Wie sicher ist Südafrika?

Mich fragen ja viele nach meiner Reise: wie sicher ist Südafrika?

Die Frage bezieht sich natürlich meist auf das Thema Kriminalität und was einige darüber in Bezug auf Südafrika gehört, gelesen oder gesehen haben.

Es existieren geradezu Horrorgeschichten, was die Sicherheit in Südafrika angeht. Dass an jeder Straßenecke ein Räuber lauert, oder dass einem das Auto gehijackt wird, während man an der Ampel wartet.

Meine Meinung: diese Geschichten werden total überbewertet, und Urlauber kommen mit der Kriminalität nur am Rande in Berührung, wenn sie sich besonders dämlich verhalten.

Sicher, viele kriminelle Dinge passieren und man sollte sie nicht herunterspielen. Andererseits: gehäufte Überfälle, Mord- und Totschlag, Carjacking etc. konzentrieren sich auf bestimmte Gebiete, vor allem Townships, und Ballungszentren. Insbesondere Johannesburg und zum Teil auch Durban haben No-Go-Zonen für Hellhäutige und Fremde, hauptsächlich dort, wo sich Junkies, Dealer, illegale Einwanderer und Prostituierte rumtreiben. Mit der Einhaltung bestimmter Regeln (abends dunkle Gegenden meiden, etc.) sollte man aber eigentlich sicher durch Südafrika kommen.

Ich kann auch nicht für alle Reisende sprechen. Es kursieren Geschichten von kleineren Überfällen oder Taschendiebstählen. Mir selbst ist nichts dergleichen passiert und ich habe mich immer gut gefühlt. Hinzu kommt, dass die Südafrikaner, egal ob schwarz oder weiss, meist sehr viel freundlicher und aufgeschlossener wirken, als der durchnittliche Landsmann hier. Ich finde, die Freundlichkeit hat sehr viel wett gemacht.

Gefahr im Busch: widerborstige Flora

Mich persönlich stört ein wenig, dass viele Straßenzüge abends nach Geschäftsschluss (schon gegen 5) wie ausgestorben wirken und dann zum Teil nur noch Bettler, zwielichtige Typen und Straßenkinder rumlungern. Diese Gebiete zu Fuß zu umgehen ist manchmal etwas schwierig, und wenn man alleine ist, sollte man eher ein Taxi nehmen. Die Südafrikaner, insbesondere die hellhäutigen, treiben sich ungern zu Fuß irgendwo rum, schon gar nicht, wenn’s dunkel wird. Andererseits sind die größeren Städte abends sowieso nicht sehenswert, und die Straßenzüge, in denen “was los ist”, wie z.B. die Florida Road in Durban, Long Street oder die V&A Waterfront in Kapstadt, sind auch abends sicher. Und von Kleinstädten wie St. Lucia, Hermanuns etc. – spreche ich gar nicht erst.

Ein weiterer Aspekt, warum es manchmal, gerade in größeren Städten “etwas komisch” ist, liegt darin, dass insbesondere Weiße in Südafrika offensichtlich bestimmte Gegenden und Stadtviertel kategorisch und komplett meiden, oder wenn überhaupt, nur mit dem Auto befahren. Durch diese Art der “Apartheid” bilden sich dann auch Legenden, und man hört immer Stories “von Bekannten von Freunden”, denen irgendwo am lichten Tag auf offener Straße das Geld abgeknöpft wurde. Ein weiterer Effekt dieses “Apartheidsverhalten” ist, dass man in einigen Gegenden für Stunden der einzige Hellhäutige ist, der sich rumtreibt. Das ist am Anfang ungewohnt, man kommt sich fremd und beobachtet vor, da aber Südafrikaner überwiegend sehr freundlich, hilfsbereit und sympatisch sind, hat sich mein Gefühl in dieser Hinsicht schnell normalisiert, und am Schluss ist mir die Hautfarbe eines Menschen sowieso nicht mehr aufgefallen.

Die Sicherheitslage aus statistischer Sicht muss allerdings trotzdem drastisch verbessert werden, insbesondere nachts gibt es immer noch zu viele Vorfälle, allerdings sind Touristen selten involviert. In Kapstadt oder Durban ist die abendliche Polizeipräsenz (“Public Security”) zwar sichtbar hoch, aber nicht in allen Straßen kann jemand stehen.

Am meisten hat die schwarze Bevölkerung unter der Kriminalität zu leiden, obwohl der (reiche) weiße Teil der Bevölkerung darüber lauter klagt.

Jesus muß auch überall ran, wenn es was zum Aufräumen gibt

Die Grundprobleme, nämlich 1. die krassen ungleichen Lebensverhältnisse und Perspektiven  im Land, und 2. die immer noch bestehende “Apartheid in den Köpfen” lässt sich aber auch durch noch so hohe Sicherheitsvorkehrungen nicht lösen.  Das dauert sicher noch Jahrzehnte, bis Südafrika wirklich so zusammen gewachsen ist, wie man sich das vor 15 Jahren, bei der Abschaffung der Apartheid, ausgemalt hat.

Wie auch immer, ich habe meinen Urlaub sehr genossen, obwohl ich ein wenig aufmerksamer war, als wie wenn ich im Schwarzwald Ferien gemacht hätte. Und nochmal: die schlimmen Sachen passieren meist in Großstädten wie Johannesburg und Durban, und da hauptsächlich in den Townships. Südafrika hat soviele schöne und sicherere Ecken, so dass man, wenn man zu den sehr vorsichtigen Naturen gehört, diese Orte auch auslassen darf, ohne zuviel zu verpassen.

Eins sollte ich noch anmerken: ich schreibe diese Zeilen aus der Perspektive eines Touristen, und als Tourist kann man seine Touren so planen, dass man nur die schönen, friedlichen, freundlichen Seiten des Landes kennenlernt. Was ganz anderes ist es, in Südafrika zu leben. Nicht umsonst haben die meisten Häuser in den Ballungszentren hohe Mauern mit Stacheldraht, und man kann z.Zt. eben nicht abends überall sorglos einen Spaziergang machen, oder joggen gehen, wie in Deutschland.  Hier muss die Sicherheitslage, insbesondere in und um die Städte herum dramatisch verbessert werden, damit Südafrika ein Land wird, wo man sorglos leben kann.

Wer aktuelle Informationen über Südafrika möchte, der sollte ich auf jeden Fall mal das Suedafrika-Forum.Net anschauen. Die Leute dort kennen sich wirklich besser aus als ich, und man bekommt immer gute Antworten.

Südafrika #6: auf der Route 62 zu Free Willy

Sonntag, 18.10.2009

Route 62, längste Weinstraße der Welt

Ich bin schon früh auf den Beinen. Eigentlich wollten Katie, Dona und ich uns noch eine Ausstellung in Oudtshoorn anschauen, aber Dona hat dann doch andere Pläne und Katie pennt noch um Neun. Naja, ein bisschen schade. Also mache ich mich auf den Weg über die berühmte “Route Sixty-Two”, einer Panorama-Straße durch die Karoo Richtung Westen, nach Montagu.

Route 62

Auf dem Weg nach Montagu komme ich an schnuckeligen, kleinen Orten vorbei (Ladismith, Barrydale), die allesamt den Eindruck machen, als seien sie noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Die Landschaft entlang der Route 62 ist wirklich schön, aber aber doch nicht ganz so spektakulär, wie ich mir ausgemalt habe. Ist wohl auch mehr eine Marketing-Masche, aber trotzdem, der  Weg llohnt sich. Die Weingüter, die auf dem Weg liegen, lasse ich aus, muss ja Autofahren…

Vino

Auch Ronnie’s Sex Shop auf der Route 62 lasse ich erstmal aus.

In the middle of nowhere

Gegen 4 komme ich in Montagu an. Dieses Städtchen hat nur ein paar Tausend Einwohner, aber Straßen wie in einer Großstadt, alle wie mit dem Lineal gezogen. Jedes Häuschen in Montagu hat seinen eigenen Charme, das Örtchen ist wirklich sehenswert, wie es so zwischen den Bergen liegt. Wetter ist sehr warm, kein Wölkchen am Himmel, die Luft aber kristallklar, was die Farben der Bergwelt drumherum noch besser in Szene setzt.

Four Oaks

Ich komme in der Pension “Four Oaks” an. Der Empfang ist (mal wieder…) warm und herzlich, ich fühle mich gleich wohl.

Four Oaks, Montagu

Die Rezeptionistin sieht ein ein bisschen aus wie Halle Berry, die hübsche dunkelhäutige amerikanische Actrice, bekannt als Bond-Girl. Sehr apart… Ich bekomme ein mittelgrosses, aber sehr geschmackvoll eingerichtetes Zimmer mit Doppelbett (450 Rand mit Frühstück). Leider ist das Restaurant am Sonntag geschlossen, aber für mich wird eine Reservierung in “Jessica’s Restaurant” gemacht, nur eine Straße weiter. Ich schlendere dann ein bisschen durch die Stadt, aber am Sonntag wirkt alles wie ausgestorben. Nur der Spar-Supermarkt hat auf. Ach ja und die Touristen-Info, die für so ein kleines Örtchen sehr gut ausgestattet ist.

Springbock und Blauschimmelkäse-Eis

Springbock mit Spätzle

Abends bin ich dann im “Jessica’s”, ein gediegenes, kleines Restaurant mit Spitzen-Küche, in der Bath Street. Ich bestelle Springbock-Medaillons mit Spätzle an einer Cranberry-Sauce. Dazu gibt es Süßkartoffeln und Zucchini. Springbock hat etwas von Wild, aber in Richtung Rind tendierend. Als Nachtisch ein wirklich unvergessliches Blauschimmel-Käse-EIS, jawohl, sehr delikat. Ich bin mal wieder überrascht über die Rechnung, kaum 20 Euro. Alleine für die zwei Gläser hervorragenden Weins würde man in München schon 10 bezahlen. Und dann noch in diesem Ambiente.

Leider muss ich diesmal alleine essen, und das trübt die Freude. Um mich mich “>mich “>herum tuschelnde Pärchen und ältere Freundeskreise. Ich versuche mich ganz auf das Essen zu konzentrieren und mir die einzelnen Geschmacksnoten zu merken. Trotzdem ist Essen in Gesellschaft einfach schöner, ich habe das Gefühl, die Kellnerinnen haben Mitleid mit mir. Südafrika ist unter anderem das Land des guten Essens und des guten Weines, aber alleine macht das irgendwie doch nicht so richtig Spaß. Aus diesem Grund sind mir die Gaumenfreuden Südafrikas zum Teil verborgen geblieben. Immerhin habe ich Kudu, Zebra, Springbock und Strauß probiert. Den guten Wein hebe ich mir für meinen nächsten Besuch auf. Statt dessen habe ich viele Hamburger verputzt, die ich in den nächsten Wochen wieder abtrainieren muss…

Montag, 19.10.09

Erstmal bekomme ich im Four Oaks ein leckeres englisches Früstück vorgesetzt, Müsli auf Erdbeerjoghurt, Bacon, Eggs, Toast und diese englischen gebratenen Pilze, alles hübsch auf dem Teller arrangiert. Also: auch das “Four Oaks” nehme ich in die Liste der empfehlenswerten Hotels auf.

Weingut am Kap

Mission completed

Anschließend habe ich meine “Mission” zu erfüllen: ich muss Nonkosi besuchen, die Leiterin des örtlichen Museums (Montagu-Museum), welches sich in einer alten Missionskirche gleich gegenüber dem Four Oaks befindet. Ich überbringe ihr die Grüße ihres Bruders Bongani, den ich in Graaff-Reinet in der Kneipe kennengelernt habe. Sie freut sich riesig, insbesondere als ich ihr das Video vorspiele. Sie ist richtig aus dem Häuschen. Anschließend muss ich mir das Museum anschauen, welches nun ja, für Außenstehende nicht ganz so interessant ist. Trotzdem nett gemacht, man erfährt ein bisschen über die Leute, die hier leben.

