Sonntag, 11. Oktober
Ankunft in Durban
10 h Busfahrt von Swaziland Backpackers nach Durban. Es ist schon abends, als wir durch ausgestorbene, hässliche Strassenzüge fahren. Bettelnde Kinder klopfen an den Ampeln an die Scheiben, unser Fahrer fährt mit 80 Sachen durch die Stadt.

Durban, Little India
Gibela Backpackers / Florida Road
Ich komme im Gibela Backpackers an, mehr Hotel als Herberge, die ganze Anlage ist einem sonderbaren aber geschmackvollem italienisch-afrikanischem Stil eingerichtet, sehr ansprechend. Elmar, der Besitzer, erklärt mir als erstens anhand einer Karte, wo man besser nicht hingeht. Zum Glück liegt das Gibela Backpackers im ruhigen Wohnviertel Morningside, wo sich keine zwielichtigen Gestalten rumtreiben. 5 Min. entfernt ist schon die Florida Road, in der einige schöne Restaurants, Bars und Clubs sind. Ich gehe ins Bean Bag Bohemia (BBB), ein hipper, stylischer Laden, und esse ein paar Dim Sum, das sind chinesische Maultaschen. Leider bin ich alleine, das Gibela hat nicht so eine typische Backpacker-Athmo, und ich treffe niemanden, mit dem ich unterwegs sein könnte.

Gibela Backpacker's: Home far from home
Ansonsten ist auch Durban mit Vorsicht zu geniessen. Nicht so übel wie Joburg, aber dennoch einer der größten Crime spots des Landes. Auf den Strassen, zu Fuß, sieht man so gut wie keine Ausländer, schon gar niemand Hellhäutiges, habe am ganzen Tag vielleicht ein halbes Dutzend gesehen. Aufgrund illegaler Einwanderung und Landflucht, damit verbundener elender Lebensverhältnisse, Drogendelikten, Prostitution, wachsen die Probleme Durbans. Für die Fussball-WM werden schon jetzt ziemlich drastische Maßnahmen ergriffen, so hat man versucht, alle herumlungernden Gestalten, bettelnde Straßenkinder und so fort, aus der Innenstadt zu vertreiben, Straßen werden kameraüberwacht und Polizei soll es auch mehr geben. Zudem gibt es seit kurzem ein funktionierendes Busnetz, so dass man nicht mehr nur auf die schrottigen Minibusse oder das eigene Auto angewiesen ist. Für eine Stadt so gross wie Berlin etwas spät aber immerhin.

Mahlzeit!
Montag, 12. Oktober
Waschtag
Irgendwas stinkt im Rucksack … meine Wäsche. Also bringe ich sie früh morgens erstmal zur Wäscherei, eine Waschmaschinenladung kostet mit Trocknen und Legen umgerechnet 1,80. Hätten wir in Deutschland die selben Preise, würde ich nicht mehr selbst waschen. Die Wäscherei ist gleich gegenüber, neben einem grossen Spar-Supermarkt … Spar (ja, das Spar, das es auch in Deutschland gibt) ist neben Pick’n Pay eine der größten Supermarktketten des Landes.
Auf nach Indien
Nach dem Frühstück fahre ich mit dem Minibus nach Durban Downtown rein, besuche die gut sortierte Touristeninfo (Tourist Junction) und laufe dann ins indische Viertel bis zur Grey Street, welche jetzt aber Dr. Yusuf Daboo Street heisst: die Stadtväter waren der Meinung, man müsste die alten “kolonialen” Strassennamen loswerden, und sie haben vieles umbenannt. Jetzt tragen viele Strassennamen für Europäer schwer zu merkende Namen lokaler Berühmtheiten, meistens Zulus oder Inder, aber die Einheimischen benutzen selbst natürlich weiterhin die alten Namen, selbst die Taxifahrer kennen sich nicht aus.

In Durban kann alles geheilt werden: Krebs, Diabetes, AIDS. Leider ist nur Dummheit unheilbar.
Die Inder stellen mit ca. 1 Million in Durban eine der größten Communities. Das indische Viertel besteht aus einem Dutzend Strassenzügen, die voll sind mit kleinen Geschäften, Strassenhändlern, viel Gewusel und Geschreie. Im Fleischmarkt liegen viele abgetrennte Schafs- und Ziegenköpfe, denen kann man die Haut abpellen und dann das Fleisch abschaben. Jeder wie er mag.

Mahlzeit Nr. 2
Mittags esse ich lieber in der Queen Street in einem indischen Restaurant ein leckeres Hühnercurry, inkl. Reis, Brot und Cola umgerechnet 4,50 €. Gegenüber ist der Eingang zur Moschee (viele der Inder sind gleichzeitig Muslime), angeblich die größte der südlichen Hemisphäre, aber das will nichts heissen, ich bin jedenfalls von der Größe weniger beeindruckt. Ich bekomme eine kleine 10-minütige Führung, wo mir so allerlei Bräuche erklärt werden. Interessant finde ich auch, dass bei uns die Gotteshäuser, sprich Kirchen und Kathedralen, immer frei stehen. Hier ist der Eingang zur Moschee eine einfache Tür, die zwischen Teppich- und Gewürzladen liegt. Sie ist quasi in einen Trödlermarkt hineingebaut.

