Sonntag, 18.10.2009
Route 62, längste Weinstraße der Welt
Ich bin schon früh auf den Beinen. Eigentlich wollten Katie, Dona und ich uns noch eine Ausstellung in Oudtshoorn anschauen, aber Dona hat dann doch andere Pläne und Katie pennt noch um Neun. Naja, ein bisschen schade. Also mache ich mich auf den Weg über die berühmte “Route Sixty-Two”, einer Panorama-Straße durch die Karoo Richtung Westen, nach Montagu.

Route 62
Auf dem Weg nach Montagu komme ich an schnuckeligen, kleinen Orten vorbei (Ladismith, Barrydale), die allesamt den Eindruck machen, als seien sie noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Die Landschaft entlang der Route 62 ist wirklich schön, aber aber doch nicht ganz so spektakulär, wie ich mir ausgemalt habe. Ist wohl auch mehr eine Marketing-Masche, aber trotzdem, der Weg llohnt sich. Die Weingüter, die auf dem Weg liegen, lasse ich aus, muss ja Autofahren…

Vino
Auch Ronnie’s Sex Shop auf der Route 62 lasse ich erstmal aus.

In the middle of nowhere
Gegen 4 komme ich in Montagu an. Dieses Städtchen hat nur ein paar Tausend Einwohner, aber Straßen wie in einer Großstadt, alle wie mit dem Lineal gezogen. Jedes Häuschen in Montagu hat seinen eigenen Charme, das Örtchen ist wirklich sehenswert, wie es so zwischen den Bergen liegt. Wetter ist sehr warm, kein Wölkchen am Himmel, die Luft aber kristallklar, was die Farben der Bergwelt drumherum noch besser in Szene setzt.

Four Oaks
Ich komme in der Pension “Four Oaks” an. Der Empfang ist (mal wieder…) warm und herzlich, ich fühle mich gleich wohl.

Four Oaks, Montagu
Die Rezeptionistin sieht ein ein bisschen aus wie Halle Berry, die hübsche dunkelhäutige amerikanische Actrice, bekannt als Bond-Girl. Sehr apart… Ich bekomme ein mittelgrosses, aber sehr geschmackvoll eingerichtetes Zimmer mit Doppelbett (450 Rand mit Frühstück). Leider ist das Restaurant am Sonntag geschlossen, aber für mich wird eine Reservierung in “Jessica’s Restaurant” gemacht, nur eine Straße weiter. Ich schlendere dann ein bisschen durch die Stadt, aber am Sonntag wirkt alles wie ausgestorben. Nur der Spar-Supermarkt hat auf. Ach ja und die Touristen-Info, die für so ein kleines Örtchen sehr gut ausgestattet ist.
Springbock und Blauschimmelkäse-Eis

Springbock mit Spätzle
Abends bin ich dann im “Jessica’s”, ein gediegenes, kleines Restaurant mit Spitzen-Küche, in der Bath Street. Ich bestelle Springbock-Medaillons mit Spätzle an einer Cranberry-Sauce. Dazu gibt es Süßkartoffeln und Zucchini. Springbock hat etwas von Wild, aber in Richtung Rind tendierend. Als Nachtisch ein wirklich unvergessliches Blauschimmel-Käse-EIS, jawohl, sehr delikat. Ich bin mal wieder überrascht über die Rechnung, kaum 20 Euro. Alleine für die zwei Gläser hervorragenden Weins würde man in München schon 10 bezahlen. Und dann noch in diesem Ambiente.
Leider muss ich diesmal alleine essen, und das trübt die Freude. Um mich mich “>mich “>herum tuschelnde Pärchen und ältere Freundeskreise. Ich versuche mich ganz auf das Essen zu konzentrieren und mir die einzelnen Geschmacksnoten zu merken. Trotzdem ist Essen in Gesellschaft einfach schöner, ich habe das Gefühl, die Kellnerinnen haben Mitleid mit mir. Südafrika ist unter anderem das Land des guten Essens und des guten Weines, aber alleine macht das irgendwie doch nicht so richtig Spaß. Aus diesem Grund sind mir die Gaumenfreuden Südafrikas zum Teil verborgen geblieben. Immerhin habe ich Kudu, Zebra, Springbock und Strauß probiert. Den guten Wein hebe ich mir für meinen nächsten Besuch auf. Statt dessen habe ich viele Hamburger verputzt, die ich in den nächsten Wochen wieder abtrainieren muss…
Montag, 19.10.09
Erstmal bekomme ich im Four Oaks ein leckeres englisches Früstück vorgesetzt, Müsli auf Erdbeerjoghurt, Bacon, Eggs, Toast und diese englischen gebratenen Pilze, alles hübsch auf dem Teller arrangiert. Also: auch das “Four Oaks” nehme ich in die Liste der empfehlenswerten Hotels auf.