Nongosi, Leiterin des Montagu-Museums.

Anschließend bin ich noch im Internet-Cafe in der Bath Street und versuche, eine Unterkunft in Kapstadt zu finden. Leider sind alle Hostels, die ich mir rausgesucht habe (wie das Cats & Moose oder das Backpack) schon ausgebucht. Vom Backpack werde ich dann an das “Zebra Crossings” verwiesen, nur ein paar Häuser weiter.

Township bei Montagu.

Von Montagu Richtung Hermanus

Free Willy live

Gegen 11 fahre ich Richtung Süden, nach Hermanus. Hermanus ist angeblich der beste Ort der Welt um Wale zu beobachten, welche sich Ab Juli bis Dezember in der Bucht versammeln, um ihre Kinder zur Welt zu bringen.

Whale-Watching in Hermanus

Ich parke mein Auto, gehe zur Uferpromenade, und voila, sehe schon die Rücken und Schwanzflossen zweier Buckelwale. Natürlich überall Touristen mit gezückten Kameras, aber dennoch ist das alles beeindruckend. Allerdings springen die Wale nicht umeinander, so wie in “Free Willy”, aber trotzdem ist es faszinierend. Leider haben die Buckelwale dann den Rest des Tages andere Pläne und machen sich auf und davon in andere Gefilde. In den nächsten Stunden kann man zwar noch entfernt die Fontänen der Wale erahnen, aber so nah kriege ich sie nicht mehr sehen.

Offizieller Whale-Crier of Hermanus

ans Kap …

Gegen halb fünf mache ich mich dann auf Richtung Kapstadt, noch 120 km auf der N2, einer supermodern ausgebauten Autobahn. Es ist abendlicher Berufsverkehr, es gibt ein paar Staus.

Bei Tempo 130 auf der Autobahn nach Kapstadt

Etwa 10 km vor Kapstadt, auf Höhe des Flughafens, wieder überall neben (und auf) der Autobahn herumlaufende Arbeiter auf dem Weg nach Hause, oder Kinder, die direkt neben der 4-spurigen Straße Fußball spielen. Und dann sieht man sie auch schon, die bunten, aber armseligen Wellblech- Holz- und Betonhütten, die Townships Kapstadts, in denen Millionen (schwarze) Menschen hausen, im totalen Kontrast zur modernen, schillernden, europäisch-amerikanischen Metropole. Die Townships ziehen sich kilometerlang neben der Autobahn dahin.

Township, Cape Flats, Richtung Kapstadt

Township, Cape Flats, an der Autobahn

Südafrika #5: Downhill zum Straußensteak – Oudtshoorn

Freitag, 16.10.09

Fahrt Richtung Oudtshoorn

Heute um 9 bin ich aufgebrochen Richtung Oudtshoorn, in der sog. “kleinen Karoo”, ca. 300 km. Die erste Hälfte der Fahrt ist langweilig, dann tauchen wieder erste Berge auf. 70 km vor Oudtshoorn sehe ich die ersten Strauße. Stehen etwas vereinsamt in der Gegend rum. Fahre weiter, nach 10 km eine ganze Farm, nur Strauße. Ich fahr an den Zaun, steige aus, die Strauße kommen neugierig näher, ich halte dann doch lieber Abstand.

Oudtshoorn – Backpacker’s Paradise

Gegen halb zwei bin ich dann im “Backpacker’s Paradise”, so heisst das Hostel hier, es liegt am Ortsausgang Richtung Swartbergpass. Bin sofort (mal wieder) beeindruckt: alles sehr nett, persönlich. Es gibt einnen Minipool, eine schöne Küche, eine nette Bar, einen Gartenbereich. Auf einer Schiefertafel kann man sich für’s abendliche Braai (Grillen) anmelden. Mach ich doch gleich, Boerwors (grobe Bauernbratwurst, südafrikanische Spezialität) und Straußensteak stehen auf dem Plan. Mein Zimmer könnte etwas schöner sein, aber naja. 180 Rand die Nacht, mit Gemeinschaftsbad.

Straußenfarm

Oudtshoorn selbst ist ein recht gepflegter Ort, breite Straßen, aber viel los ist auch hier nicht. Gegen 4 fahre ich dann zu einer Straußenfarm (Cango Ostrich Farm) und mache eine Führung mit. Ich lasse mir von Straußen aus der Hand fressen und gucke zu, wie sich andere im Straußenreiten üben.

Straußenkücken

Strauße kann man nicht trainieren, sie sind ziemlich doofe Viecher. Sie werden nur aggressiv, wenn sie ihren Nachwuchs beschützen wollen. Unser Führer meint, mit einem einzigen kräftigen Tritt ihrer Füsse können sie einen Menschen aufschlitzen und töten. Einzige Chance: flach mit dem Bauch auf den Boden! Die Strauße trampeln dann nur auf einem rum, und man kommt mit Rippenbrüchen davon. Insgesamt war die Tour bei der Cango Ostrich Farm nicht so wahnsinnig interessant, der Führer war auch ein bisschen wenig engagiert und hat sein Programm runtergerasselt.

Danach will ich mir noch den Ort ein bisschen angucken, aber hier werden um 5 schon die Bürgersteige hochgeklappt. Nur noch die Supermärkte haben auf.

Braai

Abends wird dann noch für uns lecker gegrillt, Straußensteak, schmeckt fast wie Rindfleisch. Dabei lerne ich noch Dona aus den USA kennen. Sie ist Mitte Fünfzig (geschätzt) und sowas wie frühpensioniert. Sie reist seit 6 Jahren 10 Monate pro Jahr durch die Welt. Vielleicht hat sie auch im Lotto gewonnen oder bei einer Scheidung viel abgekriegt, ich will sie nicht so direkt fragen. Trotzdem übernachtet sie auch lieber in Jugendherbergen, um Leute kennen zu lernen.

Braai: Straußensteaks

beim Abendessen im Backpacker

Samstag, 17.10.2009

Zur Stärkung gibt's morgens erstmal Straußen-Rührei

Downhill Swartberg Pass

Am nächsten Tag habe ich mich für eine Mountainbiketour angemeldet. Das geht so: ein Minibus bringt mich ca. 55 km weit auf den Swartbergpass, einem hohen Gebirgspass. Oben ziehe ich mir erstmal etwas Winddichtes an, und dann gehts ab, Downhill fast 15 km auf Schotterpiste, den Berg hinab.

Downhill vom Swartberg-Pass

Absolut genial. Der Ausblick Wahnsinn. Hinter mir in sicherem Abstand der Minibus, damit mir ja nix passiert, aber ich hänge ihn locker ab.

Cango Caves

Cango Caves

Nach 15 km ist der Spass vorbei, dann gehts auf und ab ca. 10 km zu den Cango Caves, einem großen Höhlensystem. Dort mache ich die Adventuretour mit. Macht viel Spaß. Es ist diesmal allerdings nicht so eine Mühsal wie in Swaziland, allerdings muss man sich auch hier ziemlich durch enge Gänge zwängen. Es gibt auch noch eine “Standard Tour”, aber die stelle ich mir echt langweilig vor: Höhlen hab ich schon genug gesehen, nur das Rumgeklettere ist neu.

Übrigens gibt’s beim “Backpacker’s Paradise” noch Rabattmarken für die Straußenfarm und die Cango Caves. Gut, bei den Preisen ist das nicht wirklich entscheidend. Man spart mit den Marken so ca. 10-20 Rand.

Nochmal der Swartberg-Pass (Panorama mit Straußen)

Strampelei

Nach den Höhlen habe ich noch über 30 km nach Oudtshoorn. Die Mountainbikes vom Hostel sind allesamt ziemliche Schrottteile, fahren, aber es knirscht und knackt, und dann brennt noch die Sonne. Ca. 17 km vor Oudtshoorn mache an einer Game Lodge / Restaurant halt und esse Kudu-Steak, mit Avocado und Süsskartoffeln. Wieder sehr lecker und günstig, nicht mal 9 Euro inkl. Getränk.

Kudu: vorher ...

... und nachher ...

Weiter gehts. 5 km vor Oudtshoorn steht ein anderer Mountainbiker an der Strasse, mit Platten. Es ist Gille, so ca. 70jähriger Pensionär, aber super-sportlich, mit Profi-Radler-Outfit. Gill lebt in Oudtshoorn, d.h. hat es sich als seinen Altersruhesitz auserkoren. Als weiteres Hobby macht er Ausdauer-Gehen, Marathon-Strecken. Wir quatschen ein bisschen und ich helfe ihm, seinen Reifen zu flicken. Er will mir für meine Freundlichkeit 20 Rand für ein Bierchen geben. Dabei war es mal wieder nur total nett, jemanden kennenzulernen.

Gille, Radelrentner mit Platten

Swiss’ Bistro

Gegen abend gehen Dona, ich und Katie, eine junge Engländerin, die hier zu einer Hochzeit eingeladen ist, noch ins “Swiss Bistro”, ein nettes Restaurant, gleich um die die Ecke. Dort esse ich ein Zebra-Steak mit Schweizer Rösti. Schmeckt auch wieder nach Rind, aber mürber. Die Küche hier besteht also hauptsächlich aus Steaks. Es gibt natürlich auch Pizza, Pasta und viele Fast-Food-Ketten im Land, aber die Steaks sind wirklich einmalig.

Swiss Bistro: Rugby-Fan präsentiert seine Glücksbringer (jeder darf mal anfassen)

Als wir im Hostel gegen 9 zurück sind, lümmeln die anderen “Bewohner” schon in der Sofaecke und gucken “Cast Away – Verschollen” mit Tom Hanks im Spielfilmkanal “mnet” (so wie “Premiere” bei uns), den hier viele Herbergen abonniert haben. Wir gesellen uns dazu und lassen den Abend ausklingen.

Südafrika #4: Perle im trostlosen Tal – Graaff-Reinet

Dienstag, 13.10.2009

Graaff-Reinet

Fährt man in den kleinen Ort Graaff-Reinet hinein, sieht man zuerst die Holländisch-reformierte Kirche am Ende der Hauptstrasse thronen. Der Ort gilt als die “Perle der Karoo” und Beispiel liebevoller Erhaltung der alten Bausubstanz. Ich hätte mir den Ort etwas größer vorgestellt, aber nun gut. Überall sieht man schön restaurierte Häuser im “Kap-holländischen Stil”, weiß getüncht, inmitten spektakulärer Landschaft.

Perle der Karoo - Graaff-Reinet

Perle der Karoo

Ich suche eine Unterkunft und finde die “Cambedoo Cottages” in der Parliament Street mitten in der Stadt, eine kleine Anlage mit Selbstverorgungshütten (Frühstück und Abendessen wird ebenfalls angeboten). Ich bekomme ein kleines Häuschen (Cottage) für mich ganz alleine, sehr geschmackvoll eingerichtet, mit großem Schlafzimmer und Fernsehzimmer. Pro Nacht 500 Rand, ca.45 Euro, inkl. Frühstück. Ich denke an unsere Italien-Urlaube: für dergleichen zahlt man dort locker das Doppelte, wenn nicht mehr.

