Rötelstein / Kreutalm

Heute mal wieder so ein Supersonnen-Frühlingssonntag, also haben wir den Plan gefasst, mal wieder in die Berge hinaus. Andererseits: so ein richtig schönes Frühstück hat auch was, also waren wir erst um 11 Uhr startklar. Aber für diese Anlässe haben wir ja das bedingt empfehlenswerte Buch: “Bergtouren für Langschläfer“. Hieraus haben wir uns Tour Nr. 9 “Im Schatten des Herzogstandes – Rötelstein” gesucht.

Der Rötelstein ist ein kleinerer Berg in den bayrischen Voralpen, im Walchenseegebiet, ca. 1400 m hoch.

Dauer und Schwierigkeit

Die Tour dauert insgesamt ca. 3-3,5 h und ist unschwierig. Nur am Rötelstein selbst muss man sich ein klein bisschen anstrengen. Ist aber auch mit Kindern gut zu machen.

Anfahrt, Start

Der Startpunkt liegt beim Alpengasthof “Kreutalm” (siehe auch Google Maps), gleich hinter dem Freiluftmuseum “Glentleiten”. Die Anfahrt dauert vom Süden Münchens keine 50 Min. Immer Richtung Murnau (A95), dann zuerst nach Großweil. In Großweil ist die Kreutalm und das Freilichtmuseum ausgeschildert.

Wegbeschreibung

Der Weg zum Rötelstein ist gut ausgeschildert. Von der Kreutalm geht man einfach Richtung breite Forststraße. Nach 20 Minuten kann man sich entscheiden, ob man auf der breiten Forststrasse weiter läuft, oder den kleinen, steileren Weg nach links nimmt. Wir haben uns für den den interessanteren Weg entscheiden, der über allerlei Stock, Stein und Wurzeln führt. Nach weiteren 30 Minuten kommt man aus dem Wald etwas raus und man hat einen wunderschönen Blick aufs Tal.

Der Aufstieg zum Rötelstein ist dann nochmal mit ein klein bisschen Anstrengung verbunden, aber alles sehr moderat. Oben ist eine kleine Sitzplattform, auf der sich schon einige Sonnenhungrige reekelten.

Vom Rötelstein hat man nordwärts einen wunderschönen Ausblick über das Tal mit dem Staffelsee und Starnberger See  bis nach München.

Eine ausführliche Wegbeschreibung gibt es auf www.hoehenrausch.de.

Einkehr

Eine wirklich schöne Einkehrmöglichkeit ist die oben genannte Kreutalm. Es gab da einen der besten Käsekuchen, die ich bisher hatte.

Fazit

Eine hübsche kleine Wanderung für einen kurzen halben Tag. Isgesamt nicht spektakulär, aber klein und fein. Wer die Tour morgens macht, kann nachmittags noch das Freilichtmuseum besuchen. Die Kreutalm hat mir auch sehr gefallen.

