Berufsleben heran zu führen.

Dudu in der Neve-Hanna Bäckerei

Kiriat Gat

Kiriat Gat selbst ist keine besonders schöne Stadt. Das kleine Einkaufszentrum ist am Samstag, am Sabatt völlig verwaist, und Müll liegt rum.

Kiriat Gat

Überhaupt Müll – ganz Israel ist ziemlich vermüllt. Insbesondere in arabischen Siedlungen und Gemeinden stapft man durch Unrat, aber auch woanders ist die öffentliche Müllbeseitigung offensichtlich nicht ganz so effektiv oder effizient wie bei uns. Ziemlich gewöhnungsbedürftig und manchmal echt schade und ärgerlich.

Müll in Kiriat Gat

Müll in Kiriat Gat ... noch ein harmloser Fall

In ganz Israel gibt es viele Picknickplätze, die auch rege genutzt werden. Wenn man sich auch da nicht am herumliegenden Müll stört, ist das eine wunderbare Sache, man lernt schnell Leute kennen und wird eingeladen.

Tel Aviv und Jaffa

Schon am nächsten Tag sind wir nach Jaffa und Tel Aviv gefahren. Durch Tel Aviv haben wir uns durch den etwas wuseligen Verkehr gekämpft, und sind dann durch die Stadt geschlendert. Tel Aviv ist wirklich eine der lebenswertesten Städte Israels. Nicht so fromm-ideologisch-verbiestert wie Jerusalem, sondern fröhlich und frei, mediterran, mit einem großen Schuss Orient (oder umgekehrt). Es gibt eine tolle Strandpromenade, interesante Märkte, Einkaufszentren, Bars, Retaurants, viele Händler, Nachtleben.

Falaffel-Stand in Tel Aviv

Leider ist auch die Strandpromenade etwas heruntergekommen, seit die Touristen aus Furcht vor Terror-Anschlägen fernbleiben. Diese Angst halte ich zum jetzigen Zeitpunkt (2007) aufgrund der aktuellen Lage und der Statistik für unbegründet, aber es wird noch etwas dauern, bis sich Israel wieder einen Platz auf der touristischen Landkarte erobert hat. Es ist zu hoffen, dass Israel auch weiterhin Erfolg hat im Kampf gegen Terror und Fanatismus.

Dann waren wir noch in Jaffa. Jaffa ist hauptsächlich wegen seines großen Trödelmarktes interessant.

Straßenszene in Jaffa

Außerdem bieten sich von dort sagenhaft schöne Ausblicke auf Tel Aviv. Wir haben ein paar Leckereien in einer der berühmten Bäckereien gegessen, und wollten sie auf einem der Picknickplätze verputzen, aber nachdem wir dort über eine tote Katze gestolpert sind, haben wir es doch wieder anders überlegt.

Bäckerei in Jaffa mit jahrzehntelanger Tradition

Israel – Tipps

Hier ein paar Tipps, die ich aufgrund unserer Reise geben kann. Ich bin wahrlich kein Experte, ich gebe nur das wieder, was mir während der paar Tage aufgefallen ist.

Sicherheit

Sicherheit ist wohl eins der Hauptsorgen, die ein Israelbesucher hat. Die Statistik widerspricht aber diesen Sorgen ziemlich. Auf der Straße braucht man keine Angst haben, etwa ausgeraubt zu werden o.ä., in den meisten Gegenden sind auch nachts ziemlich sicher (Ausnahme: Gegenden mit überwiegend arabischer Bevölkerung) (* siehe Anmerkung unten).

Die Anschlagsgefahr ist auch in den letzten fast komplett zurückgegangen. Die Gefahr, Opfer in einem Verkehrsunfall zu werden, ist tausendmal höher, als von einem fanatischen Terroristen in die Luft gesprengt zu werden.