Camdeboo-Cottages

Anschließend erkunde ich etwas das Städtchen. Wirklich sehr hübsch. Durch das frühe Aufstehen (5 Uhr), den Flug und die 3-stündige Autofahrt bin ich allerdings schon etwas ermattet. Das Örtchen ist nicht allzu groß, man kann in einer Dreiviertel Stunde eigentlich alles wesentliche erkunden. Ich besuche die Touristen-Info, die in zwei Räumen hunderte von Prospekten bereithält, und wo ich richtig persönlich beraten werde. Bin beeindruckt. Dann kaufe ich im Spar-Supermarkt ein paar Bierchen und Snacks, und gucke ein bisschen Fernsehen. Im Cottage gibts Pay-TV mit Spielfilmsender. Auch mal schön, ich esse Chips, trinke zwei Bier und schlafe ein…. für heute reicht es….

Camdeboo-Nationalpark

Mittwoch, 14.10.2009

Tal der Trostlosigkeit

Um 7 bin ich auf, bekomme ein leckeres Frühstück, und mache mich auf in den Camdeboo Nationalpark. Das nächstgelegene Eintrittstor (54 Rand Eintritt) führt zum “Valley of Desolation”, dem “Tal der Trostlosigkeit”. Zunächst geht es mit dem Auto eine Viertelstunde steil auf ein Bergplateau, von wo man einen fantastischen Blick auf das Tal hat. Das Tal ist alles andere als trostlos. Bizzare Felsformationen und die unendliche Weite der (Halb-) Wüste, der Karoo. Der “Leguan-Wanderweg” (Lizzard-Trail) führt vom View Point noch eineinhalb Kilometer rund um das Hochplateau, und hinter jeder Wegbiegung sind andere neue, spektakuläre Blickwinkel geboten. Die landschaftliche Pracht fasziniert mich sehr, ich kann mich gar nicht sattsehen. Ziegelrot die Felsen, dazwischen das Grün und Gelb der Büsche und Gräser. Auf einem Felsen sehe ich einen “Rock Dassie”, das sind ganz putzige Tierchen, so eine Art Murmeltier.

Tal der Trostlosigkeit

Geocaches

Auf dem Rückweg suche und sammle ich noch zwei Geocaches auf. Geocaches sind diese kleinen Schachteln, die irgendjemand (sog. Geocacher) in der Landschaft versteckt und die man mit Hilfe eines GPS-Gerätes finden muss. Die Koordinaten von ca. huntert solcher Verstecke in Südafrika habe ich mir schon zuhause auf mein GPS runtergeladen. Dieses “Hobby” hat also auch schon in Südafrika Freunde gefunden. Manchmal lernt man durch die Geocaches ganz neue Locations kennen, die in keinem Reiseführer stehen; die Caches in Graaff-Reinet sind aber leider etwas einfallslos platziert an Stellen, wo man eh hinkommen würde.

Geocache gefunden!

Kurz bevor ich wieder am Gate ankomme, noch ein Highlight: ein Prachtexemplar von Leguan, einer Riesenechse, fast einen Meter lang, trottet langsam auf der Fahrbahn dahin. Ich halte, steige aus, will Fotos machen, da bemerkt er mich, und schwusch, ist er unter einem Strauch verschwunden. Erstaunlich, wie schnell die plötzlich rennen können.

Nach einem herzhaften Mittagessen (Steak!) beschliesse ich, in einen kleinen Ort namens Nieu Bethesda zu fahrem, weil dort ein sehr sehenswertes und einzigartiges Skulpturenmuseum zu finden ist.

Dirt-Road nach Nieu Bethesda

Nieu Bethesda

Erstmal gehts zig Kilometer die nagelneue Landstrasse entlang, Richtung Middelburg, die Gegend wird immer einsamer, riesige Felsformationen liegen inmitten unendlicher Weite. Nach einer halben Stunde Fahrt die Abzweigung nach Nieu Bethesda! Leider gesperrt, wegen Straßenbauarbeiten. Also nochmal 20 km gerade aus, die Landschaft wird immer weiter und einsamer. Dann die nächste Abbzweigung, aber was ist das: nach Nieu Bethesda sind es nochmal 25 km. Aber nicht auf einer so schönen Landstrasse, sondern auf einer Dirt Road (Schotterstraße). Ich brettere mit 70 über die staubige, buckelige und kurvige Piste, das macht einen Heidenspaß. Schade, dass ich kein Allradfahrzeug habe. Ab und zu knallen Steine heftig gegen den Unterboden, also mache ich doch etwas sachter.

Irgendwann taucht dann Nieu Bethesda aus, zuerst sieht man die holländische kleine Dorfkirche. Der Ort ist eine kleine Oase mitten in der Wüste. Drumherum ist im Umkreis von 60 km nichts, nur dürre Sträucher, vertrocknete Gräser, viel Staub und Steine. Die Leute leben entweder von ihrer Rente oder vom Tourismus, Landwirtschaft gibts schon seit Jahrzehnten nicht mehr in dieser unwirtlichen Gegend.

Ganz wichtig, Straßennamen!

Eulenhaus

Wichtigster Grund, um dem Ort einen Besuch abzustatten, ist das “Owl House”, das Eulenhaus, der in den 70ern verstorbenen Künstlerin Helen Martins. Die Dame hat in ihrer zweiten Lebenshälfte eine völlig bizzare Skulpturenwelt aus Beton und Glas geschaffen. Manche meinen, die Dame war keine Künstlerin, sondern dem Wahnsinn verfallen, jedenfalls sind die Skulpturen absolute Unikate: zu sehen nackte Männer und Frauen, Krippenszenen, Kamele, Eulen, alle aus Beton geformt, mit eingearbeiten Flaschen und Glasscherben. Zudem hat sie ihr eigenes Haus in eine Art skuriles Museum verwandelt.

Im Eulen-Haus

Nach dem Museumsbesuch schlendere ich durch das Dorf. Es wirkt nachmittags um 5 wie ausgestorben, die Sonne brennt. Einige Cafes haben noch auf, ich gehe ins “Outsiders” und trinke Cola. Dabei komme ich mit einer anderen “Helen” ins Gespräch, einer Schweizerin, die vor Jahrzehnten zu ihrem südafrikanischen Mann gezogen ist, und hier nun vom Verkauf von Cafe, Kuchen und Kunstgegenständen lebt. Ich kann mir das gar nicht vorstellen: die nächste menschliche Behausung ist über eine Stunde entfernt. Aber offensichtlich mögen es die Menschen dort so einsam und abgeschieden. Hätte ich in diesem Urlaub noch mehr Zeit, würde ich sogar auch dort eine Nacht verbringen, die Ruhe im Ort ist ansteckend und entspannend.

Auf dem Weg zurück in die Zivilisation

Auf dem Weg zurück geniesse ich den Sonnenuntergang, der die Karoo in ein wohliges rötliches Licht taucht.

Bongani

Abends gehe ich noch aus, ins Maestro’s, einem Kneipenrestaurant. An der Bar lerne ich Bongani Mgijima kennen, der ein kleines Museum in Grahamstown leitet, und der mit ein paar Bieren “die Hitze neutralisiert” – den Spruch muss ich mir merken. Bongani hat sein Hobby – Museen – zum Beruf gemacht. Als Austauschstudent war er in Schweden und schwärmt von der eurpäischen Museumskultur. Als ich ihm erzähle, dass ich demnächst nach Oudtshoorn und dann evtl. nach Montagu fahre, bittet er mich, unbedingt im Montagu-Museum vorbeizuschauen, welches von seiner Schwester Nonkosi geleitet wird. Ich filme mit meiner Kamera sogar noch eine kleine Grußbotschaft für sie, die ich aber nicht verstehe, da er und seine Schwester untereinander Xosa sprechen.

Thresenkumpel Bongani

Donnerstag, 15.10.2009

Hiking Trail

Heute habe ich mir eine Wanderung durch den Camdeboo Nationalpark vorgenommen. Nachdem ich mir wieder eine Eintrittskarte besorgt habe, kann’s losgehen, 16 km durch die Halbwüste, nur Steine, Sträucher, Gräser, Kakteen, aber tolle Aussichten, und eine fast unberührte Natur. Ich sehe oder treffe nicht eine Menschenseele. Der Weg “Eerstefontein Wanderweg” ist vorbildlich markiert. Zunächst ist es easy, es geht auf schmalen Gras- oder Schotterwege Richtung Berge, dann wird die Landschaft immer felsiger, steiler, ich muss klettern. Etwas besorgt stelle ich fest, dass ich wohl zu wenig Wasser und Proviant dabeihabe. Ein Liter Wasser und eine angebrochene Tüte getrocknete Apfelringe. Mein Magen knurrt schon nach einer Stunde. Obwohl bewölkt, komme ich mächtig ins Schwitzen, so anstrengend habe ich mir das nicht vorgestellt. Nach gut zweieinhalb Stunden habe ich laut meinem GPS gerade mal 8 km geschafft, die Hälfte, und nirgends gibts eine Hütte wie in den Alpen, wo Schweinsbraten und Weißbier auf mich warten. So langsam wird meine Stimmung etwas trüber, ich bin ziemlich ausgelaugt. Die Landschaft ist aber überwältigend.

Auf geht's!

Meine Laune wird aufgeheitert durch eine riesige Schildkröte, die gemächlich auf dem Weg vor mir schleicht. Als ich ihr den Weg abschneide, um Fotos zu machen, fängt sie bedrohlich an zu fauchen und macht kehrt. Nebenbei sehe ich auch noch etliche Kudus oder sonstige große Hirsche, leider nur in respektvoller Entfernung.

Mühsam nährt sich die Schildkröte

Irgendwann huscht dann noch eine dicke braune, mehr als eineinhalb Meter lange Schlange über den Trampelpfad vor mir. Na das wär was für meine Liebste. Sie verschwindet zügig unter einem großen Dornenbusch. Ich gehe ihr vorsichtig nach, um vielleicht noch ein Foto zu schiessen, aber sie ist schon auf und davon. Ab sofort gehe ich mit noch festerem Schritt und wacherem Auge. In Südafrika sind allerdings die Puffottern berüchtigt, die sich auch durch Getrampel in ihrem Schlaf nicht stören lassen. Wenn man auf sie tritt, dann beissen sie meist den nachfolgenden Wanderer, da sie keine Schnellmerker, sondern ziemlich träge Viecher sind – laut unserem Guide Anddrews im Krügerpark. Die Puffottern sind nicht unbedingt die allergiftigsten Schlangen, aber wenn man sich noch drei Stunden in die Zivilisation schleppen muss, wird es brenzlig.

Wanderweg

Nach über 5 Stunden komme ich total fertig wieder am Auto an. Fahre dann sofort zu einem der Burger-Läden, die es in Südafrika an jeder Ecke gibt, wie in Amerika, und verschlinge einen riesigen Cheeseburger plus einem Liter Cola. “Zuhause” trinke ich dann noch einen Liter Wasser und drei Tassen Tee, danach gehts mir erstmal besser.

Verdorrt wie ich

Abends esse ich wieder mal Steak im Spur’s, einer südafrikanischen Steakkette. Mich irgendwo alleine in ein gediegeneres Restaurant zu setzen habe ich keine Lust. Großes fabelhaft gegrilltes Rump-Steak, mit Beilagen und Salat von der Bar, dazu Bier und Espresso, umgerechnet 11 Euro. Die Preise sind allerhöchstens halb so teuer wie daheim. In der Kneipe kriegt man ein kleines Bier (0.3 Flasche) für 1 Euro. Am besten ist Carling Black Label, geht runter wie Öl.

Carling Black Label ... ich würde glatt Werbung für machen!

Freitag, 16.10.2009

Am nächsten Tag ist leider schon wieder Aufbruch angesagt. Zunächst fahre ich westwärts nach Oudtshoorn faren (300 km), der Hauptstadt der Straussenzucht des Landes, dort bleibe ich zwei Nächte. Anschliessend nach Montagu über die landschaftlich wunderschöne Route 62. Danach entweder nach Hermanus, um Wale zu beobachten, oder gleich nach Kapstadt.