Ostertour: Altmühltal-Radweg

~~~ under construction ~~~

Ostern, 2011: herrlichstes Frühlingswetter. Was kann es da schöneres geben, als eine Radtour durchs schöne Bayernland. Diesmal hab ich mir den Altmühltal-Radweg rausgesucht. Der Altmühltalrad ist einer der schönsten Radwege in Bayern und führt vom mittelalterlichen Rothenburg ob der Tauber bis zur Mündung der Altmühl nach Kelheim.

 

Tourenbeschreibung 1 auf fahrrad-tour.de. Die dortige Etappeneinteilung habe ich übernommen.

Streckenlänge: 241 km. Startpunkt: Rothenburg ob der Tauber. Ziel: Kelheim.

Die Tour habe ich natürlich wieder über die geniale Seite “Bayernnetz für Radler” geplant und die GPS-Datei auf mein Garmin geladen.

Wegverlauf

Altmühltal-Radweg

Etappe 0: Anreise von München nach Rothenburg ob der Tauber

Gar nicht so einfach, mit der Bahn von München nach Rothenburg zu kommen. Immerhin zweimal umsteigen ist nötig. Ich nehme den Zug am Freitag morgen und schau mir am Nachmittag die mittelalterliche Stadt an.

 

Etappe 1: Von Rothenburg nach Gunzenhausen

Gemütliche 75 km ist meine erste Etappe. Herzhaftes Frühstück, dann los.

Altmühltal Radweg Rothenburg nach Gunzenhausen

Etappe 2: Von Gunzenhausen nach Eichstätt

Auch die zweite Etappe ist locker zu schaffen, 71 km. Orte auf der Strecke: Treuchtlingen, Gunzenhausen, Eichstätt.

Altmühltal Radweg Gunzenhausen Eichstätt

Etappe 3: Von Eichstätt nach Kehlheim

Die 3. Etappe ist zwar mit 90 km ein bisschen länger, aber auch noch keine Herausforderung.

Etappe 3.1 Eichstätt Beilngries

 

Übernachtungen

Kleiner Tipp, den ich mir hinter die Ohren schreibe:  nicht erst am Tag vor Karfreitag buchen, wenn man eine Tour zu Ostern plant….

Rothenburg ob der Tauber: Gasthof Butz
Gunzenhausen: Hotel Adlerbräu

So, nach Gunzenhausen waren dann alle günstigen Unterkünfte ausgebucht. Na gut, ein bisschen Luxus kann bei müden Knochen nicht schaden …

Eichstätt: Landgasthof Hotel Pröll
Kehlheim: Wittelsbacher Hof Altstadthotel

 

 

 

Mein Radl…

Mein neuer Tourenesel:

Diamant Ubari Deluxe Edition. Sahne! XT-Ausstattung, Sattel- und Gabelfederung, innen verlegte Schaltzüge und sonst alles, was man sich wünscht.
Diamant Ubari Deluxe Edition 2010

Mein Dealer: Bike Island in München (Berg am Laim).

Details:

Rahmen: Sportiver Trekking Rahmen, Aluminium 6061, innenverlaufende Züge, Touring Geometrie für Federgabel
Gabel: Bontrager SPA Aluminium Gabel, integrierte Federung, 30mm Federweg
Schaltwerk: Shimano Deore XT 27-Gang Schaltung
Umwerfer: Shimano Deore XT
Schalthebel: Shimano Deore XT Rapidfire
Bremsen: Shimano M432 V-Bremse mit austauschbaren Bremsbelägen
Kurbeln: Shimano Deore XT, 48-36-26 Zähne
Zahnkranz: Shimano HG 50, 11-32 Zähne
Nabe vorn: Shimano DH3N72 Nabendynamo
Nabe hinten: Shimano M 505
Felgen: Hohlkammer Aluminium mit Ösen
Reifen: Schwalbe Marathon Dureme 28″ 1.4 Faltreifen
Lenker: Bontrager Race hochgezogen
Vorbau: Bontrager Race adjust
Griffe: Bontrager Satellite Plus
Sattel: Selle Royal Ariel Thermoweld
Sattelstütze: Aluminium gefedert, bootless
Pedale: Aluminium mit Gummistandfläche
Lampe vorn: B&M Fly
Lampe hinten: B&M Flat
Dynamo: Shimano DH3N72 Nabendynamo
Ständer: Atran Stylo, einstellbar
Schutzbleche: sks wired, verbindungsfreie Kabelverlegung im Schutzblech
Radgröße: 28“
Farben: schwarz
Gewicht: 14,7 kg

Südafrika 2009 Reisebericht

Südafrika

Südafrika – drei Wochen im Oktober 2009

[Reiseroute / Übersicht]

[Safari: Johannesburg - Soweto - Pretoria - Krügerpark] [Nelspruit] [Swaziland] [Durban][Graaf-Reinet - Valley of Desolation - Nieu Bethesda] [Oudtshoorn - Swartberg Pass][Route 62 - Montagu - Hermanus] [Kapstadt - Kap der Guten Hoffnung]

[Unterkünfte] [Wie sicher ist Südafrika?] [Mountainbiking]

[Alle Südafrika-Beiträge]

Radln und Mountainbiking in Südafrika

Anbei eine kleine Liste mit Aktivitäten für Rad- und Bergrad-Freunde:

Oudtshoorn, Swartberg-Pass

Downhill vom Swartberg-Pass und andere Tourenwerden vom Backpacker’s Paradise angeboten. Siehe “Joyrides” in Oudtshoorn

Die Tour habe ich selbst gemacht. Ich wurde mit einem Kleinbus bis hoch zum Pass gebracht, und dann geht’s viele Kilometer bergab. Spitzen-Panorama! Macht wirklich Laune! Bis nach Oudtshoorn runter sind es ca. 55 km. Die Strecke ist aber gut fahrbar. Leider sind die Bikes ziemlich runtergerockt und trüben den Spaß.

Aus dem Mountainbike-Forum wurde ich auf’s neue “Adventure Centre Mot Oudtshoorn” hingewiesen. Vielen Dank!

MOT Oudtshoorn

Krüger-Park, Olifants Camp

Auf der SAN-Park-Info-Seite werden Touren in der Nähe des Olifants-Camp angeboten. Da die Touren aber auch schon mal ausgesetzt wurden, sollte man besser vorher reservieren bzw. per Email nachfragen. Info und Reservierung über die SAN-Park-Info-Seite

Soweto – Johannesburg

Statt sich Soweto aus dem Bus wie einen Safaripark anzugucken, sind die Soweto Bicycle Touren vermutlich die schönste Art, sich diesem faszinierenden Township zu nähern.

Radltour durch Soweto

Thailand

Thailand ist nun schon seit Jahrzehnten eines der Lieblingsfernreiseziele der Deutschen. Im Land tummeln sich alle: Backpacker, Singles, Familien, Senioren, Luxus- und Low-Budgetbadegäste und leider auch noch die berüchtigten Sextouristen. Und weil nun schon Abermillionen im Land waren, es hunderte von Reiseberichten und Reiseführern zu diesem schönen Land gibt, muss ich dazu nicht auch noch meinen Senf beisteuern.