Gewisse Gefahren können sich in Grenznähe zum Libanon oder Richtung Gaza ergeben. Die Terrororganisationen Hamas und Hisbollah schiessen gelegentlich Raketen über die Grenze.  Aber auch hier ist die Wahrscheinlichkeit, dass man ausgerechnet von einer Rakete getroffen wird, gering. Für die Bewohner in der Region stellt sich das anders da: wer täglich von Terroristen mit Bomben und Raketen bedroht wird, wird ziemlich mürbe und entnervt.

Natürlich gibt es auch in Israel Orte und Gegenden, die problematisch sind, so wie in jedem Land. Ost-Jerusalem z.B., auch der arabische Tel der Altstadt birgt ein gewisses gefährliches Potenzial.

Gleiches gilt auch für Mea Shearim, das jüdisch-orthodoxe Stadtviertel in Jerusalem. Dort könnem einem schonmal Steine oder Fäuste entgegenfliegen, wenn man “unpassend” angezogen ist, fotografiert, oder am Sabbatt irgendwas unpassendes anstellt (Auto fährt…) und/oder die Ruhe stört.

Überhaupt finde ich diesen ganzen Religions-Fanatismus, insb. der Araber, aber auch den der orthodoxen Juden, in Jerusalem für wirklich nervig und hässlich. Man kommt sich vor wie im vorletzten Jahrhundert.

Die Militär- und Polizeipräsenz in den Straßen, auf Plätzen und an Gebäuden ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig – vor allem, weil alle mit Riesen-Wummen rumstehen.

Trotzdem: aus Sicherheitsgründen sollte sich z.Zt. niemand von einer Reise nach Israel abhalten lassen.

(*) Ich will übrigens nicht sagen, dass Araber / Palästinenser grundsätzlich krimineller sind, aber das Gewaltpotenzial ist aufgrund der Frustration und des Fanatismus wesentlich höher. In Ost-Jerusalem bspw. sollte man vorsichtig sein, insbesondere als Frau.

Autofahren

Die Straßen sind alle gut ausgebaut, nachts beleuchtet, und außerhalb der Städte rel. ruhig. In Jerusalem und Tel Aviv fand ich den Verkehr etwas anstrengend, aber wir sind trotzdem gut durchgekommen.

Handeln

Bei allem muss man handeln! Immer! Nicht unverschämt und unfreundlich werden! Handeln gehört da zur Kultur. Leider kann ich das nicht so, vermutlich bin ich zig mal übers Ohr gehauen worden.

Israel, Reisestationen 2007

Eine kleine Karte mit unseren Reisestationen

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Die Reise in Kurzform

Los ging es von Tel Aviv mit unserem Mietwagen. Zunächst fuhren wir nach Kiriat Gat zum Kinderheim Neve Hanna. Von dort unternahmen wir Ausflüge nach Tel Aviv und Jaffa.

Neve Hanna

Kurz vor der Hochzeit ging es noch durch den Negev nach Mitzpe Ramon, wo wir eine lange Wanderung durch den brütend heißen Kessel des Kraters unternommen haben.

Im Negev, links, das bin ich

Negev; links im Bild, das bin ich

Von dort ging es wieder durch den Negev zum Toten Meer. Einmal im Leben Zeitunglesen beim Schwimmen.

In Jerusalem waren wir zur Hochzeit von Dana und Mosche eingeladen. Ein ganz besonderes Erlebnis, vor allem, weil wir uns eine jüdische Hochzeit etwas anders vorstellt hatten. Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht.

Me'a Sche'arim, Orthodoxes Viertel

Me'a Sche'arim, orthodoxes Viertel

In Jerusalem war ich auf dem Ölberg, im jüdisch-orthodoxen Viertel und bin durch die Altstadt gestreift. An meinem Geburtstag, der auf einen Freitag (Sabatt) fiel, mussten wir ein bisschen suchen, um eine offene Kneipe zu finden…

Jerusalem, Westmauer des Tempelbergs

Jerusalem, Westmauer des Tempelbergs

Jerusalem war unglaublich interessant und spannend. Aufgrund der spürbaren, religiösen Spannungen in der Stadt würde ich dort aber nie leben wollen.

