Letzte Etappe: ans Kap – Montag, 19.10.
Leider beginnt jetzt die letzte Etappe meiner Reise, ich bin schon jetzt ein bisschen wehmütig. Von Hermanus gehts nach Kapstadt rein, links und rechts, kilometerlang die bunten aber armseligen Townships hinter einem Bauzaun, Menschen laufen neben der und über die Autobahn. Diese krassen Verhältnisse deprimieren mich immer wieder.
Zebra Crossing
Ich komme im Zebra Crossing an (82 New Church St). Mein Zimmer ist simpel aber ok. Immerhin zwei dicke Sessel. An der Rezeption ist Susan, die leider ein bisschen maulfaul ist. An der Bar trinke ich erstmal ein Black Label, inzwischen ist es schon dunkel. Das Auto kann ich nicht vorm Hostel lassen, zu unsicher. Einen bewachten Parkplatz gibts aber nebenan gegenüber dem “Backpack” (74 New Church St), 20 Rand die Nacht.

Zebra Crossing, 82 New Church St, Cape Town
Long Street
Das Zebra Crossing liegt nur 5 Min. von der Long Street entfernt – DIE Ausgehmeile für Traveller und eher junge Leute, das gediegene Publikum besucht lieber die V&A Waterfront. Die Long Street ist ein quirliges Sammelsurium von Klamotten- und Plattenläden, Jugendherbergen, Kneipen, Bars, Restaurants, Clubs. Überall ist was los. An den Ecken stehen überall zwielichtige Typen, die einen wegen Drogen anquatschen (Marihuana, Kokain, Speed, “Magische Pilze”). Bettler/-innen gibts auch viele. Die Stimmung ist locker und partymäßig. Alle paar Meter stehen städtische Securityguards oder Parkwächter in leuchtenden Warnwesten. Dieses Aufgebot erzeugt immer noch bei mir mir ein mulmiges Gefühl. Die stehen ja auch nicht umsonst da.

Long Street
Ich esse im “Royal Eatery” einen indischen Chickenburger und lerne Stefan, einen Schweizer Ingenieur kennen, der hier nach seinem beruflichen Einsatz noch ein paar Tage dranhängt. Wir quatschen und trinken Wein, und noch mehr Wein, gegen Mitternacht wanke ich ins Hostel zurück.

Von Fotoscheu kann bei den Kapstädtern keine Rede sein
Schönste Stadt der Welt? – Dienstag, 20.10.
Leider war wohl das letzte Glas Wein gestern abend schlecht, jedenfalls dröhnt mein Kopf. Immerhin gibts im Zebra Crossing für 25 Rand ein Früstück mit Semmel, Crossaint und sehr gutem Kaffee.

Tafelberg (von der V&A Waterfront)
Kapstadt entdecken
Dann mache ich mich auf, die Stadt zu entdecken. Mein erster Eindruck ist der einer europäischen und ein bisschen amerikanischen Metropole, mit einem Schuss Afrika. Der Tafelberg gibt ein schönes Panorama. Insgesamt kann ich schon verstehen, warum sich hier auch viele Europäer niederlassen. Kapstadt wird im Reiseführer übrigens gerne als einer der schönsten Städte der Welt beschrieben. Nun ja, über Geschmack lässt sich nicht streiten, jedenfalls haut mich die Stadt nicht völlig von den Socken. Der Verkehr nervt jedenfalls gewaltig, um die Ampelphasen zu überwinden braucht man schon olympische Sprinterqualitäten.

Diese Skulptur trägt den Titel "Africa". Sehr treffend, wenn man drüber nachdenkt.
Die Straßen sind belebt durch die unterschiedlichsten Menschen, und man kann auch tagsüber sicher herumspazieren. Ich biege von der Long Street in die Whale Stree ein und schau mir das Kap-Malayenviertel an mit seinen bunten Hausfassaden und Moscheen.

Kap-Malayenviertel
So langsam klappere ich alle Sehenswürdigkeiten der Innenstadt ab, bis ich zum Vergnügungs-, Shopping- und Hafenviertel “Victoria & Alfred Waterfront” (V&A Waterfront) komme. Die Waterfront hat ein bisschen was von Disneyland, alles etwas künstlich und aufgesetzt, sehr ordentlich, aber wenig authentisch.