Oder doch?

Wir waren 2004 in Thailand und haben dort einen relaxten Backpacking-Urlaub verbracht. Unser Ziel war nicht, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zu sehen. Wir haben uns immer ein bisschen Zeit für jede Location genommen.

Unsere Reiseroute

  1. Bangkok
  2. Phuket
  3. Krabi (Google Fotos)
  4. Chiang Mai, Dschungeltrekking
  5. Sukhothai (Google Fotos)
  6. Bangkok

Insgesamt nicht unbedingt eine ungewöhnliche Route. Nur das Dschungeltrekking in den Bergen nördlich von Chiang Mai macht wohl nicht jeder, und deshalb habe ich darüber einen eigenen Beitrag geschrieben.

Fest für die Augen: Salar de Uyuni

Hier folgt also mein Bericht über meine Reise von Nordchile (San Pedro) durch die Atacama-Wüste und den Salar de Uyuni bis nach Bolivien. Vorweg: sie war so eindrucksvoll und schön, dass ich noch heute oft an an sie denke.

Grenze Chile-Bolivien

Aufbruch

Aufgebrochen sind wir von Santiago über die Zwischenstationen Vicuña, Valle de Elqui und La Serena. Leider war an dem Tag unseres Aufbruch – Mitte März letzten Jahres – gerade Ende der Sommerschulferien und wir konnten nur zwei allerletzte Plätze in einem Semicama (Halbschlafwagen)-Bus ergattern. Der Bus war gerappelt voll, die Klimaanlage funktionierte nicht und neben uns stank die Chemietoilette entsetzlich vor sich hin. Leider lagen noch etwa 22 (sic!) Stunden Fahrt vor uns. Zuerst waren wir noch begeistert vom Endruck der Ödnis der Wüstenpiste, aber irgendwann waren wir nur noch genervt, durchgeschüttelt und unglaublich groggy. Dass wir am nächsten Morgen noch eine Motorpanne hatten und in einen anderen Bus umsteigen mussten, haben wir nur noch im Dämmerzustand mitgekriegt.

Irgendwann am Abend des nächsten Tages kamen wir in Calama an, eine Stadt der Minenarbeiter in Chiles Norden. Bei der Fahrt in die Stadt mussten wir erstmal schlucken. Außer vielen Wellblechhütten und Unmengen an Staub und Sand war weit und breit nichts zu sehen. Irgendwo am anderen Ende der Stand war ein halbwegs moderner Busterminal hingebaut, in den wir aus unserem Ersatzbus ausgespuckt wurden. Vor der Tür lagen Typen mit Ponchos wie in schlechten Italowestern. Aber wir wollten nach San Pedro, gelobtes Touridorf am Rand der Atacama-Wüste, noch etwa 150 km entfernt. Mit einem klapprigen Kleinbus, der uns einen Vorgeschmack auf Bolivien geben sollte, schunkelten wir nach „Downtown“. Dort gab zwischen dem ganzen Staub so was wie ein Geschäftsleben. Erstmal labten wir uns an eineinhalb Litern absolut frisch gepressten Orangensaft und ein paar Sandwiches für eine Handvoll Pesos.
Irgendwann ging’s dann weiter, wieder durch die Wüste, wieder durch Ödnis, bis wir völlig fertig, gerädert und ermattet in San Pedro eintrafen. Inzwischen war’s schon dunkel, aber wir hatten noch keine Unterkunft.

In San Pedro

Wir fanden dann eine Pension mit einem schönen Innenhof, aber grässlichen Zimmern namens „Gorvatsch“, von uns „Gorbatschov“ getauft. Wir zahlten um und bei 40 Euro für drei Nächte. Geboten wurde uns dafür eine Dusche, die nur zwei mal drei Stunden am Tag Wasser hergab (wir waren ja mitten in der Wüste), sowie ein sehr begrenzten Stromkontingent. Ab 23 Uhr wurde es zappenduster, Licht gab’s erst wieder bei Sonnenaufgang. Das sollte noch für viel Spass und einige nette Bekanntschaften sorgen. Auch der Wachhund, ein Schäferhundmischling, muss erwähnt werden. Er konnte beängstigenden Krach schlagen, war aber bestechlich. Nicht mit Wurst, sondern alleine mit Wasser!

Am nächsten Tag erkundeten wir den Ort. San Pedro ist völlig in Touristenhand, und wir fragten uns, wie die Einwohner wohl in früheren Zeiten über die Runden gekommen sind. Überall waren kleine Cafes, Bistros, Restaurants und Reisebüros, die Erkundungsfahrten anboten. Trotzdem war der Ort ursprünglich und auf eine spezielle Art sehr gemütlich. Abends geht man in eine der kleinen Tavernen, isst einfache Speissen (Pasta, Fleisch mit Reis und Gemüse) und läßt sich chilenischen Landwein schmecken.
Nach ein bisschen Rumgucken buchten wir bei zwei kolossal-dicken, aber liebenswerten jungen Typen für den nächsten Tag zwei Ausflüge, zunächst in’s Mondtal (Valle de la Luna) sowie zu den berühmten Tatio-Geysieren.

Alpacas

 

Das Mondtal

„Mondtal“ werden in Chile und Bolivien oft Täler oder Regionen genannt, die „nicht von dieser Welt“ zu sein scheinen. Auch die Gegend um San Pedro scheint eher für einen Science Fiction-Film gemacht zu sein (meine erste Assoziation war der Fels- und Wüstenplanet Tattoine, Heimat von Luke Skywalker).
Im Mondtal fanden wir bizarre Felslandschaften und –formationen, Sanddünen, Höhlen und Salzseen. Alles scheint sich in einer unendlichen Ruhe zu befinden und man kann gewissermassen der Gesteinsevolution zuschauen. Wären da bloß nicht wir, die Touris, die mit unzähligen Kleinbussen durch die Gegend gekarrt wurden…

Am beeindruckendsten waren die hohen Sanddünen, auf die wir gestiegen sind. Von dort aus konnten wir den Sonnenuntergang in der Wüste erleben, der sie goldene, rote und violette Farbnuancen tüncht. Von der etwa 100 Meter hohen Düne sind wir anschließend durch den weichen Sand hinunter gerannt, was sich in etwa anfühlt wie Pulverschnee, nur nicht so kalt.

Die Tatio-Geysiere