Waschbecken der Moschee und Jihad, mein Führer
Am späten Nachmittag fängt es dann an, wie aus Kübeln zu schütten, nachdem es schon den ganzen Tag sehr bedeckt war. Durban hat angeblich 320 sonnige Tage im Jahr, und ich erwische gerade die beiden Regentage. Bad luck.

Durban, Street Life
Eigentlich wollte ich noch in die uShaka Marine World, einen riesiger Vergnügungspark rund um das Thema Wasser, aber da habe ich mich wohl im indischen Viertel vertrödelt. Nun ja, ich bereue es nicht. Ich fand es sehr interessant und lebendig. Zum Abschluß schreibe ich noch ein paar Emails und dieses Tagebuch.

Emails und Tagebuch schreiben...
Abends lerne ich im Hostel noch Ernie, in Dubai lebende kalifornische Stewardess für Emirates, kennen. Wir essen in einer urigen italienischen Osteria (Spia d’Oro) auf der Florida Road zusammen Pasta. Sie erzählt mir viel vom intoleranten, bürokratischen und korrupten Leben in Dubai, dem arabischen Emirat, das sich nach außen als supermordern und weltoffen gibt, nach innen aber die abstrusesten Regeln und Gebräuche pflegt, und in dem Ausländern, Nicht-Muslime und besonders Frauen schroff und arrogant behandelt werden. Hinter der Fassade herrscht laut Ernie noch die Moral und Ethik des Mittelalters. Auch das ich mir das indische Viertel so interessiert angeschaut habe, weckt bei ihr nur Kopfschütteln: Inder gelten in Stewardessenkreisen als die unverschämtesten unhöflichsten und unangenehmsten Passagiere überhaupt.
Dienstag, 13. Oktober
Up and away
Plötzlich wache ich auf, es ist halb sechs, ich hab den Wecker nicht gehört! Mein Taxi holt mich 20 Min später zum Flughafen ab. Die Sonne scheint schon morgens um 6 auf Durban, ich bin fast sauer, die letzten Tage war richtiges Schietwetter. Der Fahrer benötigt für die Fahrt 13 Min. Normal sind mind. 20, der Fahrer brettert aber mit 90 Sachen durch die Stadt, und nimmt mind. zwei rote Ampeln mit, als ob er zu einem Notsatzeinsatz müsste. Dann gehts mit Kalula-Air nach Port Elizabeth (P.E.), um 9 landen wir pünktlich, hier ist wieder alles wolkenverhangen, also brauche ich mich nicht umstellen, grrr, ein bisschen frustriert bin ich schon. So richtig gutes Wetter hatte ich erst einmal, als ich im Krügerpark war, und genau da kann man es nicht brauchen, weil sich bei Sonnenschein und Hitze die Tiere in den Schatten zum Schlafen legen.
Fahren auf der falschen Spur
Ich leihe mir einen Mietwagen via “Holidayautos” und bekomme einen sog. City-Golf, das ist der VW Golf der ersten Generation, deren Produktion bei uns schon vor mindestens 20 Jahre eingestellt wurde – in Südafrika erfreut er sich noch immer großer Beliebtheit (kostet auch nur ca. 7000 Euro), es laufen offensichtlich noch viele vom Band, meiner ist auch erst ein Jahr alt. Erstmal übe ich 5 Minuten lang mit der linken Hand zu schalten, im Stand natürlich, dann wage ich mich in den Linksverkehr. Nach 20 Min. bin ich aus P.E. raus, dann gehts nur noch geradeaus Richtung Graaff-Reinet, eine kleine Stadt in der Halbwüste “Karoo”. Linksverkehr ist kein Problem: in P.E. fahre ich immer anderen hinterher, auf der Landstraße bin ich fast alleine unterwegs. Nur das nach Rechts-Schauen beim Abbiegen habe ich noch nicht so verinnerlicht. Die Landschaft ist einmalig, diese Weite, und kaum eine Menschenseele.
Gelotst werde ich von einem TomTom-Navi, welches ich mir für ca. 4 Euro/Tag bei der Mobilfunkfirma MTN am Flughafen in PE ausgeliehen habe. Diese Investition hat sich absolut gelohnt! Man kann die Geräte bei jeder anderen MTN-Stelle zurückgeben.

Graaff-Reinet
PS: manche fragen sich, ob ich in Durban nicht die “Golden Mile” (Strandpromenade) gesehen habe. Antwort: Nö. Es war immer alles nebelverhangen und verregnet, da habe ich mir den Strand komplett gespart.