Sprachen zu lernen fällt dem einen leicht, dem anderen sauschwer. Leider zähle ich zu letzteren. In der Schule stand ich mit unseren Englisch-, Französisch- und Lateinlehrern ständig auf Kriegsfuß. Inzwischen reise ich aber für mein Leben gerne, und Sprachen sind nun mal der Schlüssel zu Land und Leute. Ohne Sprache bleibt man auf dem Niveau eines Pauschaltouristen, ohne Kontakt, isoliert. Eigentlich könnte man auch zu Hause bleiben und sich Reisevideos anschauen.
Da meine Liebste in Argentinien ein langes Praktikum machte, zog es mich nach Südamerika. Ein paar Brocken Spanisch hatte ich schon auf der Uni aufgeschnappt, aber in der Gruppe kann ich nicht lernen. Da sind immer andere besser, schneller, gescheiter.
Also suchte ich nach einer Möglichkeit, Spanisch individuell zu lernen, ohne dafür ein Vermögen auszugeben. Einzelunterricht, qualifiziert, aber preiswert sollte es sein.
Ecuador
Bei meinen Recherchen stieß ich dann auf Ecuador: ein kleines Land in Südamerika, eben auf Höhe des Äquators. Dort spricht man sehr klares (südamerikanisches) Spanisch, und nicht allzu schnell. Ideale Voraussetzungen also.

In Quito, der Hauptstadt, gibt es Dutzende von Sprachschulen. Hier fällt die Qual der Wahl schwer. Aber letztendlich waren mir wichtig: der qualifizierte Unterricht, ein sinnvolles Begleitprogramm, sowie anständige Arbeitsbedingungen für Lehrer und Lehrerinnen. Viele Sprachschulen versuchen, über den Preis an Schüler zu kommen, sie zahlen nur Dumpinglöhne, und das schlägt sich doch auf die Qualität nieder. Dabei machen letzten Ende die paar Dollar pro Woche es wirklich nicht aus, denn die Preise für Einzelunterricht sind in Quito sowieso für unsereins, aus dem reichen Europa, erstaunlich günstig. Relativ teuer ist der Flug (je nach dem wann man bucht, ca. 600-1000 €).
Sprachchule Atahualpa
Nach langem Studium der Angebote im Netz bin ich schließlich auf Sprachschule Atahualpa gestoßen. Eine kleine, aber feine Einrichtung mitten in Quito. Es wird fast ausschließlich Einzelunterricht angeboten, d.h. ein Schüler – eine Lehrerin. Die ganze Atmosphäre ist sehr familiär und man fühlt sich gleich wie unter Freunden.
Sprachkurs
Ich habe dort dann einen 3-wöchigen Sprachkurs absolviert und im Jahre 2001 dafür ca. 660 Euro gezahlt, d.h. ca. 220 €/Woche. Die Preise sind seitdem, durch den günstigen Dollar-Kurs nicht wesenlich gestiegen (siehe Preisliste auf der Homepage der Schule). Hierin waren indiviuelle, sehr gute Unterrichtsstuden, sowie die Unterbringung in einer Familie, sowie Verpflegung enthalten. In der mittleren Woche haben wir dann den Unterrichtsort von Quito nach Baños verlegt, eine hübschen Ausflugsörtchen in Ecuador, hierfür waren nochmal ca. 140 € fällig, aber es hat sich gelohnt. Ich war mit meiner Lehrerin, sowie noch einem weiteren Schüler/Lehrer-Gespann in einer kleinen Pension untergebracht, in der es leckeres Essen gab.Wir saßen vormittags in einem schönen tropischen Garten und haben gelernt, nachmittags haben wir dann Ausflüge in den Urwald, zu Wasserfällen oder in den Zoo gemacht. Ein Highlight waren die heissen Thermalbäder in Baños.
Zum Lernen: meine Lehrerinnen Lusmila, Sandra und Ximena waren allesamt sehr qualifiziert und zudem sympatisch, und haben mir den Stoff gut nahegebracht. Wir haben uns fast nur auf Spanisch unterhalten (mal ab und zu ein bisschen Englisch), und es hat super geklappt. Mein bisschen Vorwissen hat mir dabei natürlich geholfen. Pro Tag hatte ich 4 Unterrichtsstunden, die schon recht anstrengend und fordernd waren. Danach musste ich noch Vokabeln lernen und Hausaufgaben machen, also war ich quasi von morgens früh bis in den späten Nachmittag gut ausgelastet.
Dies nur mal als Hinweis für diejenigen, die meinen, 4 h täglich sind doch nix. Mehr würde ich auf keinen Fall machen.
Quito
Quito ist übrigens eine interessante Stadt, allerdings gehört ein bisschen Abenteuerlust dazu, denn dort ist manches anders als im geordneten Deutschland. Alein das Busfahren ist schon ein Erlebnis. Morgens schunkelt man zu Salsa-Rithmen durch die Stadt, der Fahrplan ist für Uneingeweihte ein Rätsel, aber irgendwie kommt man an. Die Altstadt Quitos ist wirklich sehenswert (aber des Nachts nicht ganz ungefährlich), und die Ecuadorianer sind super freundliche Leute, mit denen man schnell ins Gespräch kommt.
Fazit
Eine Sprachreise nach Quito, zur Sprachschule Atahualpa, kann ich nur jedem empfehlen, ich würde es jederzeit wieder machen. Ich hatte allerdings nicht gedacht, dass die Lernerei doch ganz schön in Arbeit ausarten kann. Deshalb wäre es gut, wenn man nach so einer Sprachreise noch ein- oder zwei Wochen im Land rumreisen kann, um seine erworbenen Sprachfähigkeiten auch auszuprobieren.