Am nächsten Morgen stand ein Besuch der etwa 80 Kilometer entfernten Tatio-Geysire auf dem Programm. In der Geysir-Region vollzieht seit Jahrtausenden jeden Morgen das gleiche Schauspiel: kurz vor Sonnenaufgang fängt die Erde an zu brodeln, und aus Löchern schiessen meterhohe, kochendheiße Wasserfontainen hinauf.

Um das Schauspiel zu erleben, darf man nicht zu den Langschläfern gehören. Um 4 Uhr morgens sollten wir von unseren Guides aufgesammelt werden. Davor gab es noch einige lustige Szenen im Hostal: Einige hatten wohl noch nicht geschnallt, dass es morgens keinen Strom gab, geschweige denn warmes Wasser. So irrte ein Dutzend Mitbewohner orientierungslos in stockdunkler Nacht im Hof des Hostals herum und es waren so manche Flüche in verschiedensten Sprachen zu vernehmen. Durch meine Taschenlampe wurde ich zum gefragten Amigo. Aber am Schluss fand jeder seinen Platz in den Jeeps.
Nach einer ruckeligen Fahrt durch die nachtkalte Wüste, trafen wir gegen 6 Uhr 30 bei den Geysiren ein. Überall brodelte und zischte es. Unser Fahrer Pedro fing an, das Frühstück zuzubereiten. Wie möchtet Ihr Eure Eier? Weich oder hart? In ein ruhiges Geysir-Loch legte er unsere Früstückseier, sowie einige Milchtüten im Tetra-Pak. Sehr praktisch, so ein Natur-Wasserkocher!

Derweil turnten wir um die Geysire herum. Allerdings hielten uns unsere Führer davon ab, über die Fontainen-Löcher zu springen, denn man kann sich dort üble Verbrennungen zuziehen, wenn einen plötzlich die heiße Gischt erwischt.
Unser Frühstück war köstlich. Es gab Milchkaffee, Eier und Mortadellatoast. Da brach auch schon der Morgen hinein, und tauchte die ganze Szene in unglaublich bunte Farben. Die Felsen leuchteten rot, die Gräser gelb-grün, die Geysir-Löcher gelb und blau. Man konnte sich gar nicht satt genug sehen. Tipp: empfindlichen (400-ASA) Film (alternativ: 100-ASA mit Stativ) mitnehmen, so was muss man festhalten.

Gegen 8 machten wir uns weiter auf den Weg zu einer heißen Schwefelquelle ganz in der Nähe, die auch von dem heißen Geysir-Wasser gespeist wird. Rein in die Badeklamotten und ab in das heiße Nass. Vergessen war die ausgesparte Dusche und die kalte morgendliche Wüste.
Auf dem Rückweg konnten wir noch mal die Farbenpracht der Gegend bewundern. Viele meinen wohl: wie, die Wüste ist doch nur sandig und felsig?! Aber weit gefehlt! Durch die bunten Gräser, Blumen und farbigen Felsen leuchtet alles völlig unwirklich in kitschigsten Pastellfarben. Wer’s nicht glaubt, sollte sich mal das aktuelle „Geo-Saison“ Heft kaufen, das Fotos von der Region präsentiert.

Nebenbei sahen wir auf den Wegen einiges von der Fauna: z.B. grasende Vicuñas (so ne Art südamerikanische Rehe) sowie eine Herde mit Nandus, die südamerikanischen Strauße. Ein Mitfahrer versuchte sie, mit seinem Didgeridoo anzulocken, aber da hatte er sich wohl im Kontinent geirrt.
Man kann die Geysire natürlich auch mit seinem eigenen Wagen besuchen, allerdings sollte er sehr geländegängig sein, denn anständige Wege gibt es nur wenige. Ganz Schlaue hängen sich einfach an die geführten Kolonnen, aber das wird logischerweise nicht gern gesehen.

Bunte Lagune

Auf den Weg zum Salar de Uyuni

Überall in San Pedro gibt es Reisebüros, die Fahrten durch den Salar de Uyuni und den davor liegenden Nationalpark anbieten. So eine Fahrt geht mit Jeeps 3 Tage lang und kostete in etwa 80 Dollar pro Person. Am Ende kommt man in Uyuni, Bolivien, raus und kann von dort weiterreisen. Für Verpflegung ist gesorgt, allerdings mussten wir uns um das Wasser (jeder ein 10-Liter-Kanister) selbst kümmern.

Wir fanden ein Reisebüro, dass wir mangels Erfahrung einfach nach der Sympathie des Personals aussuchten. Eine alte Indianerin beschrieb uns ausführlich mit Hilfe von Fotos und Karten die Tour.
Am nächsten Tag trafen wir uns um 8 vor dem Reisebüro. Neben meiner Freundin und mir waren dort noch ein Spanier, der seinen Lebensunterhalt mir Strassenperformance verdient, eine Deutsche aus dem Ruhrpott sowie ein Franzose, der seit einem halben Jahr mit seinem Mountain-Bike durch Südamerika fuhr und noch Bolivien und Peru vor sich hatte. Irgendwann gesellten sich noch ein holländischer Globetrotter sowie eine Brasilianerin hinzu. Eine wirklich bunte Truppe und im Jeep herrschte später babylonische Sprachverwirrung, trotzdem haben wir uns prächtig verstanden.

Aber erstmal warteten und warteten wir, das muss man in Südamerika einfach aushalten. Irgendwann tauchte unsere Reiseverkäuferin auf und war leicht panisch, weil der eigentliche fahrer anscheinend total besoffen noch im Bett lag. Innerhalb einer Stunde besorgte sie uns Ersatz: ein kleiner verwarzter alter Mann, der aussah, als hätte er seit Wochen in seinen eigenen Klamotten gepennt. Zum Glück sollte er uns nur mit seinem neuen, aber völlig untermotorisierten Suzuki-Kleinbus zur bolivianischen Grenzstation fahren. Mit etwa 30 km/h tuckerten wir über die Landstrasse.
An der vor einem riesigen erloschenen Vulkan lag die bolivianische Grenzstation. Nach den Formalitäten hieß es erstmal wieder warten.

Irgendwann kam dann unser bolivianischer Guide namens Jorge mitsamt seinem Toyota-4×4-Allrad-Jeep, in den genau 8 Leute Platz finden. Erstmal kriegte er einen Schrecken, nachdem er realisierte, dass er neben acht Garnitouren Globetrottergepäck auch noch ein Mountain-Bike mitnehmen sollte. Aber „weiß der Bauer keinen Rat, nimmt er Draht“ und so wurde alles oben auf dem Dachgepäckträcker irgendwie getürmt, vertaut und verknotet.