Anschließend ging es gen. Norden, Richtung Rosh Pina. Von dort haben wir Ausflüge Richtung Golan und nach Tsfat, eine berühmte Künstlerstadt unternommen, sowie eine Kanufahrt auf dem Jordan. Auf dem Rückweg haben wir noch noch am See Genezareth und Tiberias Station gemacht. An Tiberias ist der Frozen Yoghurt das Beste, ansonsten kann man sich diese Touristadt schenken.

Tsfat

Tsfat (Safed)

Ein besonderes Erlebnis war auch die Gastfreundschaft bei unseren beduinisch-muslimischen Freunden in Rahat, eine Stadt zwischen Kiriat Gat und Beersheva.

Beware of camels! Ist Israel sicher?

Dangerous RoadsVor und nach meinem Urlaub haben mich einige Freunde gefragt, ob man denn in Israel unbeschwert reisen kann. Die meisten befürchteten wohl, dass ich ständig Gefahr liefe, einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen. Nun – ich lebe noch, und kann die Bedenken hinsichtlich Sicherheit erstmal zerstreuen.

Ok, dass überall bewaffnete Sicherheitskräfte herumstehen, erweckt ein mulmiges Gefühl. Tatsächlich kann es im Land zu plötzlichen Gewaltausbrüchen kommen – die Chance, dass man hierbei involviert ist und zu Schaden kommt, ist jedoch sehr gering. Hinsichtlich der “üblichen” Kriminalität ist Israel ein sicheres Reiseland. Jedenfalls braucht man (und Frau) nicht ständig Angst haben, des nachts überfallen und ausgeraubt zu werden, man kann relativ sorglos sein Auto stehen lassen etc. Natürlich gilt das nicht unbedingt für nächtliche Ausflüge in Gebiete mit überwiegend arabischer Bevölkerung oder in die Autonomiegebiete, aber dies sind eh keine Gegenden, in denen sich Touris normalerweise aufhalten. Und wenn man ein komisches Gefühl in Ost-Jerusalem haben sollte: nun ja, mit ein bisschen Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit stellt man fest, dass auch dort nur Menschen wohnen, leben und arbeiten, die ihren Frieden haben wollen.

Trotzdem sind Ost-Jerusalem und die anderen Gebiete mit arabischer Bevölkerung sicherlich nicht ganz unproblematisch. Hier kommt es des öfteren auch zu hitzigen Reaktionen auf was auch immer. Westlich gekleidete Frauen sollten dort nicht unbedingt alleine rumspazieren. Muss ja auch nicht sein, es gibt soviele andere schöne Gegenden mit freundlichen Menschen in Israel, wo man/frau auch nachts um 3 sicher ist.

Beim Aspekt Sicherheit erregen insbesondere die sog. Selbstmordanschläge die Aufmerksamkeit. Die intensive und reisserische Berichterstattung in der Presse erweckt vielleicht das Gefühl, als wenn man in Israel ständig Gefahr läuft, von einer Bombe in die Luft gejagt zu werden. Das ist natürlich Unsinn.

Um mal ein bisschen die Statistik zu bemühen, sollte man mal die Opfer von Selbstmordattentaten mit den Verkehrstoten vergleichen:

Jahr Todesopfer von Selbstmordattentätern Verkehrstote in Israel
2000 0
2001 85
2002 220 (2. Intifada)
2003 142
2004 55
2005 22 437
2006 15 405
2007 3 382

Quellen: Israelisches Außenministerium – Terror in Israel

Central Bureau of Statistics (Annual Casualties in Road Accidents)

Wie man leicht sieht, war die schlimmste Zeit die Zeit die der 2. Intifada, in der statistisch gesehen ca. einmal pro Woche (55 mal im Jahr) ein Selbstmordbomber Menschen in den Tod riss. So schlimm diese Morde auch waren – sie lagen immer noch unter der Zahl der Verkehrstoten, die Israel zu beklagen hatte. Zum Glück ist die Gefahr, Opfer eines Terroranschlags zu werden, in den folgenden Jahren kontinuierlich gesunken.