V&A Waterfront
Endlich wieder Weißbier
Am Eingang zur Waterfront, beim Clock Tower, ist ein Münchner Paulaner Bräuhaus mit Biergarten. Weißbier, wie ich das vermisst habe! Und sogar billiger als in München! Ich kann’s mir nicht verkneifen, und setze mich an die Theke im Biergarten, wo Schwarze im Dirndl oder in Lederhosen bedienen. Es gibt sogar Brezn und Schweinsbraten. Als dann noch die bayerische Trachtenkapelle “Kennst Du die Berge in Kufstein” spielt, verdufte ich. Man kann es auch übertreiben.

Ich möchte diesen Teppich nicht kaufen! Gute Reise!
Über Kapstadt
Gegen halb fünf bin ich im Hostel zurück und ringe mit mir, ob ich noch auf den Tafelberg soll. Da ich schon zwei Weißbier getrunken habe, will ich auch nicht mehr mit dem Auto fahren, zumal der Verkehr in Kapstadt wirklich ätzend ist. Ich raffe mich auf, und mit dem Taxi gehts zur Talstation, wo eine Gondel hochfährt.

Auf den Tafelberg
Gegen halb sechs bin ich oben, und bin total begeistert. Die Aussicht über Kapstadt, die Berge, das Meer ist absolut grandios. An den anderen Berggipfeln schweben sanft die Wolken vorbei, alles wirkt malerisch. Das darf man wirklich nicht versäumen! Auf dem Tafelberg sind einige Wanderwege ausgezeichnet und die Landschaft ist beeindruckend. Es weht allerdings oben ein warmer, aber sehr heftiger Wind, zum Glück habe ich meine Regenjacke dabei. Ich schlendere über eineinhalb Stunden oben herum, kurz vor 7 nehme ich eine der letzten Gondeln runter. Schade, dass ich den Sonnenuntergang nicht oben beobachten kann, erst im November werden die Fahrzeiten ausgedehnt. Trotzdem, so schön hatte ich es mir vorher gar nicht ausgemalt, und bin immer noch vom Anblick begeistert.

auf dem Tafelberg
Abends sitze ich dann nur noch im gemütlichen Fernsehraum und schreibe Tagebuch.
Kap der Guten Hoffnung – Mittwoch, 21.10.
Robben Island
Heute war ein schöner und gemütlicher Tag, obwohl er erstmal schlecht gestartet ist. Ich musste schon früh raus, da ich für 8:30 ein Ticket nach Robben Island habe, der Gefängnisinsel, auf der einst Nelson Mandela einsaß. Der Kartenkauf (180 R, ein Happen Geld für S.A.) am Vortag ging problemlos, aber in der Hochsaison muss man angeblich die Karten zwei Wochen im voraus reservieren. Auf der Insel führen ehemalige politische Gefangene durch die Anlagen. Irgendwie gehört Robben Island zum Pflichtprogramm in Cape Town, aber um ehrlich zu sein, so richtige Lust hatte ich nicht. Wie das eben mit so Pflichtterminen ist.

Eck-Café
Ich kämpfe mich also mit dem Auto durch den Berufsverkehr zur Waterfront, das Linksfahren macht mir inzwischen nicht mehr viel aus, aber der Verkehr ist trotzdem nervig, suche einen Parkplatz, verlaufe mich und hetze zur Ablegestelle (Mandela Gateway, beim Clock Tower). Es weht ein heftiger Wind, geradezu ein Orkan. Komme gerade noch rechtzeitig an, da wird gerade durchgegeben, dass heute alle Fähren wegen des Sturms gecancelt wurden.

Jack-Ass
Pinguine
Meine Enttäuschung hält sich in Grenzen, statt dessen beschliesse ich, den Tag mit einem schönen Ausflug zu begehen. Zunächst fahre ich ca. 40 km Richtung Süden nach Simon’s Town, zum Boulder Beach, wo eine Pinguin-Kolonie ist. Wegen des immer noch starken Windes haben sich die putzigen Vögel hinter und unter Steinen verkrochen, trotzdem kommt man dicht an sie ran, sie sind auch gar nicht scheu. Es sind Kappinguine, werden aber auch Esel-Pinguine genannt, weil ihre Rufe sich wie die von Eseln anhören. Klingt ulkig. I-Ah, I-Ah.

Bitte recht freundlich!
Auf dem Weg von Kapstadt am Kap entlang sieht man auch, wo die ganzen Reichen wohnen. Die Autobahn sieht eher aus wie eine Parkallee, mit schönen gepflegten Baumgruppen und Blumen am Rand und in der Mitte. Prächtige Villen stehen an der Küstenstraße.
Ans Kap
Nachdem ich den Pinguinen “Mbuana” gesagt habe, fahre ich ans Kap der Guten Hoffnung, besser gesagt dem Kap-Nationalpark. Der “Park” ist gar nicht so klein, hinter dem Gate fährt man noch 15 km bis zum Kap. Die Landschaft ist mal wieder wunderschön.