Dann ging’s ab in den Nationalpark „Salar de Uyuni“. Den Salar, also den größten Salzssee der Erde sollten wir aber erst am letzten Tag was sehen.

Vorher fuhren wir zwei Tage durch unwegsames Gelände und bekamen zwischendurch immer wieder unglaublich schöne Lagunen mit tausenden Flamingos (!), Llama-Herden, Nandus und Vicuñas zu sehen.
Die Lagunen mitten in der Wüste mit Namen wie „Laguna Colorada“ (bunte Lagune) machen ihren Namen alle Ehre, denn je nach Jahreszeit, Sonnenstand und Wetter leuchten sie in den verschiedensten Farben. Mal grün, mal blau, mal rosa, und am Ende des Tages wieder rot. Drumherum türmen sich Gebirge auf, die wiederum ganz anders bunt leuchten. Warum alles in so einer Farbenpracht erscheint, ist mir nicht ganz klar. Es liegt vermutlich an den verschiedenen Gesteinschichten, an den Algen in den Lagunen und an den bunten Gräsern und Farnen.

Während der Fahrt erkundigte sich Jorge immer wieder über Funk nach dem Wetter, denn er befürchtete Regenfälle, die den Salar unpassierbar gemacht hätten. Zum Glück hielt das Wetter, aber am zweiten Tag blieb ein anderer Jeep vor uns in einer Matschkuhle stecken. Mit vereinten Kräften konnten wir ihn aber wieder frei kriegen. Zu diesem Zweck fällten die Guides einen (angeblich) unbenutzten Telefonmast am Rand einer Bahnschiene, um den Jeep herauszuhebeln.
Die erste nacht verbrachten wir mit mehreren anderen Dutzend Travellern in einer gottverlassenen Gebirgsstation, in der es kein fließendes Wasser gab. Abends gab es noch eine kleine Feier mit mitgebrachtem Wein, Schnaps und rauchbaren Kräuern, was allerdings keine gute Idee war. Denn durch die Höhe (wir befanden uns fast 4000 Meter hoch), beamt einen Alkohol völlig weg. Am nächsten Morgen rächt sich jeder Tropfen zuviel ziemlich brutal. Überhaupt hatten einige mit Kopfschmerzen und leichter Übelkeit zu kämpfen wegen der Höhe, da hilft nur Coca-Tee sowie der herzhafte Biss in saure Zitronen. Insgesamt war es aber doch erträglich. Aspirin sollte man aber nicht vergessen.

Am zweiten Tag, mitten in einer bizarren Felslandschaft hatte ich noch eine Begegnung, die zur seltsamsten meiner Reise gehörte. Nachdem einige Jeeps bei den Felsen, genannt die steinernen Finger (oder so ähnlich) ankamen, lief ein Typ an mir vorbei, der mir seltsam bekannt vorkam. Und ja, es war ein alter Schulkamerad, mit dem ich Abi gemacht und viele heftige Partys gefeiert hatte, aber von dem ich seit genau dreizehn Jahren kein Lebenszeichen mehr bekommen hatte! Irgendwie hatten wir uns durch Lehrzeit, Bundeswehr und Studium völlig aus den Augen verloren. Ich erkannte ihn sofort, manche Menschen ändern sich nie. Die Wiedersehensfreude
war riesig, wir konnten es beide nicht glauben! Mitten in der Wüste, 10000 km von zuhause weg, und da trifft man sich wieder. Verrückt.

Salar de Uuyuni

Salar de Uyuni

Der Salar de Uyuni ist der größte Salzsee der Erde und erstreckt sich über mehr als hundert Kilometern. Am dritten tag fuhren wir hinein. Normalerweise besteht er als einer völlig weißen Salzschicht, aber zur Zeit unserer Reise war er an den meisten Stellen etwa knöchelhoch mit Wasser bedeckt. Kein Problem für unseren Jeep! Durch das flache Wasser spiegelt sich alles auf der Oberfläche, so dass man wie auf einer Art Kaleidoskop fährt und alles doppelt sieht. Ein absolut irrer Anblick. Mitten im Salzsee liegt die „Isla del Pescado“, ein kleines Eiland, das sich im See spiegelt und durch seine Form und sein Spiegelbild von fern wie ein riesiger Fisch aussieht.

Auf der Insel haben wir längere Zeit Rast gemacht und sind auf ihren höchsten Hügel geklettert. Von dort hat man einen wahnsinnigen Ausblick, und zwar auf das weiße Nichts. Überall Salz, so weit das Auge reicht. Manche Leute, denen ich meine Fotos gezeigt habe, meinten, es wäre irgendwo in der Antarktis aufgenommen. („Wie kommen denn Kakteen ins Packeis?“)
Außerdem gib es auf der Insel tausende von Kakteen, die bis zu 7-10 m hoch werden können und sich wie stachlige Finger in den Himmel recken. Auch ein paar Nandus treiben sich rum, ganz zahm, man kann sich bis auf ein paar Meter nähern.

Von der Insel aus sind wir dann noch zum berühmten Salzhotel gefahren. Mitten im See liegt ein kleines Hostal, das völlig aus Salzblöcken gebaut ist. Leider war es zur Zeit unbenutzt wegen der Jahreszeit.
natürlich kann man dieganze fahrt auch ohne “uide” machen, aber dies ist einerseits vermutlich anstrengender und auch gefährlicher Zum beispiel gibt es im Salzsee die berüchtigten “Ojos” (Augen), plötzlich aufklaffende Löcher, in die man besser nicht mit den Reifen des Jeeps gelangt.Ungebübte erkennen die tückischen Augen erst zu spät.

Anschließend ging es nach Uyuni, eine bolivianische Kleinstadt am Rande des Salars. Sie gilt als der „Eisschrank“ Boliviens, da es nachts ziemlich kühl wird. Die Bewohner leben von Touristen und von der Salzgewinnung. Die Salzblöcke werden direkt aus dem Salar gehauen und raffiniert.
Über Uyuni schreibe ich vielleicht ein andermal. Dort endete unser Trip durch diese wunderschöne Fleckchen Erde und wir reisten weiter durch Bolivien. Unsere Fahrt hinterließ prachtvolle Eindrücke, die mich noch ein Jahr danach schwärmen lassen.

Grüne Lagune

El Fin