Dennoch ist die terroristische Gefahr – seien es nun Selbstmordattentäter oder die Raketen, die Extremisten und Terroristen wie Hamas oder Hisbollah über die Grenzen schiessen, eine ständige Gefahr für Israel, auch wenn die tatsächlichen Opferzahlen gering sind. Diese ständige tatsächliche oder latente Bedrohung durch terroristische Aktivitäten aus den Nachbarländern erklärt die mitunter harrschen, teilweise präventiven Reaktionen des israelischen Militärs auf Angriffe.

Apropos Verkehrstote in Israel: die Zahl liegt immer noch relativ hoch – im europäischen Vergleich. Dabei hatte ich eigentlich nicht das Gefühl, die Israelis würden besonders riskant fahren. Die meisten Straßen und Gegenden sind sowieso recht einsam. Vielleicht liegt es auch an der laxen Einstellung zu Anschnallgurt und sonstigen Sicherheitsmaßnahmen – die Hälfte der Verkehrstoten sind Autoinsassen. Auch fahren viele klapprige Gestelle ohne Airbag usw. rum. Jedenfalls empfand ich das Autofahren in Israel nicht als besonders stressig oder unwägbar. Eine Reise mit dem Mietwagen kann ich nur empfehlen!

Fazit: vor einer Reise nach Israel braucht man zum heutigen Zeitpunkt keinerlei Furcht haben, im Gegenteil, man sollte sich statt dessen auf die Kultur , die Menschen und die vielen neuen Eindrücke freuen, die einen erwarten.

Oase der Hanna

Wir sind nach Israel gefahren, um bei der Hochzeit einer Freundin meiner Liebsten beizuwohnen. Diese Freundin – Dana – hat sie im Kinderheim Neve Hanna in Kiriat Gat während ihres sozialen Jahrs kennengelernt. Dana hat damals eine Art Sozialdienst während ihrer Wehrpflichtzeit im Kinderheim gemacht. Diese Möglichkeit besteht für Frauen, die dann nicht ihren gesamten Wehrdienst in einer Armeeeinheit ableisten müssen.

In Neve Hanna wurden wir sehr herzlich aufgenommen. Es steht ein kleines Gästehaus bereit. Im unteren Stockwerk leben zudem die Voluntäre, oft aus Deutschland.

Das Kinderheim (der Name bedeutet “Oase der Hanna”) wurde von einer emigrierten deutschen Jüdin gegründet und bietet Kindern aus schwierigen Familien (Krankheit, Drogensucht, Kriminalität und Prostitution) eine Art Ersatzfamilie. Das Kinderheim zeichnet sich durch ein besonderes pädagogisches Konzept aus. Die Kinder sind bunt gemischt, aus allen gesellschaftlichen Schichten, und verschiedenen Herkunftsländern (Israel, oder Kinder aus Einwandererfamilien aus Rußland oder Äthiopien).

Neben der Vermittlung jüdischer Traditionen ist auch der Kontakt zu anderen Kulturen ein wichtiger Punkt im Erziehungskonzept. So besteht seit langem eine Partnerschaft mit der Stadt Rahat, eine Stadt in der Nähe von Kiriat Gat, wo insbesondere muslimische Beduinen wohnen. In gemeinsamen Spiel- und Lernkreisen sollen die Kinder die Achtung und Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Religionen lernen.

In Deutschland kümmert sich der deutsche Verein “Neve Hanna Kinderhilfe e.V.” um Spenden und die Vermittlung von Voluntären.