Weingut am Kap
Mission completed
Anschließend habe ich meine “Mission” zu erfüllen: ich muss Nonkosi besuchen, die Leiterin des örtlichen Museums (Montagu-Museum), welches sich in einer alten Missionskirche gleich gegenüber dem Four Oaks befindet. Ich überbringe ihr die Grüße ihres Bruders Bongani, den ich in Graaff-Reinet in der Kneipe kennengelernt habe. Sie freut sich riesig, insbesondere als ich ihr das Video vorspiele. Sie ist richtig aus dem Häuschen. Anschließend muss ich mir das Museum anschauen, welches nun ja, für Außenstehende nicht ganz so interessant ist. Trotzdem nett gemacht, man erfährt ein bisschen über die Leute, die hier leben.

Nongosi, Leiterin des Montagu-Museums.
Anschließend bin ich noch im Internet-Cafe in der Bath Street und versuche, eine Unterkunft in Kapstadt zu finden. Leider sind alle Hostels, die ich mir rausgesucht habe (wie das Cats & Moose oder das Backpack) schon ausgebucht. Vom Backpack werde ich dann an das “Zebra Crossings” verwiesen, nur ein paar Häuser weiter.

Township bei Montagu.

Von Montagu Richtung Hermanus
Free Willy live
Gegen 11 fahre ich Richtung Süden, nach Hermanus. Hermanus ist angeblich der beste Ort der Welt um Wale zu beobachten, welche sich Ab Juli bis Dezember in der Bucht versammeln, um ihre Kinder zur Welt zu bringen.

Whale-Watching in Hermanus
Ich parke mein Auto, gehe zur Uferpromenade, und voila, sehe schon die Rücken und Schwanzflossen zweier Buckelwale. Natürlich überall Touristen mit gezückten Kameras, aber dennoch ist das alles beeindruckend. Allerdings springen die Wale nicht umeinander, so wie in “Free Willy”, aber trotzdem ist es faszinierend. Leider haben die Buckelwale dann den Rest des Tages andere Pläne und machen sich auf und davon in andere Gefilde. In den nächsten Stunden kann man zwar noch entfernt die Fontänen der Wale erahnen, aber so nah kriege ich sie nicht mehr sehen.

Offizieller Whale-Crier of Hermanus
ans Kap …
Gegen halb fünf mache ich mich dann auf Richtung Kapstadt, noch 120 km auf der N2, einer supermodern ausgebauten Autobahn. Es ist abendlicher Berufsverkehr, es gibt ein paar Staus.

Bei Tempo 130 auf der Autobahn nach Kapstadt
Etwa 10 km vor Kapstadt, auf Höhe des Flughafens, wieder überall neben (und auf) der Autobahn herumlaufende Arbeiter auf dem Weg nach Hause, oder Kinder, die direkt neben der 4-spurigen Straße Fußball spielen. Und dann sieht man sie auch schon, die bunten, aber armseligen Wellblech- Holz- und Betonhütten, die Townships Kapstadts, in denen Millionen (schwarze) Menschen hausen, im totalen Kontrast zur modernen, schillernden, europäisch-amerikanischen Metropole. Die Townships ziehen sich kilometerlang neben der Autobahn dahin.

Township, Cape Flats, Richtung Kapstadt

Township, Cape Flats, an der Autobahn