Nach Oudtshoorn ... gäähn ...

Die Fahrt nach Oudtshoorn ist mehr oder weniger langweilig. Die ersten 160 km sind öde ohne Ende, nur Gras und Steppe, flach. Immerhin komme ich gut voran, die Landstrasse ist super ausgebaut, Höchstgeschwindigkeit ist 120. Nach der Hälfte wirds dann landschaftlich interessanter, massige Felsformationen tauchen auf.

Vor Oudtshoorn

70 km vor Oudtshoorn dann der erste Strauss, hat sich vermutlich verirrt, steht hinter einem Zaun und guckt ein wenig dumm aus der Wäsche.

die erste Straußenfarm vor Oudtshoorn

Innerhalb von drei Stunden gerate ich in drei Verkehrskontrollen. Die Polizei will wohl die ganzen Schrottlauben aus dem Verkehr ziehen, und mein Fahrzeug wird untersucht. Gestern war auch schon den ganzen Tag und noch Abends in Graaff-Reinet Verkehrskontrolle. Sobald ich meinen deutschen Führerschein zeige, sind die Polizisten immer begeistert und halten mich für einen Verwandten von Michael Schuhmacher! Ich darf dann immer sofort Gas geben! Meinen tollen “Internationalen Führerschein”, den ich mir umständlich besorgt habe, interessiert keine Sau.

Gegen Mittag komme ich im Backpackers Paradise an, beziehe mein kleines Zimmer und beantworte meine Mails.

Südafrika #3: Indien in Afrika – Durban

Sonntag, 11. Oktober

Ankunft in Durban

10 h Busfahrt von Swaziland Backpackers nach Durban. Es ist schon abends, als wir durch ausgestorbene, hässliche Strassenzüge fahren. Bettelnde Kinder klopfen an den Ampeln an die Scheiben, unser Fahrer fährt mit 80 Sachen durch die Stadt.

Durban, Little India

Gibela Backpackers / Florida Road

Ich komme im Gibela Backpackers an, mehr Hotel als Herberge, die ganze Anlage ist einem sonderbaren aber geschmackvollem italienisch-afrikanischem Stil eingerichtet, sehr ansprechend. Elmar, der Besitzer, erklärt mir als erstens anhand einer Karte, wo man besser nicht hingeht. Zum Glück liegt das Gibela Backpackers im ruhigen Wohnviertel Morningside, wo sich keine zwielichtigen Gestalten rumtreiben. 5 Min. entfernt ist schon die Florida Road, in der einige schöne Restaurants, Bars und Clubs sind. Ich gehe ins Bean Bag Bohemia (BBB), ein hipper, stylischer Laden, und esse ein paar Dim Sum, das sind chinesische Maultaschen. Leider bin ich alleine, das Gibela hat nicht so eine typische Backpacker-Athmo, und ich treffe niemanden, mit dem ich unterwegs sein könnte.

Gibela Backpacker's: Home far from home

Ansonsten ist auch Durban mit Vorsicht zu geniessen. Nicht so übel wie Joburg, aber dennoch einer der größten Crime spots des Landes. Auf den Strassen, zu Fuß, sieht man so gut wie keine Ausländer, schon gar niemand Hellhäutiges, habe am ganzen Tag vielleicht ein halbes Dutzend gesehen. Aufgrund illegaler Einwanderung und Landflucht, damit verbundener elender Lebensverhältnisse, Drogendelikten, Prostitution, wachsen die Probleme Durbans. Für die Fussball-WM werden schon jetzt ziemlich drastische Maßnahmen ergriffen, so hat man versucht, alle herumlungernden Gestalten, bettelnde Straßenkinder und so fort, aus der Innenstadt zu vertreiben, Straßen werden kameraüberwacht und Polizei soll es auch mehr geben. Zudem gibt es seit kurzem ein funktionierendes Busnetz, so dass man nicht mehr nur auf die schrottigen Minibusse oder das eigene Auto angewiesen ist. Für eine Stadt so gross wie Berlin etwas spät aber immerhin.

Mahlzeit!

Montag, 12. Oktober

Waschtag

Irgendwas stinkt im Rucksack … meine Wäsche. Also bringe ich sie früh morgens erstmal zur Wäscherei, eine Waschmaschinenladung kostet mit Trocknen und Legen umgerechnet 1,80. Hätten wir in Deutschland die selben Preise, würde ich nicht mehr selbst waschen. Die Wäscherei ist gleich gegenüber, neben einem grossen Spar-Supermarkt … Spar (ja, das Spar, das es auch in Deutschland gibt) ist neben Pick’n Pay eine der größten Supermarktketten des Landes.

Auf nach Indien

Nach dem Frühstück fahre ich mit dem Minibus nach Durban Downtown rein, besuche die gut sortierte Touristeninfo (Tourist Junction) und laufe dann ins indische Viertel bis zur Grey Street, welche jetzt aber Dr. Yusuf Daboo Street heisst: die Stadtväter waren der Meinung, man müsste die alten “kolonialen” Strassennamen loswerden, und sie haben vieles umbenannt. Jetzt tragen viele Strassennamen für Europäer schwer zu merkende Namen lokaler Berühmtheiten, meistens Zulus oder Inder, aber die Einheimischen benutzen selbst natürlich weiterhin die alten Namen, selbst die Taxifahrer kennen sich nicht aus.

In Durban kann alles geheilt werden: Krebs, Diabetes, AIDS. Leider ist nur Dummheit unheilbar.

Die Inder stellen mit ca. 1 Million in Durban eine der größten Communities. Das indische Viertel besteht aus einem Dutzend Strassenzügen, die voll sind mit kleinen Geschäften, Strassenhändlern, viel Gewusel und Geschreie. Im Fleischmarkt liegen viele abgetrennte Schafs- und Ziegenköpfe, denen kann man die Haut abpellen und dann das Fleisch abschaben. Jeder wie er mag.

Mahlzeit Nr. 2

Mittags esse ich lieber in der Queen Street in einem indischen Restaurant ein leckeres Hühnercurry, inkl. Reis, Brot und Cola umgerechnet 4,50 €. Gegenüber ist der Eingang zur Moschee (viele der Inder sind gleichzeitig Muslime), angeblich die größte der südlichen Hemisphäre, aber das will nichts heissen, ich bin jedenfalls von der Größe weniger beeindruckt. Ich bekomme eine kleine 10-minütige Führung, wo mir so allerlei Bräuche erklärt werden. Interessant finde ich auch, dass bei uns die Gotteshäuser, sprich Kirchen und Kathedralen, immer frei stehen. Hier ist der Eingang zur Moschee eine einfache Tür, die zwischen Teppich- und Gewürzladen liegt. Sie ist quasi in einen Trödlermarkt hineingebaut.

Waschbecken der Moschee und Jihad, mein Führer

Am späten Nachmittag fängt es dann an, wie aus Kübeln zu schütten, nachdem es schon den ganzen Tag sehr bedeckt war. Durban hat angeblich 320 sonnige Tage im Jahr, und ich erwische gerade die beiden Regentage. Bad luck.

Durban, Street Life

Eigentlich wollte ich noch in die uShaka Marine World, einen riesiger Vergnügungspark rund um das Thema Wasser, aber da habe ich mich wohl im indischen Viertel vertrödelt. Nun ja, ich bereue es nicht. Ich fand es sehr interessant und lebendig. Zum Abschluß schreibe ich noch ein paar Emails und dieses Tagebuch.

Emails und Tagebuch schreiben...

Abends lerne ich im Hostel noch Ernie, in Dubai lebende kalifornische Stewardess für Emirates, kennen. Wir essen in einer urigen italienischen Osteria (Spia d’Oro) auf der Florida Road zusammen Pasta. Sie erzählt mir viel vom intoleranten, bürokratischen und korrupten Leben in Dubai, dem arabischen Emirat, das sich nach außen als supermordern und weltoffen gibt, nach innen aber die abstrusesten Regeln und Gebräuche pflegt, und in dem Ausländern, Nicht-Muslime und besonders Frauen schroff und arrogant behandelt werden. Hinter der Fassade herrscht laut Ernie noch die Moral und Ethik des Mittelalters. Auch das ich mir das indische Viertel so interessiert angeschaut habe, weckt bei ihr nur Kopfschütteln: Inder gelten in Stewardessenkreisen als die unverschämtesten unhöflichsten und unangenehmsten Passagiere überhaupt.

Dienstag, 13. Oktober

Up and away

Plötzlich wache ich auf, es ist halb sechs, ich hab den Wecker nicht gehört! Mein Taxi holt mich 20 Min später zum Flughafen ab. Die Sonne scheint schon morgens um 6 auf Durban, ich bin fast sauer, die letzten Tage war richtiges Schietwetter. Der Fahrer benötigt für die Fahrt 13 Min. Normal sind mind. 20, der Fahrer brettert aber mit 90 Sachen durch die Stadt, und nimmt mind. zwei rote Ampeln mit, als ob er zu einem Notsatzeinsatz müsste. Dann gehts mit Kalula-Air nach Port Elizabeth (P.E.), um 9 landen wir pünktlich, hier ist wieder alles wolkenverhangen, also brauche ich mich nicht umstellen, grrr, ein bisschen frustriert bin ich schon. So richtig gutes Wetter hatte ich erst einmal, als ich im Krügerpark war, und genau da kann man es nicht brauchen, weil sich bei Sonnenschein und Hitze die Tiere in den Schatten zum Schlafen legen.

Fahren auf der falschen Spur

Ich leihe mir einen Mietwagen via “Holidayautos” und bekomme einen sog. City-Golf, das ist der VW Golf der ersten Generation, deren Produktion bei uns schon vor mindestens 20 Jahre eingestellt wurde – in Südafrika erfreut er sich noch immer großer Beliebtheit (kostet auch nur ca. 7000 Euro), es laufen offensichtlich noch viele vom Band, meiner ist auch erst ein Jahr alt. Erstmal übe ich 5 Minuten lang mit der linken Hand zu schalten, im Stand natürlich, dann wage ich mich in den Linksverkehr. Nach 20 Min. bin ich aus P.E. raus, dann gehts nur noch geradeaus Richtung Graaff-Reinet, eine kleine Stadt in der Halbwüste “Karoo”. Linksverkehr ist kein Problem: in P.E. fahre ich immer anderen hinterher, auf der Landstraße bin ich fast alleine unterwegs. Nur das nach Rechts-Schauen beim Abbiegen habe ich noch nicht so verinnerlicht. Die Landschaft ist einmalig, diese Weite, und kaum eine Menschenseele.

Gelotst werde ich von einem TomTom-Navi, welches ich mir für ca. 4 Euro/Tag bei der Mobilfunkfirma MTN am Flughafen in PE ausgeliehen habe. Diese Investition hat sich absolut gelohnt! Man kann die Geräte bei jeder anderen MTN-Stelle zurückgeben.

Graaff-Reinet

PS: manche fragen sich, ob ich in Durban nicht die “Golden Mile” (Strandpromenade) gesehen habe. Antwort: Nö. Es war immer alles nebelverhangen und verregnet, da habe ich mir den Strand komplett gespart.

Südafrika #2: Change your mind – Swaziland

Mittwoch, 07.10.2009

Swaziland

Swaziland, unabhängiges Königreich, bitterarm, wunderschön, eine Nacht Zwischenstopp für mich auf dem Weg nach St. Lucia, wo ich drei Tage entspannen will. Der Baz Bus holte mich Mittwoch Mittag in Nelspruit ab, dann gings drei Stunden Richtung Osten. Gegen fünf dann die Grenzformalitäten: Ausreisestempel S.A., Einreisevisum Swaziland, alles no problem. Neben mir ein nettes japanisches Pärchen, die ein Jahr lang auf Weltreise sind. Sie haben fast keine freie Stelle im Pass frei, die Grenzbeamtin guckt staunend. Wir auch. Ich drehe mal ein kleines Video, wie Hiyoti seinen Pass durchblättert. Beeindruckend. Drei Dutzend Seiten nur mit Stempeln und Visa vollgepappt.