Mein Bericht ist jetzt etwas länger geworden als geplant, aber ich habe während des Schreibens gemerkt, wie sehr mich doch diese Reise fasziniert hat. Wer mag, kann sich ja noch meine anderen Berichte über Bolivien, Ecuador und Chile zu Gemüte führen. Ich will nicht angeben, sondern hoffe, dass ich bei Euch so die Lust auf Reiseziele wecken kann, die nicht in All-Inclusive-Neckermann-Katalogen zu finden sind, die aber dennoch keine Survival-Touren für die Hartgesottenen darstellen. Südamerika lässt sich auch bei begrenztem Budget prima mit dem Rucksack erkunden, und viele, die einmal da waren, zieht es immer wieder dorthin. Ein bisschen Abenteuerlust und die Bereitschaft, mal ab und zu auf gewissen Komfort zu verzichten, sollte man jedoch mitbringen.
PS: im Web (Google ist Dein Freund) finden sich allerlei schöne Fotos, wie ich sie auch gemacht habe, z.B. Unter http://www.insidertours.de/suedamerika/Bolivien/bolivien.html

PPS: noch ein paar praktische Tipps: für die Fahrt unverzichtbar sind eine Kopfbedeckung, kräftige Sonnencreme und eine Sonnenbrille. Die Sonne brennt und man befindet sich teilweise etwa 500 – 1500 m über Zugspitz-Niveau! Außerdem muss man an genug zu trinken denken. Für Spiegelreflexkamerabesitzer: unbedingt vorher einen „Polfilter“ (je nach Objektivgröße 40-70 Euro) besorgen, es lohnt sich. Trotz Polfilter reichen 100-ASA-Filme aus, die Sonne ist absolut prall. Nur für die Abendstunden sollte man noch ein paar empfindlichere Filme im Gepäck haben. Außerdem sollte man sich mit seiner Kamera vertraut machen, z.B. wie man die Belichtung bei weißen Flächen (Salzsee) korrigiert, Belichtungsmesser neigen hier zu Unterbelichtung. Außerdem kann es abends doch empfindlich kühl werden, also sollte man sich ein Fleece mit einpacken, ansonsten braucht man nicht viel, tagsüber ist es recht heiß gewesen.
UPDATE 8.11.2004
Nachdem ich nach längerer Abstinenz die Uploadmöglichkeit für Bilder entdeckt habe, will ich meinen Bericht auch damit aufpeppen. Schade, dass nur 7 Bilder möglich sind, ich habe dutzende tolle Fotos gemacht. Die Bilder habe ich mit einer analogen Spiegelreflex gemacht und gescannt. Meist habe ich einen sogenannten Polfilter verwendet, der das Himmelsblau stärker hervorhebt und die Sonnereflexion mindert. Auf den Scans wirkt das etwas unnatürlich, aber wenn man eine Sonnenbrille aufhatte, dann wirkten die Farben genau so!

Reiseroute Chile & Bolivien, 2002

Unsere Reiseroute in Chile und Bolivien, März 2002, als Google Map

[googlemaps http://maps.google.de/maps/ms?hl=de&ie=UTF8&msa=0&msid=104607450840726646218.00047297e2c3a0c2652a4&ll=-20.468189,-67.895508&spn=14.377201,18.676758&z=5&output=embed&w=425&h=350]

Stationen:

Chile:

  • Santiago de Chile
  • La Serena
  • Vicuña
  • San Pedro de Atacama

Bolivien:

  • Atacama-Wüste, Salar de Uyuni (Jeepfahrt)
  • Uyuni
  • Potosi
  • Sucre
  • La Paz
  • Coroico
  • Rückflug nach Santiago

Dem Teufel eine Nase zeigen: Nariz del Diablo

Nach dem ich schon einiges über meinen Sprachkurs und Ecuador im allgemeinen geschrieben habe, möchte ich diesmal den Blick auf ein besonderes Highlight Ecuadors werfen, dass kein Reisender auslassen sollte, der schwindelfrei und und nicht allzu ängstlich ist: die Fahrt mit dem “Teufelsnasenzug” von Riobamba nach Alausi (Nov. 2001).

Bei der Teufelnase handelt es sich um eine fast senkrechte Felswand, die sich hinter Alausi hinabneigt und aus der Entfernung angeblich wie eine Nase aussieht.

Die Zugfahrt ist eine Besondere, aus mehrerlei Hinsicht. Zum einen ist da die phantastische Aussicht, die einem in Mitten skurriler Landschaften und Felsformationen geboten wird.

Des weiteren ist es die Bahntrasse selbst, die im letzten Jahrhundert in den Berg geschnitten wurde, und zwar unter riesigen Aufwand von Material und menschlichem Leben, ausgeführt durch perfekte Ingenieurskunst. Geplant wurde die Strecke, in voller Länge von Guayacil über Riobamba nach Quito gehend, schon im 19. Jhd., fertigestellt wurde sie Anfang des 20. Jahrhunderts durch eine US-amerikanische Eisenbahngesellschaft, die den Anspruch hatte, die “schwierigste Bahnstrecke der Welt” zu bauen. Das komplizierteste Stück war eben besagte “Nariz del Diablo”, die Teufelsnase, auf der die Trasse in Zick-Zick-Linien hinaufgeht, d.h. ein befahrender Zug kommt nur hinauf- bzw. hinunter, in dem er mehrfach vor- und zurück rangiert. Die dritte, vermutlich krönende Besonderheit der Fahrt ist, dass man während der Zugfahrt auf den Dächern der Waggons sitzen darf! Europäische Sicherheitsfanatiker mögen da mit dem Kopf schütteln, aber in Südamerika gehen die Uhren eben anders. No risk, no fun! Natürlich kann man immer noch drinnen sitzen, aber das ist nun wirklich nur was für Warmduscher, Gebrechliche und Sonnenallergiker.

Riobamba, Ecuador Teufelsnase

Update 2009

Ein Leser hat mir mitgeteilt, dass man inzwischen nicht mehr auf dem Zugdach sitzen darf. Aus Sicherheitsgründe irgendwie verständlich, aber damit geht der größte Reiz dieser Fahrt verloren. Schade. Wer mehr weiss, kann mir ja einen Kommentar hinterlassen.

Und ich kann schon vorausschicken, dass ich die sechs oder sieben Stunden (auf die Uhr habe ich nicht geschaut) dauernde Fahrt bestimmt nicht vergessen werde.