Informationen über Neve Hanna gibt es auf folgender Webseite:

http://www.nevehanna.de

Kaschemme: Jaffa Gate Hostel

Eine ganz üble Kaschemme in Jerusalem ist das Jaffa Gate Hostel. Hat zwar eine super zentrale Lage (direkt am Jaffa-Tor), aber die Zimmer sind zum Teil unter aller Sau. Unser fensterloses Zimmer war dreckig, siffig, ungepflegt und stinkig. Und teuer ist es auch noch, ca. 30 € die Nacht. Jerusalem ist generell eine teure Stadt, was die Unterkünfte angeht, aber für den Preis muss selbst dort etwas mehr drin sein.

Auf nach Israel

Jetzt haben wir also eine Einladung zu einer Hochzeit in Jerusalem, und ich freu mich. Die Zeit werden wir natürlich auch nutzen, Israel ein bisschen zu erkundschaften. Meine Liebste hat schon ein ganzes Jahr in dem Kinderheim Neve Hana in Kiriat Gat gearbeitet, für mich ist es mein erster Besuch.
Meine Kenntnisse über Israel sind bruchstückhaft. Ein bisschen näher ist mir Israel durch das Buch “Israel, um Himmels willen, Israel” von Ralph Giordano gekommen.

Kurze Geschichte Israels

Israel ist der einzige echte demokratische Staat in Nahen Osten. Israel ist von arabischen Staaten umgeben, die von mehr oder weniger blutrünstigen Despoten oder Terrororganisationen (mit)regiert werden, und die Israel seit seiner Gründung seinen wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Erfolg neiden. Israel ist der Staat der Juden, trotzdem sind etwa 20% aller Einwohner Israels Muslime und Angehörige anderer Religionen. Die Geschichte Israels reicht über 4000 Jahre zurück. Nachdem die Juden in die ganze Welt verstreut wurden, kamen einige, die Zionisten, vor ca. 100 Jahren zurück, und trachteten danach, einen eigenen Staat zu gründen. Nach dem zweiten Weltkrieg war es dann soweit. Nach dem Holocaust flohen oder emigrierten soviele Juden nach Israel, dass 1948 der Staat Israel ausgerufen wurde. Die Staatsgründung ging einher mit der Flucht vieler Muslime, der sog. “Palästinenser”, und einem Krieg der Nachbarstaaten gegen den neuen Staat. Die Palästinensischen Flüchtlinge stellen bis heute ein Problem dar, da sie sich nicht mit dem Staat arrangieren wollten und aktiv, mit terroristischen Mitteln, gegen ihn kämpften. Seit ca. 40 Jahre ist die Lage noch angespannter, damals verteidigte sich Israel gegen eine bevorstehende Invasion arabischer Staaten. Im 6-Tage-Krieg schlug Israel seine Feinde vernichtend und besetzt seitdem einen großen Teil des Westjordanlandes.

Begünstigt durch demokratische, liberale und rechtsstaatliche Rahmenbedingungen ist Israel inzwischen zu wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und kultureller Blüte gelangt, sehr zum Frust der Nachbarstaaten, die z.T. in mittelalterlicher Despotie und Staatsauffassung verharren, und gerne ihr eigenes Versagen auf die Existenz Israel projezieren.  Besonders eklatant dabei sind dabei das verbale Säbelrasseln von Diktatoren und Verbrechern wie Gaddafi oder diesem iranischen “Präsidenten” Ahmadinedschad, der sich 2009 nur noch durch Wahlbetrug an der Macht halten kann.

In den letzten Jahren ist jedoch wieder mehr oder weniger Ruhe eingekehrt, wenn man von den Terroraktivitäten der Hamas im Gazastreifen oder der Hisbollah, die aus dem Libanon agiert, mal absieht. Die Hamas und Hisbollah führten bisweilen eine Art Zermürbungskrieg durch wahllose Raketenangriffe auf zivile Ziele, aber selbst diese Aktivitäten sind abgeklungen. Zumindest die Selbstmordattentate haben in den letzten Jahren stark abgenommen, und so kann man sich in Israel wieder sicher fühlen – wenn man einige wenige Regeln einhält.

Ahmadinedschad