Pässe her! Einreise nach Swaziland

Pässe her! Einreise nach Swaziland

Für Safer Sex

Swaziland hat eine HIV-Rate von ca. 35 Prozent. Ein großer Teil der jüngeren Generation wird durch AIDS hinweggerafft. An den Einreiseschaltern stehen große Spender für Kondome, kostenlos. Solche Kondom-Spender sehe ich noch oft im Land. Problem: etwas, was in Afrika kostenlos weggegeben wird, wird oft als wert- und/oder nutzlos betrachtet. Alles im Leben hat doch seinen Preis. Aber: im letzten Jahr ist die AIDS-Rate das erste Mal zurück gegangen, die Aufklärung und die Maßnahmen fangen an zu greifen. Immerhin ein Hoffnungsstreifen am Horizont. Aber traue keiner Statistik… Einige glauben immer noch an die Zauberkräfte selbsternannter Medizinfrauen, die mit ein paar Verwünschungen und Kräutern diese Krankheit bekämpfen. Richtige AIDS-Medizin kann sich hier kaum jemand leisten.

Swaziland Backpackers

Ich komme im Swaziland Backpackers an, liegt bei Matsapha, zwischen Manzini und Mbabane (Hauptstadt), Xolile (genannt Lille) und Lisa, zwei liebenswerte Mädels, begrüßen mich und die anderen, die noch im Bus waren. Das Backpackers ist umwerfend: geräumig, Pool, urige Bar, und einen riesigen Lounge/Relax-Bereich im ersten Stock. Natürlich auch Küche, Grill etc. damit man sich was selbst brutzeln kann. Auf Anhieb bin ich hin und weg. Alles so gemütlich, sympathisch und nett. Lille erzählt mir, was man hier so alles hier machen kann: Kultur-Ausflüge, Mountainbiking, Rafting, Wandern, Quadtouren, Kraxeln in der Höhle.

Dani, die Dogge, erwartet Neuankömmlinge

Dani, die Dogge, erwartet Neuankömmlinge

Ich bestelle ein Bier an der Bar, und noch eins, und mein Entschluss steht fest: ich bitte Lille, meine reservierte Unterkunft in St. Lucia zu canceln, statt dessen bleibe ich drei weitere Nächte in Swaziland…..

die Mädels vom Swaziland Backpacker: Lisa, Gugu, Lile

die Mädels vom Swaziland Backpacker: Lisa, Gugu, Lile

Donnerstag, 08.10.2009

Swaziland Highlight Tour

Früh morgens gehts mit Sean und Derrick los auf “Swazi Kultur-Ausflug”. Die beiden sind Engländer, die es vor Jahren hier nach Swaziland verschlagen hat. Wir besuchen einen Haufen lokaler Märkte und Tourstenmärkte, bekommen traditionelle Tanzvorführungen geboten, fahren in die Berge, schwimmen unter Wasserfällen. Mittags gehts dann zu einer Butchery. Eine Butchery ist so eine Art Metzgerei mit Grillservice. Man kauft sich an der Theke Fleischstücke, und lässt sie sich gleich würzen und grillen. Dazu gibts gemischtes Gemüse und “Papp”, so eine Art Maisgriespampe, wie Polenta. Gegessen wird mit den Fingern aus einer grossen flachen Schüssel.

Swazi-Lunch

Anbetracht der Präsentation des Fleisches muss man schon ein wenig Toleranz aufbringen, angeboten wird so ziemlich alles vom Tier, man kann sich auch nen ganzen Schafskopf schaben und grillen lassen, wenn man denn Appetit drauf hat. Wir bleiben bei Steak und Hühnchenschenkeln.

Markt in Manzini, Swaziland

Markt in Manzini, Swaziland

Die Märkte boten allerlei hübsches afrikanisches Kunsthandwerkszeugs, wie hölzerne Masken, allerlei geschnitzte Tiere, Schüsseln, gebatikte Stoffe, alles recht ansprechend, wenig kitschig. Ich kaufe ein paar geschnitzte Schlüsselanhänger und der gleichen. Ich kann ja nicht allzuviel mitschleppen. Ein bisschen handeln muss man schon, aber was will man bei 40 Cent für nen kleinen Anhänger groß feilschen?

Swazi-Girls

Swazi-Girls

Beim Handeln lerne ich Fabio aus Namibia kennen, der 3 Jahre in Rostock, noch zu DDR-Zeiten, in einem Heizkraftwerk gearbeitet hat, und der sein gutes Deutsch jetzt mit Touristen frisch hält. Deutschland war ihm viel zu kalt, trotzdem würde er gerne zurück, angesichts der Zustände in Swaziland kein Wunder. Ihm zu erzählen, dass im Osten Deutschlands sich teilweise Rechtsradikale breit machen, die Schwarze verprügeln, wäre mir unglaublich peinlich. Zum Glück ist das ja auch nicht die Regel. Jedenfalls wünsche ich im viel Glück.

Fabio aus Namibia und Ex-Rostocker

Fabio aus Namibia und Ex-Rostocker

Sehr hübsch auch die Kerzenfabrik, wo die weltbekannten Swaziland Candles hergestellt werden, Kerzen in allen möglichen geometrischen und Tier-Formen, schön bunt, aber geschmackvoll. Ich kenne die Kerzen schon vom Münchner Tollwood-Festival, wo sie das Doppelte kosten. Faszinierend, wie die Arbeiter in der Fabrik nur mit der Hand aus bunten Wachsstücken Giraffen, Elefanten oder Nashörner formen.

Swaziland-Kerzen

Swaziland-Kerzen

Info: die Swaziland Highlight-Tour wird von Sean, dem Besitzer des Swaziland Backpackers durchgeführt, und man kann sie da natürlich auch buchen.

Wer möchte kein sauberes Auto haben?

Wer möchte kein sauberes Auto haben?

Freitag, 09.10.2009

Am Freitag catche ich ein Minibustaxi und lasse mich zum Mlilwane Wildreservat (Mlilwane Wildlife Sanctuary) bringen. Die Minibusse sind das Hauptreisemittel in Swaziland, in Südafrika fahren eigentlich nur Schwarze mit ihnen. Sie fahren immer bestimmte Routen ab, man winkt sie wie ein Anhalter heran, und der Platzanweiser bestätigt dann den Reisewunsch oder fährt weiter. Leider sind diese Minibusse meist in einem bedauernswerten Zustand, aber nun gut, für umgerechnet 40 Cent kann man schon ein paar Kilometer zurücklegen.

Radeln im Mlilwane Wildlife Sanctuary

Im Wildreservat gibts Mountaibikes für stolze 8 Euro die Stunde. Ich leihe mir eins für 3 Stunden, für den Preis kriegt man sonst einen Mietwagen hier. Das Rad ist technisch auch nicht mehr ganz auf neustem Stand, mir wird abgeraten, die Bremse zu stark zu betätigen. Soso, sehr vertrauenserweckend. Ich fahre erstmal eine Stunde lang einen Berg hinauf, ziemlich anstrengend, das Wetter ist bedeckt, mild, aber die Luftfeuchtigkeit ist hoch, ich schwitze wie blöd.

Mlilwane Wildlife Sanctuary

Auf dem Weg begegnen mir Impalas (Antilopenart), Kudus, Zebras und viele Warzen- und Wildschweine, die aber immer gleich Reissaus nehmen. Nach einer Stunde mache ich mich auf den Rückweg, und meistere einen supertollen Downhill (Abfahrt), der einen fantastischen “Flow” hat, wie man in Bikerkreisen sagt. Anschliessend kurve ich am “Hippo-Pool” vorbei, komme an den Rand eines Abhangs, von dem aus es an einen kleinen See geht. Unten schneidet ein alter Mann, der aussieht wie ein Buschkrieger, Büsche und ruft mir in etwa herüber “Komm runter, vielleicht haben wir Glück, und wir können beobachten, wie uns die Nilpferde fressen”. Ich steige tatsächlich hinunter, und da kann man die dicken Viecher auch schon im Wasser dümpeln sehen. Sie beachten mich aber nicht weiter. Anschliessend fahre ich noch einen längeren schmalen Wanderweg entlang. An einer Flussmündung liegt auf der gegenüberliegenden Seite ein ca. 4-5 Meter langes Krokodil, ca. 10 Meter von mir entfernt. Mir stockt der Atem. Zum Glück ist meine Uferseite viel höher, so dass das Risiko, dass das Vieh auf meiner Seiten gelegen hätte, gering war. Aber hier muss man schon ein bisschen aufpassen, das ist nicht wie im Münchner Wetpark, wo nur Hasen und Igel die Besucher grüßen.

Krok - bitte nicht stören!

Krok - bitte nicht stören

Info: um vom Swaziland Backpackers zum Mlilwane Wildlife Sanctuary zu kommen, muss man einen Minibus Richtung Malkerns nehmen und sich bei “Vickery” (Gartenbaucenter) absetzen lassen. Von dort läuft man dann zum Sondzela International Travellers Hostel (ca. 2 km), bezahlt dort die Bikes und läuft weitere 15 Min. zum Hauptcamp des Reservats auf einem Tranpelpfad.

Auf Wanderung im Mlilwane Park

Auf dem Rückweg vom Wildreservat zur Landstrasse, wo die Minibusse fahren, laden mich an einem Ananasfeld zwei Arbeiter ein, mit ihnen zu vespern. Mit langen Macheten köpfen sie die Früchte, und ich bekomme dicke Scheiben. Die Früchte sind zuckersüß und aromatisch, viel besser als die auf Lastkänen gereiften Dinger, die es bei uns im Supermarkt gibt. Was die Männer im Feld eigentlich tun sollten ist mir nicht ganz klar. Um uns herum liegen noch ca. 7 Leute und schlafen. Schlafen ist sowieso ein Nationalhobby. Auch an Baustellen und Marktständen liegen immer welche, die gerade Nickerchen machen.

Höllenhöhlentour

Abends gehts dann noch zum “Caving”, d.h. zum Höhlenforschen. Zuerst wollte ich ja nicht, habe schon so viele Höhlen gesehen, aber diesmal stellte es sich als etwas ganz besonderes heraus. Zusammen mit einem Dutzend End-Vierziger aus Joburg bekamen wir weisse Overalls mit Helm und Lampe verpasst. Haha, was für ein Spaß, die Südafrikaner haben blöde, anzügliche Witze gerissen, Ganzkörperkondom und so, und ob wir jetzt nicht alle in den Büschen verschwinden sollten. Dann mussten wir aber eine Stunde lang durch den Dschungel einen Berg hinaufmarschieren, wo den

Leuten das Lachen gründlich verging, nach ner halben Stunde wollten die ersten umkehren, sie schnauften und schnaubten wie Dampflokomotiven. Die Aussicht auf dem Berg war wunderschön: Orangerote Felsen, grüne Hügel, dazwischen der Sonnenuntergang. Es ging weiter, in die Höhe.