Früher wurde die Strecke rege genutzt, heute ist sie allerdings hauptsächlich eine Touristenattraktion, weil der Busverkehr einfach schneller ist. Der für Touristen relevante Teil (hinter der Teufelsnase ist die Strecke zur Zeit eh gesperrt) geht von Riobamba los, führt mit ein paar Zwischenstopps bis über Alausi, die Teufelsnase hinunter, un dann wieder nach Alausi zurück.

Es geht (Stand Nov. 2001) immer am Sonntags los, am Bahnhof von Riobamba, die Fahrkarten werden ab Samstag nachmittag verkauft (für Ausländer 15 $). Das ändert sich aber laufend. Vorher informieren (Reisebüros in Quito etc.). Ich war komischerweise der einzige, als der Fahrkartenschalter aufmachte. An den Zügen turnte ein älterer Einweiser rum, der mich dann auch herzlich begrüsste. Ich durfte dann schon mal auf die Waggons klettern und probesitzen!

Von Quito kommt man mit dem Bus in etwa 3 1/2 Stunden nach Riobamba. Ich kam Freitag spät abends, weil ich mir auch noch die beiden anderen Highlights Robambas anschauen wollte, nämlich den Chimborazos, den höchsten Berg Ecuadors, an dessen Fusse Riobamba liegt, so wie den ursprünglichen Markt, der in meinem Reiseführer Erwähnung fand, da er kein Markt für Touristen – wie etwa Otavalo – ist.

Riobamba

Meine Unterkunft

Meine Unterkunft hatte ich auf Empfehlung meiner Spanischlehrerin im voraus gebucht. Den Namen des Hotels habe ich verdrängt. Es ist das rosa Gebäude an der Hauptstrasse, rechts neben dem Bahnhof. Ich beschreibe es deshalb, damit sich nicht jemand zufällig dahin verirrt, denn die Zimmer (4.50 $ die Nacht) sind auch für ecuadorianische Verhältnisse unter aller Sau, und das sage ich als anspruchsloser Traveller nicht leichtfertig. Der einzige Vorteil war der Fernseher mit Videokanal, ansonsten war ich froh, Ohrstöpsel und Schlafbrille dabeizuhaben und gut geimpft zu sein. Aber gut, zwei Nächte sind auch in so einer Absteige auszuhalten.

Markt von Riobamba

Riobamba ist keine Stadt, die man unbedingt gesehen haben muss, aber für die Einheimischen fungiert sie vor allem am Wochenende als großer Marktplatz. Ausländer treffen hauptsächlich am Wochenende in Riobamba ein, und fallen nicht weiter auf. Der Markt in Riobamba ist daher ursprünglich, den üblichen Ethno-Plunder für Touristen sucht man fast vergeblich. Der Markt erstreckt sich über mehrere Strassen und ist eine unglaubliche Anhäufung von Obst-, Gemüse- und Fleischständen, mobilen Garküchen, Klamotten und Krimskrams. Die Strassen sind mit geschäftigen Männern, schwatzenden Frauen (oder umgekehrt) und maulenden Kindern übervölkert. Dazwischen versuchen sich hupend Pick-Ups ihren Weg zu bahnen, beladen mit vollzähligen Bauernfamilien, Obst und Vieh. Sogar Busse quälen sich durch das Gewühle, manchmal haben sie Schafe auf dem Dach angebunden!

Trotz der Hektik sind die Leute freundlich und wenn man sich Zeit nimmt für einen kleinen Snack bietet sich auch Gelegenheit für Smalltalk. Vom Kauf von T-Shirts oder Hemden würde ich abraten, weil extrem miese Qualität geboten wird. Nach der ersten Wäsche in der Waschmaschine konnte ich meine Erwerbungen nur nach als Putzlappen verwenden. Hingegen habe ich in Riobamba bei einer Näherei für 50 Cent Gurte an meinem Rucksack neu annähen lassen.

Ansonsten gibt es in der Stadt viele Bars, die hinsichtlich des Ambientes zu wünschen übrig lassen. Viel Plastik, sehr spartanisch, aber so ist es nun mal in einem Entwicklungsland. Ich habe in einer solchen Bar morgens für 1.50 $ gefrühstückt, dafür gibt es ein Brötchen, Marmelade, Popcorn, Kaffee, Milch, Rührei, frischen Saft und als Hauptgericht Fleischgulasch mit Reis (ja, ich spreche immer noch vom Frühstück!). Abends kommt man sich als Ausländer in solchen Schuppen allerdings etwas deplaziert vor.

Etwas schräg gegenüber des Bahnhofs ist ein Kneipenrestaurant der gehobenen Klasse, in dem es Tex-Mex-Food und Pizza gibt. Sehr lecker, (für unsere Verhältnisse) günstig und empfehlenswert. Dort trifft man alle Backpacker, die sich in den anderen Schuppen auch nicht so wohl fühlen, aber auch die einheimischen jugendlichen Machos, die ihrer Liebsten mal was besseres bieten wollen als die üblichen fetttriefenden ‘Hambourgesas’ mit Pommes, finden sich hier ein.

Übrigens, Riobamba ist, wie viele südamerikanische Städte, in einem perfekten Schachbrettmuster angelegt, d.h. es ist nahezu unmöglich, sich zu verlaufen. Irgendwie findet man immer die Hauptstrasse und die Leute sind an sich sowieso immer recht auskunftsfreudig.

Chimborazo

Chimborazo

Der Chimborazo ist der höchste Berg Ecuadors (6310 m). Mangels anderer Attraktionen in Riobamba wollte ich mir einen “Besuch” nicht entgehen lassen. In meinem Reiseführer stand, die einfachste Variante ist, mit dem Taxi hoch zu fahren. Einen Sechstausender mit dem Taxi besteigen, das ist doch mal was. Neben meinem Hotel war ein Taxistand und nach einem bisschen Feilschen (von 40 auf 25 $) hab ich auch einen Fahrer gefunden. Sergio war 23 und offensichtlich Heavy Metal- und Grunge-Fan. Bevor wir hoch fuhren hat er aber noch seinen Kumpel Marco aufgesammelt, der aus Guayaquil stammte und auch noch nie auf dem Berg war. Die beiden waren locker drauf, neben Small-Talk haben wir Sergios Cassetten durchgehört, zwischen harten Rockstücken immer wieder Modern-Talking, um deutsche Touristen zu erfreuen. Na super, ganz großer Beifall.