Am Kap
Kurz vorm Kap läuft noch ne Herde Strauße übeer die Straße. Auch viele Paviane treiben sich rum. Der Sturm wird sogar noch schlimmer, manchmal kriege ich die Autotür kaum auf. Am Kap der Guten Hoffnung sind natürlich die ganzen Touristenbusse – eine Horde Chinesen hat gerade das Kap geentert.

Kap der guten Hoffnung - die Chinesen sind auch schon da
Aber es gibt auch viele abgelegene Stellen im Park. Auf einer kleinen Wanderung stoße ich wieder auf eine Pavianfaamilie. Der Oberboss stellt sich in den Weg und droht mir, ich warte ein bisschen. Dann beschliesst er aber, sich lieber mit einer seiner “Hofdamen” abzugeben. Während er zwei Minuten lang beschäftigt ist (richtig romantisch wirkt das nicht gerade…) schleiche ich mich am Weg vorbei.

Nicht jugendfrei
Ich bleibe bis zum frühen Abend im Kap-Nationalpark. Der Ausflug hat sich wirklich gelohnt. Die Landschaft ist wirklich eine Augenweide, und die Begenungen mit den Straußen und Pavianen war auch sehr witzig.

Abends hänge ich so ein bisschen im Hostel rum, und weiss nichts mit mir anzufangen. Leider kommt im “Zebra Crossing” keine richtige Stimmung auf; das Hostel wirkt insgesamt eher duster. In den anderen Hosteln war abends immer was los und man hat Leute getroffen, mit denen man ausgehen konnte. Alleine habe ich keine Lust, auf die “Vergnügungsmeile” zu gehen. Ich lasse mir im kleinen Restaurant einen Cheeseburger machen, trinke zwei Black Label und das war’s.

Kap-Nationalpark ... menschenleer
Seehunde – Donnerstag, 22.10.
Morgens kämpfe ich mich schon wieder durch den Berufsverkehr. Am Anfang meiner Reise habe ich ein österreichisches Pärchen kennengelernt, welches ich in Kapstadt nochmal treffen will. Kenne aber nur den Vornamen und das Hotel (“Icon Hotel”). Stelle mein Auto irgendwo ins Halteverbot mitten auf die Straße, und erkundige mich an der Rezeption. Offensichtlich sind Alex und Freundin schon hinreichend aufgefallen, und die Rezeptionistin erinnert sich an eine superblonde Frau mit “komischem Namen”. Sind aber beide schon unterwegs, ich hinterlasse eine Nachricht.

Die südlichste Würstchenbude der Welt steht in Hout Bay
Peakman’s Drive, Hout Bay
Anschließend fahre ich Richtung Süden, nach Noordhoeck. von dort geht der Peakman’s Drive ab, eine atemberaubende Panoramastraße (mautpflichtig), Richtung Hout Bay im Norden. Man könnte auch die andere Richtung fahren, aber dann liegen die schönen Aussichtspunkte auf der falschen Seite.

Peakman's Drive
Als ich mittags in Hout Bay ankomme, habe ich mächtig Durst und fahr erstmal zum Spar Supermarkt. Dort bestürmt mich gleich ein Kongolese, der mein Auto waschen will – solche Dienstleistungen sind völlig normal hier. Ist jedenfalls ne gute Idee, meine Scheibe ist völlig verschmiert und verkleistert. Als ich aus dem Supermarkt komme, ist der Mann immer noch zugange, wäscht mein Auto von oben bis unten.

Hout Bay
Nun, ich mach noch einen kleinen Spaziergang um den Block, hebe Geld ab, schau mir Schaufenster an. Mei, nach ner Viertelstunde ist mein Auto immer noch nicht ganz fertig. Hat der eigentlich nichts anderes zu tun? Das Auto glänzt und blinkt inzwischen, dass sich Passanten Sonnenbrillen aufsetzen müssen. Ich geb dann noch mal extra Trinkgeld, obwohl ich eigentlich ja nur die Scheibe klar haben wollte – um das Auto am nächsten Tag sicher zum Flughafen zu bringen.

Sucht wohl schon länger einen Käufer
Nach einer Stärkung am Hafen (lekker Fisch!), gehts mit nem Bötchen raus nach Duiker Island, der Seehund-Insel (50 Rand).