Swaziland Caving

Swaziland Caving

Der nächste Schock: wir mussten durch ein enges Loch in den ersten Höhleninnenraum kraxeln, drinnen Fledermäuse und große Spinnen, stockdunkel. Unsere Guides zeigten uns dann, wie es weitergehen sollte: durch engste Löcher, kaum größer als die Öffnungen von Waschmaschinen, sollte es eine Stunde lang, auf dem Bauch robbend, oder auf dem Rücken gleitend, 60 m runter und wieder rauf gehen. Alleine der erste Eingang hatte es in sich, er wurde “das Schlüsselloch” genannt. Er bestand aus einem winzigen Loch, in das man fusswärts nach unten gleiten konnte, man musste sich dann zusammenkauern und sich einen Meter zur Seite schieben, und kam dann wieder zu einem höheren kleinen Raum. Für die Reisegruppe war Feierabend. Einige wurden aufgrund ihrer Körperfülle sowieso schon als untauglich aussortiert, die anderen sahen schwarz. Letztendlich sind von 14 Leute nur 3 Leute, d.h. eine junge Dänin, ich und einer aus besagter Reisegruppe, weitergegangen, die andern mussten warten. Diese Stunde war eine Schinderei sondergleichen. Wir sind durch engste Nadelöhe geklettert, mal 10 m auf dem Boden durch Stein-Röhren gerobbt, usw. Vor jeder neuen Herausforderung erklärte unserer Guide, wie wir unsere Gliedmassen zu stellen und bewegen haben, um durch die Nadelöhrartigen Öffnungen in der Höhle zu kommen. Am Ende war ich völlig schweissgebadet und unsere Overalls hingen nur noch in Fetzen an uns. Nach dieser Höllen-Höhlentour, und dem einstündigen Abstieg bei völliger Dunkelheit, ging es dann zum Glück noch in ein Thermalbad. Trotzdem tat mir am nächsten Morgen alles weh und ich war steif wie ein Brett.

Info: die Caving Adventure Tour wird von “Swazi Trails” organisiert, hat 630 Rand gekostet (57 Euro). Thermalbad und Verpflegung (Wasser, Bier, Schokoriegel, eine große Pizza) inklusive. Die Tour kann man vom Swaziland Backpackers aus buchen.

Unsere Führer durch die Dunkelheit

Unsere Führer durch die Dunkelheit

Samstag, 10.10.2009 eine trostlose Hauptstadt

Eigentlich wollte ich am Samstag Quad-Biking machen. Quads sind diese vierrädrigen Motorräder. Auf Lanzaroten haben meine Libeste und ich schon mal eine Tour gemacht, an die ich noch immer mit Spaß zurückdenke. Angesichts der Aktivitäten der letzten Tage werde ich es aber haute ruhig machen. Dachte ich.

Mbabane

Erstmal nehme ich einen Minibus nach Mbabane, Hauptstadt Swazilands, sechzigtausend Einwohner. Wetter wieder trüb und regnerisch. Der Busbahnhof, wenn man es so nennen will, ist ein einziges großes Getümmel und Geschreie. Von dort gehe ich erstmal in eins der beiden großen Einkaufszentren und mache Frühstück in einem italienischen Cafe, esse deutschen (!) Käsekuchen und trinke Cappucchino. Im Cafe ca. 15 Leute, davon drei Schwarze. Im Laufe des Tages sehe ich kein einziges hellhäutiges Gesicht mehr. Kuchen und Cafe kosten zusammen umgerechnet 3,50 Euro. Tageslohn eines Arbeiters in Swaziland. An Strassenständen kostet ein Tee oder Kaffee nicht mal 18 Cent, eine Banane kostet 9 Cent.

Minibusbahnhof, Mbabane

Minibusbahnhof, Mbabane

Mbabane ist nicht groß, in einer dreiviertel Stunde habe ich die paar wichtigsten Straßen abgelaufen. Man muss sich von den europäischen Vorstellungen, wie Städte aussehen, verabschieden, in Mbabane gibts kein einziges hübsches Gebäude, alle Häuser sind mehr oder weniger einheitlich aussehende Beton-Schachteln, mit zig bunten Werbeschildern draufgekleistert. Interessant sind aber die ganzen Strassenhändler, was da alles für Zeugs verkauft wird! Besonders beliebt sind anscheinend Haarverlängerungs-Sets, welche Frau sich an die Haare anschweissen kann.

Ganz in der Nähe der Einkaufszentren gibts einen großen Markt. Auf einer großen Freifläche armseligst aussehende Blech- und Bretter-Hütten, in denen Friseure, Schlachter, Schuhmacher, Schneider etc. ihre Dienste anbieten, auch Klamotten der billigsten Sorte gibts. Ich traue mich nicht Fotos zu machen, alles wirkt wie hinterletzte dritte Welt. Letztendlich frage ich einen Schuhmacher, ob ich seinen Shop ablichten darf. Kaum über die Straße betritt man ein großes Einkaufszentrum europäisch-amerikanischer Machart, mit schönen Schuh- und Bekleidungsgeschäften (Bata, Salamander!), riesigen Supermärkten, McDonalds, Pizzalokalen, Apotheken, Drogerien, alles wie bei uns. Von der dritten in die erste Welt, nur ein kleiner Schritt. Niemand wundert sich darüber.

Das ist Afrika.

Schuster in Mbabane

Schuster in Mbabane

Ich will mir Badelatschen kaufen, finde aber keine in meiner Größe (45). Bei 42 ist Schluss. Die Swasis leben alle auf kleinem Fuss wie mir scheint.

Ich fahre zurück. Die Minibustour ist eher kleine Odysee. Da es keine Fahrpläne gibt, muss man die einzelnen Strecken der Busse in Erfahrung bringen. Die Swasis sind aber alle sehr freundlich und zeigen mir, welchen Bus ich nehmen und wo ich dann umsteigen muss. Statt 20 Min. auf dem Hinweg brauche ich aber 60 Minuten und zahle das doppelte, weil ich erstmal nach Manzini, größte Stadt des Landes, Achtzigtausend Einwohner, umgeleitet werde.

super Supermarkt (Nähe Matsapha)

super Supermarkt (Nähe Matsapha)

Zurück im Backpacker macht Sean, Besitzer der Herberge, eine kleine Show mit brennenden Jonglierkugeln, die er an Ketten gehalten, durch die Luft wirbeln kann. Diese Kunst heisst Poi. Das Ganze findet zu Ehren von Xolile statt, die heute Geburtstag hat. Außerdem ist noch Mukelo da, Xolile’s 5jährige Tochter, ein lustiges und total aufgewecktes, blitzgescheites kleines Mädel. Zusammen sitzen wir an meinem Laptop und wir buchstabieren zusammen die Namen ihrer Freunde und färben sie dann in verschiedene Farben. Ob sie wirklich die Namen alle richtig schreibt, kann ich nicht sagen.

Mukelo ist auch schon eine tolle Fotografin

Mukelo ist auch schon eine tolle Fotografin

Die Swasi-Namen kann man kaum buchstabieren geschweige denn aussprechen. Das X in Xolile spricht sich beispielsweise mit einem komischen kehligen Schnalzlaut, den ich auch nach längerem Üben nicht hinkriege.

Clubbing in Manzini

Spät abends, es ist schon 10, ich bin schon arg müde, überredet Lisa uns, d.h. mich und Marian, einen Leipziger Medizinstudenten, der gerade angekommen ist, noch in einen Club (Disko) namens “Tinkers” nach Manzini zu fahren. Es kommt auch noch Marion mit, eine hellhäutige Swasi, deren Mutter Deutsche ist. Der Club ist halb draußen in einem großen Schuppen, Musikrichtung House und HipHop. Wir drei Bleichgesichter fallen natürlich total auf, und werden ständig angequatscht. Marion ist das ja schon gewohnt, sie ist mit 7 aus Simbabwe nach Swasiland gekommen, in Europa war sie noch nie. Alles in allem ist Clubbing in Swaziland auch nicht anders als bei uns: die Kerle stehen rum, trinken Bier, rauchen, fummeln mit Handys und glotzen, die Mädels tanzen und trinken Cola. Lisa besteht darauf, dass wir immer schön in Bewegung bleiben, d.h. wir sind teilweise die einzigen Männer, die auf der Tanzfläche sind, und dann noch die einzigen Bleichgesichter. Komisch. Gegen 1 Uhr nachts füllt sich der Laden etwas, aber Lisa ist arg enttäuscht, normalerweise ist mehr los und der DJ ist auch bescheuert, spielt nur House, kein HipHop.

Lisa, Marian und ich beim Clubben

Gegen 3 gehts dann zurück. Vorher kommt aber noch eine komische Tante auf uns zu, 1,60 gross, Meterlange Rastalocken zu einem ulkigen Dutt gebunden, der 40 cm schräg vom Kopf absteht, totschickes rotes Kleid mit afrikanischen Mustern, angeblich eine berühmte Sängerin in Swaziland. Erst fängt sie an, Marian, den Leipziger Medizinstudenten, hinsichtlich der Wirksamkeit afrikanischer Heilmedizin zu belehren (angeblich kann man Diabetes mit warmen Wasser behandeln), was zu einer hitzigen Diskussion führt, dann, als wir gehen wollen, besteht sie drauf, dass wir bleiben, sie will uns sogar einladen, und uns von ihrem Fahrer nach Hause bringen lassen. Lisa wird zunehmens genervter und meint, dass mache sie doch nur, weil sie sich mit der Bekanntschaft von weissen Ausländern schmücken will, ansonsten sei das ne bekloppte Tussi, die nicht alles ganz auf die Reihe kriegt und neben der Spur ist. Gegen halb vier falle ich ins Bett.

Sonntag, Abschied 11.10.2009

Welcome back – wieder in Südafrika

Am Sonntag gehts dann schon um halb acht mit dem Baz Bus Richtung Durban, 10 Stunden Fahrt liegen vor mir, die weitestgehend mit Schlafen verbringen werde. Beim Aufbruch schläft Lisa noch, der Abschied von Lile und Mukelo, ihrer Tochter ist ein bisschen wehmütig. Die 4 Tage in Swaziland waren eine super Zeit. Eher wie bei Freunden, statt in einer “Unterkunft”.

Willkommen zurück in S.A.

Willkommen zurück in S.A.

Sicherheit Swasiland

Swasiland gilt aufgrund seiner Struktur, Bevölkerung und Geschichte als sicherer als Südafrika.

Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen sollte man natürlich auch in Swaziland einhalten, besonders abends (dunkle Straßen meiden, keine Wertsachen dabeihaben, etc.). Auch der Straßenverkehr stellt ein gewisses Risiko dar: teilweise schrottige Autos, Fußgänger und Tiere auf der Fahrbahn, Schlaglöcher, unzureichende Beleuchtung etc.). Und Touristen sind im Vergleich zu großen Teilen der Bevölkerung sehr reich, da kommt sicher der ein oder andere in Versuchung.

Ich selbst habe mich immer sicher gefühlt, bin auf meinem kurzen Besuch mit Minibussen rumgegondelt (vom Backpacker nach Manzini und Mbabane), und habe einige nette Leute getroffen.

Südafrika #1b: Zwischenstopp

Zwischenstopp, 06.10.

Nelspruit

Jetzt muss ich aber doch noch kurz was über Nelspruit schreiben. Nelspruit war eine Zwischenstation zwischen Krügerpark und Swaziland.

Das Nelspruit Backpackers ist ein echt nettes Hostel. Jimmy und die anderen sind ein wenig crazy drauf. Die Zimmer lassen sich nicht abschliessen, aber ansonsten alles ganz nett.Jimmy erzählt mir erstmal lang und breit, dass Nelspruit ganz sicher sei, Tag und Nacht. Und dass man nur gaaaanz selten überfallen wird. Und wenn doch, sind die Räuber auch bestimmt ganz nett! Aber wie gesagt, hier ist es gaaaanz sicher. Er sagt das so oft, dass mir langsam ganz komisch wird.