Die Anfahrt erfolgt über eine asphaltierte Landstrasse, an deren Seiten immer wieder Alpaca-Herden grase n und auf Fototouristen warten … Der Hauptteil der Strecke ist allerdings eine staubige Geröllpiste. Zwischendrin ist noch ein Armee-Kontrollposten, bei dem man nach Vorlage seines Reisepasses 10 Dollar für den Besuch des “Naturparks” lassen darf! Einheimische zahlen 1 Dollar, aber der Posten hatte keinen entsprechenden Quittungsblock mehr, also durften mein Taxifahrer und sein Kumpel kostenlos durch. Zwar absurd, aber umso besser…

Die Aussicht ist nicht so überwältigend, wie ich sie mir versprochen habe. Man sieht viel Geröll und ein paar entfernte Gipfel. Ich war ein wenig enttäuscht, aber vielleicht ist es bei besserer Fernsicht lohnender.

Auf etwa 4500 m ist ein Parkplatz. Von dort geht’s zu Fuß weiter, etwa 500 m, die mir so schwer fielen wie die letzte Runde bei meinem ersten 10km-Stadtlauf. Jeder Schritt ist anstrengend, weil einem schlicht die Luft wegbleibt, der Kopf wird schwindelig. Auf dem Weg sind Grabplatten, die diejenigen ehren, die dem Chimborazo zum Opfer fielen. Aber keine Angst, der Weg ist nicht gefährlich. Irgendwann hatten wir es geschafft. Oben, auf 5.000 m Höhe ist eine kleine Hütte, in der man sich bei einem Coca-Tee erholen kann. Sehr empfehlenswert. Oben ist es sehr kühl, was man erst merkt, nachdem die Anstrengung des Aufstiegs nachgelassen hat. Höher als zu dieser Hütte kann man ohne Kletterausrüstung nicht gelangen.

Mein Eindruck: diese Fahrt (alles in allem 4 Stunden) ist empfehlenswert, aber eine kleine Enttäuschung blieb. Viel Steine, Geröll und Schotter. Die Aussicht? … na ja, ist in den deutschen Alpen viel schöner. 35-40 Dollar für so eine Fahrt? Besser, man teilt sich die Kosten zu dritt, sonst ärgert man sich… Zum Glück hatte ich mit meinem Taxifahrer und seinem Kumpel unterhaltsame Begleiter. Interessant ist auf jeden Fall, die Höhe zu spüren. Ich habe sie letztendlich gut vertragen, manche kriegen Kopfschmerzen, Schwindel und Atemnot, vor allem, wenn sie sich nicht vorher akklimatisiert haben. Aspirin nicht vergessen…

Der Wecker klingelt

Um 5 klingelte mein Wecker, schnell kalt geduscht (Warmwasser war nicht), die Kakerlaken (die einzigen, die ich in Ecuador gesehen habe) aus meinen Stiefeln geschüttelt, und rein in die Klamotten. Ich hatte an der Rezeption bekannt gegeben, dass ich um spätestens 5.30 rauswollte, aber natürlich war niemand da. Habe dann in der Dunkelheit nach einem Lichtschalter gesucht und voll in eine offene Steckdose mit blanken Kabeln gelangt. Der Strom schoss mir in die Arme – zum Glück nur 110V. Durch meinen vermutlich hysterischen Schrei wachte dann auch der Pförtner auf; endlich hatte ich Gelegenheit, mal ein paar spanische Schimpfwörter auszuprobieren. Um viertel nach 6 war ich am Bahnhof. Die Dächer aller Waggons waren schon besetzt mit dem üblichen internationalen “Backpacker-Gesocks” aus England, USA, Deutschland, Israel, ihr wisst schon ;-) Wo kamen die plötzlich alle her??? Zum Glück hielt mir eine liebe Kanadierin, die ich tags zuvor kennengelernt hatte, einen Platz frei.

Um halb 8 ging‘s dann los. Wir saßen in der Mitte der Waggons, unter uns ein gemietetes Sitzkissen, die Füße an die Leisten an den Waggonrändern gepresst, um nicht runterzurutschen. Der Wind pfiff uns um die Ohren und es war arschkalt. Aber daran habe ich nicht gedacht, denn der Ausblick hat mich von Anfang an gefangen genommen. Der Zug fährt an phantastischen Landschaften vorbei, Felder, Schluchten, Flüßtäler, Berghänge. Um halb 10 wurde es dann schon merklich wärmer, die Sonne fing an zu brennen. Ohne Kopfbedeckung, Sonnenbrille und –Creme würde man sich einen fetten Sonnenbrand, evtl. auch einen Sonnenstich einhandeln.

Die Fahrt ging dann etwa 4 Stunden, zwischendurch kamen zwei Bahnhöfe, an denen man sich mal ausstrecken und gewissen Bedürfnissen nachgehen konnte. Frauen sollten dabei, um es milde auszudrücken, nicht allzu hohe Erwartungen an die Örtlichkeiten haben, wie mir gesagt wurde. Während der Fahrt kam das leibliche Wohl nicht zu kurz. Oben auf dem Dach turnten während der Fahrt zwei kleine Kinder, etwa 11 Jahre alt, und verkauften Eis, Cola und Snacks (Käsetaschen, gebackene Bananen). Kinderarbeit ist in Ecuador leider völlig normal. Um 11 erreichten wir Alausi, von dort ging es die „Teufelsnase“ hinab. Die Bahn schlängelte sich, im Zickzack, den Berg hinunter. Anschließend ging es wieder zurück nach Alausi, von wo die meisten Touristen normalerweise den Bus zurück nach Riobamba oder nach Cuenca nehmen.

Was soll ich sagen, die Aussicht – vor Alausi und auf der Teufelsnase – ist einfach absolut gigantisch. Man sitzt oben auf dem Zugdach und schaut 200 m tief in den Abgrund. Nicht-Schwindelfreie sollten sich angurten und die Augen zu machen. Mir wurde, als der Wagen so am Abhang rumpelte und ruckelte, sehr mulmig, aber ich vertraue der Statistik und den Beschwichtigungen unserer kleinen Begleiter, die sichtlich ihren Spass hatten, zwischen den zweifelnden Touristen hin- und herzuklettern.

Die Teufelsnase runter und wieder rauf bis nach Alausi verschlang dann nochmal 3 Stunden, wobei dann – nach 7 Stunden – doch so einige das Ende herbeisehnten, denn das Sitzfleisch machte sich bemerkbar.

Von Alausi nahmen ich dann schließlich den Bus über Riobamba nach Quito, wo ich ziemlich gerädert (Busfahren in Ecuador ist nicht gerade entspannend) um 9 Uhr abends bei meiner Gastfamilie ankam. Aber von der Fahrt und den Eindrücken möchte ich keine Minute verpaßt haben.