Ja, wo sind denn die Robben?
Hunderte Tiere haben sich da versammelt. Sieht sehr putzig aus, aber die Viecher stinken erbärmlich.

Seehunde stinken!
Der letzte Abend
Abends treffe ich im Hostel noch eine leicht verwirrte, zur Vergesslichkeit neigende Engländerin mittleren Alters, die irgendwie ihren bisherigen Job losgeworden ist, und jetzt in Kapstadt im Kinderheim aushelfen will. Na prost Mahlzeit, auf die haben die Kinder gerade noch gewartet.

Cat & Moose Backpacker, Long Street (Empfehlung von Dona, leider war schon alles belegt)
Eigentlich wollte ich den letzten Abend nochmal so richtig losziehen, aber im Hostel sitzt nur noch John rum, pensionierter, aber quickfideler Amerikaner aus Oregon, der sich einmal im Jahr eine Auszeit von Heim und Frau gönnt, um die Welt zu entdecken. Wobei … “quickfidel” passt nicht richtig, John hat einen Sehnenriss am Bein, weil ihm in Lesotho ein durchgeknallter Bettler einen riesen Rohstock vor den Latz geknallt hat. Das ist nun drei Wochen her, seitdem hat er eine mächtige Beinschiene und humpelt durch die Gegend. Inzwischen kann er aber über sein Unglück lachen. Wir unterhalten uns noch bis spät abends über’s Alleinreisen, und überhaupt über Gott und die Welt. gegen zehn ruft dann auch noch Alex, der Österreicher an – hat meine Nachricht zu spät bekommen. Wir verabreden uns dann unverbindlich in heimatlichen Gefilden.

Sundowning am Tafelberg
Danach gehe ich auch nicht mehr raus. Ich denke darüber nach, was eigentlich das Schönste an der Reise war. Es waren letztendlich nicht die spektakuläre Landschaft oder andere sensationelle Sehenswürdigkeiten, sondern die vielen Menschen, die ich kennengelernt habe, die Freundlichkeit der Südafrikaner, und der anderen Reisenden. John war wieder so jemand, mit dem ich stundenlang quatschen konnte, und so machte es auch nichts, dass ich den letzten Abend in Südafrika nicht in einer tollen Bar oder Restaurant verbracht habe.
Abschied – Freitag, 23.10.
Letzter Bummel
Letzter Tag. Packe meine sieben Sachen und verstaue sie im Hostel. Danach schlendere ich durch die Stadt, bummle über die Fussgängerzone, kaufe hier und da Kleinigkeiten als Mitbringsel, schau mir noch ein paar Sehenswürdigkeiten an (z.B. Rathaus), aber eigentlich bin ich etwas melancholisch und habe keinen rechten Spaß.

Lunch zwischen Trödel
Gegen mittag verputze ich mal wieder einen Hamburger mit Straußenfleisch, und genehmige mir ein letztes Bier, ein Windhoek Lager, aus Namibia. Schmackhaft und doch leicht (4% Alc.).

Windhoek Lager: nach dem Reinheitsgebot gebraut!
Airport
Da mich Naomi vor Wochen vor dem Chaos aufgrund von Baumaßnahmen auf dem Kapstadter Flughafen gewarnt hat, mache ich mich sehr rechtzeitig auf, um das Auto zurück zu geben. Aber von Chaos bemerke ich nichts, die Rückgabe des Autos und des Navis klappt völlig reibungslos, und so habe ich noch 3 Stunden Zeit bis mein Flug geht.
Das Land hat mich begeistert, und doch ab und zu nachdenklich und deprimiert gemacht. Der Weg zur Rainbow Nation, einer Nation der echten Einheit und Schwarz-weiss-bunten Gemeinschaft ist noch ein langer Weg, zu groß sind noch die Gegensätze in den Lebensverhältnissen, zu separiert leben die Menschen.
Dennoch – jetzt geht eine sehr schöne, erlebnisreiche, spannende Reise zu Ende. Die freundlichen Südafrikaner, die Herzlichkeit, die schöne Landschaft, die Begegungen mit wilden Tieren werden wohl unvergesslich sein. Durch’s Alleinreisen habe ich viele neues an mir selbst entdeckt (z.B. dass ich doch, wenn’s drauf ankommt, kontaktfreudig sein kann). Meine Bedenken hinsichtlich Sicherheit haben sich am Schluss auch zerstreut (aber Vorsicht ist nie verkehrt!).

It's a long way home