Ganz Nelspruit ein Shopping Centre

5 Minuten vom Backpacker entfernt ist ein Einkaufszentrum. Ganz Nelspruit scheint nur aus verschiedenen Einkaufszentren zu bestehen, alles sehr amerikanisch. Im nächstgelegen, dem “Sanpark” gehe ich in einen Irish Pub, bestelle Steak und Bier, sehr lecker. Abends gehe ich dann noch in das nächste Shopping Centre, das “Crossings”, und schreibe drei Stunden Emails. Als es dunkel wird, will ich zurück, sind 20 Min. zu Fuß. Draußen bin ich weit und breit mutterseelenallein. An der Straßenecke ein paar Obdachlose, die ein Feuerchen machen. Ich kämpfe mit mir: was soll schon passieren? Habe doch nur 30 Euro dabei, na und. Gehe ein Stück, drehe dann aber um. Das Kribbeln siegt, oder ist es die Vernunft? Bestelle mir doch lieber ein Taxi. Es ist die erste Stadt in SA, wo ich alleine unterwegs bin, da weiß man nie.

Die Leute in S.A. gehen selbst so gut wie gar nicht abends spazieren, jedenfalls nicht in dunklen Straßen. Und Hellhäutige schonmal gar nicht.

Botanical Garden

Abends hocke ich noch ein bisschen an der Bar mit Jimmy, und lerne dann Anne aus Zwickau kennen. Am nächsten Morgen dann noch Kay aus Japan. Zu dritt beschließen wir, den botanischen Garten Nelspruit zu besichtigen – es ist die einzige Attraktion dieses Ortes. Das mit Garten ist meine Idee, und es tut mir immer noch leid. Außer einem netten Wasserfall hat der Garten vor allem viel Grün zu bieten. Sehr viel Grün. Man sieht die Hand vor Augen nicht, so grün ist es. Irgendwie langweilig. Erinnert mich an den Taman Negara in Malaysia, da war auch alles so grün, grün, grün, und nichts weiter.

Anne und Kay

Gegen 11 muss Kay los, Anne hat noch einen Massagetermin, und ich laufe noch durch Nelspruit. Will das Rathaus finden, welches angeblich sehenswert ist. Aber niemand kennt sich aus. Laufe durch mehr oder weniger schmucklose Einkaufsstraßen (das Stadtzentrum Nelspruit sieht auch aus wie ein Shopping Centre) und finde nix.

Ganz Nelspruit ist irgendwie enttäuschend. Wären da nicht Anne, Kay und Jimmy gewesen, wär es ein völlig verschwendeter Urlaubstag. Aus dem Spar-Supermarkt hole ich mir noch ein warmes Fertigessen, irgendein indisches Curry. Gibts hier praktisch verschweisst und warm gehalten.

Ready 2 go, ready 2 eat

Gegen 2 holt mich pünktlich der BAZ Bus ab, es geht nach Swaziland.

Südafrika #1: Und täglich grüßt das Warzenschwein (30.09. – 06.10.)

30.09.2009

Good bye

Meine Reise begann mit einem traurigen Abschied von meiner Liebsten, die leider keinen Urlaub mehr übrig hat. Und da ein anderer Kumpel doch lieber nach Mallorca als in den Busch fährt, muss ich diesmal alleine los.

Mein Flieger geht um halb elf abends, von München aus, mit Emirates. 18 Stunden stehen mir bevor. Zum Glück ist Emirates eine tolle Fluglinie, mit einem spitzen Essen. Diesmal gibt’s Hühnchencurry in Kokosmilch, dazu Spinat mit arabischen Gewürzen und Reis mit Rosinen. Also beim Inder kriegt man es nicht leckerer.

01.10.2009

In die Wüste geschickt: Dubai

Gegen 6:30 Ortszeit landen wir in Dubai. Der Terminal 3 ist voll mit Geschäften aller Art, es gibt Souvenirs, Sonnenbrillen, Schmuck. Der Flughafen ist super edel, statt einfacher Bahnhofsuhren hängen Rolex-Uhren herum. Trotzdem wird mir dort schnell fad. Habe mir dann meinen Einresestempel geholt, und bin dann noch schnell hoch in die nagelneue Ubahnstation, die erst letztem Monat eingeweiht wurde. Menschenleer, nur ein Wachmann grüßt mich freundlich. Ich glaube, beim Rückflug werde ich eine kleine Stippvisite in die Stadt machen. Die Ubahn fährt alle 10 Minuten, bis in die Stadt sind es 20-30 Minuten.

Dann ging’s um 10:15 weiter, nochmal 8 Stunden ächz. Zum Glück hat Emirates ein super Entertainment-System, bei dem man aus Dutzenden Filmen auswählen kann.

Landung am anderen Ende der Welt

Die Ankunft in Johannesburg war pünktlich auf die Minute, und die Abfertigung im Flughafen so zügig wie selten. In 15 Minuten hatte ich schon meinen Rucksack. Na sowas, so habe ich mir Afrika aber nicht vorgestellt. Auf mich wartete schon Justice, mein Fahrer nach Pretoria. Habe Geld zum schlechten Kurs getauscht, das nächste Mal benutze ich einen der Automaten im 1. Stock der Ankunftshalle (FNB Bank und andere)..

Von Johannesburg ging’s dann noch eine dreiviertel Stunde nach Pretoria. Das Wetter ist bedeckt, Temperaturen mild. Die Landschaft langweilig, überall Baustellen, für die WM 2010 werden überall neue Spuren angelegt. Obwohl wir auf einer Art Autobahn fahren, laufen überall Leute neben der Fahrbahn (oder eiern sogar mit klapprigen Fahrrädern rum). Wenn da mal nichts passiert… Das öffentliche Nahverkehrssystem in Südafrika ist schlecht, und manche können sich nicht mal die schrottigen Minibus-Taxis leisten. Viele sehen verlumpt aus, manche sind offensichtlich Arbeiter auf dem weg nach Hause, oder Frauen, die ein paar Einkäufe auf dem Kopf herumtragen. Weiße Menschen sieht man nicht darunter.

Joburgs neues Fußballstadium

Jo'burgs neues Fußballstadium (FNB-Stadion)

Pretoria

Kaum in Pretoria, stehen am Straßenrand torkelnde Obdachlose, in zerrissenen Hosen und Kapuzenpullis, die sich an einer brennenden Tonne wärmen. Klischeemäßiger geht’s kaum noch, sieht aus wie in einem amerikanischen Ghetto-Gangsterfilm. Einer wankt über die Straße und bricht fast vor unserem Auto zusammen. Justice hupt wie blöd, der Typ flucht, macht fahrige Gesten und schleppt sich davon. Kaum angekommen, weiß ich nun, warum man abends hier nicht mehr herrumspazieren sollte. Pretoria an sich macht aber einen freundlichen, ordentlichen Eindruck, besonders hübsch sind die lilafarbenen Jakaranda-Bäume, die aber leider noch nicht in voller Blüte stehen.

Bei Freunden zu Besuch: 1322 Backpackers

Im Hostel “1322 Backpackers” werde ich freundlich von Monique begrüßt. Das Hostel ist wie ein kleines Minidorf. Ich bekomme ein kleines, reetgedecktes Einzimmer-Reihenhäuschen. Einfach, aber ordentlich und sympathisch. 18 Euro/Nacht. Kaum geduscht, kommt Monique und fragt, ob ich mir von ‘nem Lieferservice etwas bestellen wolle. Das ist ja wie in einer WG hier… Da es für einen Kneipenbummel zu spät ist, bestellen Thomas, ein holländischer Medizinstudent, Monique und ich uns was beim Inder. Dauerte zwar ewig, war aber lekker (übrigens das Lieblingswort der Afrikaaner). Wir essen gemeinsam an der Bar und klönen den ganzen Abend. Derweil probiere ich die südafrikanische Bierlandschaft durch. Thomas erzählt von seinem 2-monatigen Praktikum in der Notaufnahme von Kapstadt, später gesellen sich noch zwei Peace Corps-Mädels aus den USA dazu, die irgendwo im tiefsten Busch arbeiten und Kindern Englisch beibringen. Es wird ein richtig schöner Abend, aber um 10 falle ich todmüde ins Bett.

Die erste Nacht in Afrika.

1322 Backpacker, Bar

1322 Backpacker, Bar

Freitag, 2.10.2009

Im Hostel gibt’s morgens Toast, Marmelade und Kaffe zur Selbstbedienung. Um halb neun geht’s aber schon los, Tagestour nach Johannesburg und Soweto, mit “Livingstone”. Mit an Bord sind noch Anna und Demian aus Marseille, spätrer kommen noch Österreicher, Holländer und Amis dazu. Wetter ist frühlingshaft-mild, aber sehr wolkig, zwischendurch regnet’s auch mal.

Joanna, Joburg, Jozi

In einem Minibus geht’s nach Johannesburg, auch Joburg, Joanna oder Jozi genannt. Wir fahren ein bisschen durch Downtown. Es gibt Ecken, die saniert werden, und Schmuddel-Ecken mit leer stehenden oder illegal besetzten Hochhäusern. Zum Teil No-Go-Area für Weiße, insbesondere für reiche Touris mit vollgepacktem Rucksack. Die Stadt versucht, Joburg ein besseres Image zu verschaffen, aber was wollen sie machen, einige Blocks werden von Gangstern beherrscht, die das Vakuum nach dem Wegzug der weißen Geschäftswelt nach Sandton, einem Vorort, gefüllt haben. Joburg hat eine der höchsten Mord-, Überfall- und Vergewaltigungsraten der Welt. Viel Spaß bei der WM 2010. Die Teile von Downtown, durch die wir gefahren sind, machten hingegen einen ordentlichen Eindruck, aber auch hier findet man kaum ein weißes Gesicht. Unter einer Autobahnbrücke sahen wir dann die ersten Slums: Blech- und Holzhütten, neben denen Feuer loderten, an denen sich zerlumpte Gestalten Würstchen grillen.

Geschichtsstunde

Weiter geht’s ins Apartheid-Museum. Sehr interessant, erschreckend und deprimierend. Die ehemaligen “Herren” des Landes haben systematisch versucht, alle Schwarzen von Bildung, Verantwortung und Macht fernzuhalten. In den 70ern gab es deswegen schwerste Ausschreitungen mit hunderten Toten. Die brutalen Gewaltszenen werden durch Foto- und Videoshows sehr drastisch gezeigt, nichts für kleine Kinder. Die Apartheid endete Mitte der Neunziger. Nelson Mandela ist es zu verdanken, dass das Land danach nicht im Bürgerkrieg in Kleinstaaten der dutzenden Völker zerfiel.

Soweto

Nach dem Museum gings dann nach Soweto (South Western Townships), welches aus 29 Townships (Arbeiter- und/oder Armensiedlungen, ausschließlich für Schwarze) besteht, die eng beieinander liegen. Hier wohnen ca. 5 Millionen Menschen, genaue Zahlen gibt’s freilich nicht. Zunächst ging es in die “Villengegend”, ja auch Millionäre leben in Soweto. Interessant: die Häuser haben oft keine Zäune oder Mauern, im Gegensatz zu allen anderen Wohnhäusern in Südafrika, wo alles mit Stacheldraht, Kameras und scharfen Hunden bewacht wird. In den Townships ist die Gemeinschaft angeblich so stark, dass man sich da nicht beklaut, und wer es doch versucht, wird gelyncht.

