Wie sicher ist Südafrika?

Mich fragen ja viele nach meiner Reise: wie sicher ist Südafrika?

Die Frage bezieht sich natürlich meist auf das Thema Kriminalität und was einige darüber in Bezug auf Südafrika gehört, gelesen oder gesehen haben.

Es existieren geradezu Horrorgeschichten, was die Sicherheit in Südafrika angeht. Dass an jeder Straßenecke ein Räuber lauert, oder dass einem das Auto gehijackt wird, während man an der Ampel wartet.

Meine Meinung: diese Geschichten werden total überbewertet, und Urlauber kommen mit der Kriminalität nur am Rande in Berührung, wenn sie sich besonders dämlich verhalten.

Sicher, viele kriminelle Dinge passieren und man sollte sie nicht herunterspielen. Andererseits: gehäufte Überfälle, Mord- und Totschlag, Carjacking etc. konzentrieren sich auf bestimmte Gebiete, vor allem Townships, und Ballungszentren. Insbesondere Johannesburg und zum Teil auch Durban haben No-Go-Zonen für Hellhäutige und Fremde, hauptsächlich dort, wo sich Junkies, Dealer, illegale Einwanderer und Prostituierte rumtreiben. Mit der Einhaltung bestimmter Regeln (abends dunkle Gegenden meiden, etc.) sollte man aber eigentlich sicher durch Südafrika kommen.

Ich kann auch nicht für alle Reisende sprechen. Es kursieren Geschichten von kleineren Überfällen oder Taschendiebstählen. Mir selbst ist nichts dergleichen passiert und ich habe mich immer gut gefühlt. Hinzu kommt, dass die Südafrikaner, egal ob schwarz oder weiss, meist sehr viel freundlicher und aufgeschlossener wirken, als der durchnittliche Landsmann hier. Ich finde, die Freundlichkeit hat sehr viel wett gemacht.

Gefahr im Busch: widerborstige Flora

Mich persönlich stört ein wenig, dass viele Straßenzüge abends nach Geschäftsschluss (schon gegen 5) wie ausgestorben wirken und dann zum Teil nur noch Bettler, zwielichtige Typen und Straßenkinder rumlungern. Diese Gebiete zu Fuß zu umgehen ist manchmal etwas schwierig, und wenn man alleine ist, sollte man eher ein Taxi nehmen. Die Südafrikaner, insbesondere die hellhäutigen, treiben sich ungern zu Fuß irgendwo rum, schon gar nicht, wenn’s dunkel wird. Andererseits sind die größeren Städte abends sowieso nicht sehenswert, und die Straßenzüge, in denen “was los ist”, wie z.B. die Florida Road in Durban, Long Street oder die V&A Waterfront in Kapstadt, sind auch abends sicher. Und von Kleinstädten wie St. Lucia, Hermanuns etc. – spreche ich gar nicht erst.

Ein weiterer Aspekt, warum es manchmal, gerade in größeren Städten “etwas komisch” ist, liegt darin, dass insbesondere Weiße in Südafrika offensichtlich bestimmte Gegenden und Stadtviertel kategorisch und komplett meiden, oder wenn überhaupt, nur mit dem Auto befahren. Durch diese Art der “Apartheid” bilden sich dann auch Legenden, und man hört immer Stories “von Bekannten von Freunden”, denen irgendwo am lichten Tag auf offener Straße das Geld abgeknöpft wurde. Ein weiterer Effekt dieses “Apartheidsverhalten” ist, dass man in einigen Gegenden für Stunden der einzige Hellhäutige ist, der sich rumtreibt. Das ist am Anfang ungewohnt, man kommt sich fremd und beobachtet vor, da aber Südafrikaner überwiegend sehr freundlich, hilfsbereit und sympatisch sind, hat sich mein Gefühl in dieser Hinsicht schnell normalisiert, und am Schluss ist mir die Hautfarbe eines Menschen sowieso nicht mehr aufgefallen.

Die Sicherheitslage aus statistischer Sicht muss allerdings trotzdem drastisch verbessert werden, insbesondere nachts gibt es immer noch zu viele Vorfälle, allerdings sind Touristen selten involviert. In Kapstadt oder Durban ist die abendliche Polizeipräsenz (“Public Security”) zwar sichtbar hoch, aber nicht in allen Straßen kann jemand stehen.

Am meisten hat die schwarze Bevölkerung unter der Kriminalität zu leiden, obwohl der (reiche) weiße Teil der Bevölkerung darüber lauter klagt.

Jesus muß auch überall ran, wenn es was zum Aufräumen gibt

Die Grundprobleme, nämlich 1. die krassen ungleichen Lebensverhältnisse und Perspektiven  im Land, und 2. die immer noch bestehende “Apartheid in den Köpfen” lässt sich aber auch durch noch so hohe Sicherheitsvorkehrungen nicht lösen.  Das dauert sicher noch Jahrzehnte, bis Südafrika wirklich so zusammen gewachsen ist, wie man sich das vor 15 Jahren, bei der Abschaffung der Apartheid, ausgemalt hat.

Wie auch immer, ich habe meinen Urlaub sehr genossen, obwohl ich ein wenig aufmerksamer war, als wie wenn ich im Schwarzwald Ferien gemacht hätte. Und nochmal: die schlimmen Sachen passieren meist in Großstädten wie Johannesburg und Durban, und da hauptsächlich in den Townships. Südafrika hat soviele schöne und sicherere Ecken, so dass man, wenn man zu den sehr vorsichtigen Naturen gehört, diese Orte auch auslassen darf, ohne zuviel zu verpassen.

Eins sollte ich noch anmerken: ich schreibe diese Zeilen aus der Perspektive eines Touristen, und als Tourist kann man seine Touren so planen, dass man nur die schönen, friedlichen, freundlichen Seiten des Landes kennenlernt. Was ganz anderes ist es, in Südafrika zu leben. Nicht umsonst haben die meisten Häuser in den Ballungszentren hohe Mauern mit Stacheldraht, und man kann z.Zt. eben nicht abends überall sorglos einen Spaziergang machen, oder joggen gehen, wie in Deutschland.  Hier muss die Sicherheitslage, insbesondere in und um die Städte herum dramatisch verbessert werden, damit Südafrika ein Land wird, wo man sorglos leben kann.

Wer aktuelle Informationen über Südafrika möchte, der sollte ich auf jeden Fall mal das Suedafrika-Forum.Net anschauen. Die Leute dort kennen sich wirklich besser aus als ich, und man bekommt immer gute Antworten.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>