Kinder in Soweto (Informal Settlement)

Kinder in Soweto (Informal Settlement)

Anschließend noch ein kleiner Rundgang durch eine illegale Siedlung. Blechhütten, kein Wasser und Strom, bettelnde Kinder. Durch die Straße, durch die wir gingen, werden natürlich jeden Tag Touristen geschleift. Und auch die Begegnungen, die wir hatten, waren wohl kaum spontan. Wir trafen Gladys, eine etwa 50-Jährige, die aussah wie 70, ausgemergelt, drei Teenager-Kinder, in ihrer Hütte: eine Küche, ein Schlafzimmer für alle, kein Strom, Herd wird mit Holz beheizt, Dixiklo auf dem Hof. Gladys sprühte trotzdem geradezu vor Charme, Freundlichkeit und Offenheit. Kaum Zähne im Mund, aber ein Lächeln so breit wie ein Scheunentor.

Soweto: Gladys

Soweto: Gladys

Anschließend noch in Soweto am größten Krankenhaus der Welt vorbeigefahren: zehntausende Betten (immer noch zu wenig), aber laut einer Untersuchung nur 19 funktionierende Toilettenanlagen. In Soweto sollte man tunlichst nicht krank werden.

Leider bestand die Tour aus viel Herumgefahre im Minibus und Starren aus dem Fenster, und insgesamt war ich enttäuscht. Das Apartheid-Museum ist zwar sehenswert, aber dafür einen halben Tag verbraten? Vielleicht werde ich in Durban oder Cape Town nochmal eine Township-Tour machen.

Wir kamen ziemlich müde gegen halb acht zurück. Es waren nur noch die beiden Franzosen und Monique da, außerdem noch Moniques Verwandtschaft. Zusammen bestellten wir uns wieder was vom Lieferservice. Bis zehn ratschte ich noch mit den Franzosen, Monique und ihrer Verwandtschaft, dann war ich bettreif.

Von Pretoria habe ich also in den zwei Tagen nicht viel gesehen, aber es war auch so interessant. Die schönen Abendstunden im Backpackers wollte ich auch nicht missen.

Die Joburg/Apartheid-Museum/Soweto-Tour mit Livingstone kann ich nur bedingt empfehlen, und mit 450 Rand (40 Euro) war sie auch nicht billig. Mit zehn anderen 7 Stunden im Bus eingesperrt zu sein und aus dem Fenster zu gucken, ist nicht so mein Ding. Da gibt’s bestimmt bessere Touren.

Samstag, 3.10.2009

Um 7 Uhr war ich schon wieder auf den Beinen. Habe erstmal die Busfahrten mit dem Bazbus klargemacht, sowie das Hostel in Nelspruit. Manches läuft wirklich unkompliziert hier. Um halb neun wurde ich von Tabo abgeholt, dem Fahrer von Viva Safaris. Vorher noch traurigerweise von Monique und dem 1322 Backpackers verabschiedet. In den zwei Tagen fühlte ich mich mehr wie bei Freunden als in einer “Unterkunft”. Vielen Dank dafür.

Heia Safari

Bei Viva Safaris habe ich eine 4-Tage-Tour gebucht, inkl. Unterkunft/Halbpension (6000 Rand, 540 Euro). Zunächst ging’s 7 Stunden Richtung Krügerpark, ins Balule Wildreservat, und dort in die Tremisana Lodge, eine kleine günstige, aber schöne Lodge, von der dann die Touren starten. Unterwegs haben wir noch Naomi und Martin aufgesammelt, meine beiden Mitstreiter für die nächsten Tage. Naomi ist eine recht mitteilsame amerikanische IT-Beraterin (so wie ich), Martin ein deutscher Ingenieur, beide so Mitte vierzig, und recht angenehme Zeitgenossen. Man kann ja auch Pech haben und echte Nervensägen an Bord haben.

Dullstrom

Mittagspause in Dullstrom, dem “schottischten Ort Afrikas”: hochgelegen, nass-kalt, Anglerrevier, zur Zeit “Forellen-Saison”. Es regnete. Im “Poacher” (“der Wilderer”) haben wir Hamburger gegessen, und Martin, Naomi und ich haben uns ein wenig mit einander bekannt gemacht.

Sunset Game Drive

Gegen 6 waren wir endlich in der Lodge. Schnell Gepäck abgeladen und schon ging’s zum Sunset Drive im Balule Wildreservat. In einem offenen, großen Landrover sind wir durch die Gegend gefahren, zu sehen gab es außer ein paar Antilopen, einem Wildhund und einem Warzenschwein wenig.

Braai

Um 8 wurde dann an einem großen Lagerfeuer landestypisches Braai für uns gemacht, das ist die südafrikanische Art des Barbecue: es gab “Papp en Vleis” (Maispampe mit Steak), dazu Boerwors (Bauernwurst), eine grobe Bratwurst. Es kamen noch ein südafrikanisches Pärchen, Landwirte, so Mitte dreißig, dazu, und es wurde ein geselliger Abend.

04.10.2009

Game spotting: Krügerpark

Heute wurde es dann ernst: erste richtige Fahrt in den Krügerpark.

Heia Safari: es geht los!

Heia Safari: es geht los!

Morgens um 8 ging’s los, erstmal über ne Stunde Anfahrt – das Balule Wildreservat, in dem unsere Lodge ist, liegt so 50 km vom “Orpen Gate” (Orpen Einfahrtstor) im mittleren, westlichen Teil des Parks entfernt. Auf einem großen offenen Landrover fuhren wir an diese Tag so um die zweihundert Kilometer durch den Park. Die Bäume sind noch nicht alle grün, das Gras noch braun und tief. Beste Bedingungen um “Game” (Wild) zu erspähen. Kaum im Park, laufen die ersten Impalas und Giraffen vorbei, im Laufe des Tages sehen wir Elefanten grasen, Giraffen die Bäume pflücken, Dutzende Nilpferde in einem Tümpel dösen.

Auf Safari: Langhals quert die Straße

Auf Safari: Langhals quert die Straße

Highlight war ein größer männlicher Löwe, etwa 50 m vor uns im Gras, außerdem zwei Leoparden, die im Baum ein Nickerchen machten. Das Ausschauhalten nach Wild kann aber ganz schön anstrengend sein. Giraffen, Elefanten, Impalas und dergleichen sind meist schnell auszumachen, die Wildkatzen und Nashörner halten sich meist versteckt und treten eher einzeln auf.

Andrew, unser Game Drive Driver...

Andries, unser Game Drive Driver...

Mittags haben wir dann im Satara Camp mal wieder Hamburger verspeist. Satara ist eines dieser Camps, von denen es einige im Park gibt, man kann sich dort in kleinen Rundhütten einmieten und selbst versorgen. Es gibt noch einen kleinen Supermarkt und Restaurant, aber das war’s dann auch.

Zebras benutzen keine Zebrastreifen!

Zebras benutzen keine Zebrastreifen!

Nachmittags fing es dann leicht an zu regnen, was aber gar nicht so schlecht war. Es war kühl und feucht, da sind die Viecher aber aktiver und kommen aus dem Schatten raus. Wegen des ständigen Fahrtwinds wurde uns ziemlich kalt, gut dass wie Decken dabei hatten. Ein warmer Pulli und eine windundurchlässige Jacke sowie eine Mütze sind bei kühlerem Wetter unbedingt zu empfehlen!

Erst um halb acht waren wir zurück in der Lodge, ziemlich müde und erschlagen. Zu Dinner gab es leicht zähes Warzenschwein und Hühnchen. Zu uns gesellte sich Pearl, die Lodge-Chefin, eine herzliche Mitt-Fünfzigerin, sowie Andries, unser Fahrer, und die beiden erzählten ein paar Geschichten aus dem Busch. Wieder mal ein netter Abend.

Sundowning @ Tremisana: Martin, Naomi und Pearl

Sundowning @ Tremisana: Martin, Naomi und Pearl

05.10.2009

Und täglich grüßt das Warzenschwein

Statt dem 4-stündigen Buschwalk am Morgen steht heute nochmal eine Fahrt durch den Krügerpark auf dem Programm. Habe mich ein bisschen von Naomi bequatschen lassen, die unbedingt nochmal eine Rundfahrt machen wollte, und Martin war auch nicht abgeneigt. Wahrscheinlich fehlen ihr zu ihrer Sammlung mit den 2000 Elefantenfotos noch ein paar Hundert.

Fotoshooting im Kruger Park

Fotoshooting im Kruger Park

Heute war allerdings Sonnenschein pur, es wurde fast unangenehm heiß. Die Tiere verkriechen sich bei sowas in den Schatten und dösen, eigentlich sehr schlau, nur wir fahren schwitzend und glotzend umher. Heute gab es wegen der Hitze weniger zu sehen, natürlich wieder Elefanten, Zebras und Giraffen, mal ein Nashorn oder Nilpferd von weitem, aber alles viel spärlicher als gestern. Gegen Ende dann doch noch ein Highlight: eine imposante Büffelherde, hunderte von mächtigen, schwarzen Tieren, direkt am Wegesrand. Wie sind alle sehr beeindruckt.

Abends hatte ich noch ein bisschen Ärger mit meiner Kreditkarte: als Viva Safaris versuchte, meine Kreditkarte zu belasten, hat die Citibank die Transaktion erstmal auf Eis gelegt, und bei mir zu Hause in München versucht anzurufen. “Zufällige” Routine-Sicherheitsmaßnahme. Leider hat die Citibank nicht meine Mobilnummer, sonst hätte man das schneller klären können. Na jedenfalls gab’s ein bisschen Ärger, und zum Glück habe ich noch eine andere Karte. Also: immer der Kreditkartenfirma die Handy-Nummer mitteilen!

Mal wieder kleine und große Dickhäuter...

Mal wieder kleine und große Dickhäuter...

Kurz vorm Schlafengehen flitzt noch eine ziemlich große gelbe Spinne durch mein Zimmer und verschwindet unterm Bett. Ich bin aber zu müde für die Jagd und vertraue darauf, dass Menschen normalerweise nicht auf dem Speiseplan von Spinnen stehen.

Und täglich grüßt das Warzenschwein!

06.10.2009

On the road again

5 Uhr morgens klingelte der Wecker. Kurz Kaffee, dann ging’s schon wieder für eineinhalb Stunden auf Beobachtungsfahrt. Morgens sollen einige Tiere besonders aktiv sein, aber das hatte man wohl den Viechern in unserem Reservat noch nicht verklickert, oder es sind notorische Schlafmützen, jedenfalls kriegten wir nur ein paar Giraffen, Zebras, Impalas und Warzenschweine vor die Linse. Nach dem Frühstück ging’s dann Richtung Blyde River Canyon und den “Drei Rondavels”, eine Felsformation, die aussieht wie die Zulu-Rundhütten, Rondavels genannt. Dort verabschiedete ich mich dann endgültig von Naomi, der Amerikanerin mit dem “rheinländischen” Temperament. Ein anderer Fahrer, John, brachte mich dann nach Nelspruit.

John @ Blyde River Canyon: This is my land!

John @ Blyde River Canyon: "This is my land!"

Während der zweistündigen Fahrt durch mittelgebirgsähnliche Landschaften haben wir uns viel unterhalten. Ich erfuhr, wie sich z.B. die Apartheid auf ihn und seine Familie ausgewirkt hat: noch vor 16 Jahren hätte ich nicht so einfach neben ihm im Bus sitzen können, wir hätten nicht zusammen essen können, (weiße) Kunden hätten ihn bei Missbilligung seiner Fahrkünste durchaus schlagen können. Muss man sich mal vorstellen, es hat mich echt geschaudert.

Um 12 bin ich dann in Nelspruit, verabschiede mich von John.

Die Backpacker Herberge in Nelspruit finden wir auf Anhieb, und Jimmy begruesst mich. Aber das ist eigene Geschichte, die das naechste Mal erzaehle. Das Backpacker Hostel kann ich aber schon jetzt empfehlen, ein crazy place.

Jimmy @ Nelspruit Backpackers

Jimmy @ Nelspruit Backpackers